Für @Emmamarie412 ♡
Sonnenwind
Leons Sicht:
Wir fuhren dem Sonnenaufgang entgegen. Der Wind wirbelte den Sand herum und die Geräusche unserer Motorräder dröhnten in meinen Ohren. Es war ein wunderbares Gefühl. Ein vertrautes Gefühl. Ein Gefühl von Freiheit. Ich gab immer mehr Gas und genoss den Augenblick. Die Sonne streckte ihre Strahlen über das Land und hüllte alles in ein warmes Licht. Vielleicht gab ich auch so viel Gas, um so viel Distanz, wie nur irgendwie möglich zwischen mir und diesen Ort zu bringen. Es war grausam. Dieser Ort war grausam. Alles was passiert war, war grausam. Ich wollte einfach nur weg. Nach einigen Stunden fuhr Maxi mit seiner Maschine und seiner Freundin auf dem Rücksitz neben mir her. Er funkte durch den Helm: „Wir sollten eine Pause machen. Wir sind alle ziemlich erschöpft." Ich war ein wenig überrascht, für mich fühlte es sich nicht wirklich lange an, doch dann schaute ich auf meine Uhr - Kacke verdammte! Wir waren tatsächlich schon über 5 Stunden unterwegs. Ich nickte Maxi schließlich zu und suchte dann nach einem geeigneten Platz, um eine Pause einzulegen.
Wir fuhren ein Stück in einen Wald und fanden eine schöne Lichtung. Wir stiegen von unseren Motorrädern und streckten uns alle. Jetzt merkte auch ich, dass wir schon ziemlich lange unterwegs waren. Mir tat alles weh. „Verflixte Hühnerkacke! Leon! Ich dachte schon wir machen gar keine Pause mehr!" beschwerte sich Nerv, während er aus seinem Kart kletterte. „Ich will hier einfach nur weg." grinste ich den Jüngsten an. Es war ungewohnt, dass so viele Mädchen dabei waren. Sie hielten die Hand ihres neugewonnenen Freundes und himmelten sich gegenseitig an. Waren Vanessa und ich auch so eklig verliebt? Vanessa. Hm, wie sehr ich sie doch vermisst hatte. Sie stand ein wenig abseits und schaute in die Ferne. Ob ich zu ihr gehen sollte? Wir mussten definitiv reden. Allerdings nicht in der Anwesenheit unserer Freunde. Nein. Alleine. Ich musste nur den passenden Zeitpunkt abwarten. „Ich geh Feuerholz suchen. Bereitet ihr schon mal etwas zu essen vor?" fragte ich in die Runde. „Nein!" schrie Vanessa. Alle drehten sich zu ihr und keiner traute sich auch nur einen Mucks von sich zu geben. „Bitte geh nicht allein." bat sie mich mit ängstlichem Blick. „Wir sind dem ‚Ort' noch viel zu nah!" fügte sie hinzu, wobei sie das Wort Ort ziemlich komisch betonte. „Okay, will mich jemand begleiten?" fragte ich in die Runde, ohne meinen Blick von Vanessa abzuwenden. „Ich geh mit dir." bot Maxi mir an und schloss den Reißverschluss seines Mantels. Vanessa nickte.
Wir hatten schon einiges an Feuerholz gesammelt, als Maxi das Wort ergriff. „Schön dich wieder bei uns zu haben! Vanessa hatte große Angst um dich. Darf ich fragen, wieso du ihr keine Nachricht hinterlassen hast?" wollte er wissen. Ich sah ihn ein wenig verwundert an. „Wie hätte ich das denn anstellen sollen?" lautete meine Gegenfrage, während in einen Stock aus dem Boden zog. „Hast du immer Zettel und Stift zur Hand?" fügte ich hinzu und grinste ihn an. Er schaute bedrückt zu Boden. Sollte ich ihm die Wahrheit sagen? Immerhin war meine Entführerin jetzt seine Freundin. Ich rang mit mir. Schlechte Stimmung versprühen war jetzt wirklich das Letzte, das ich wollte. Jedoch hatte Maxi gefragt und ich war ihm eine Erklärung schuldig, immerhin hatte auch er sein Leben für mich riskiert. „Sie hat mir gedroht." begann ich meine Erzählung. Maxi zog seine Augenbrauen verwirrt zusammen. „Blossom meinte, dass sie Vanessa auch beißen würde, wenn ich nicht auf der Stelle mitkomme." fuhr ich fort. „Ich konnte nicht zulassen, dass ihr etwas passiert." sagte ich. „Wieso warst du dir so sicher, dass wir bzw. dass Vanessa dich suchen wird?" fragte der Mann mit dem härtesten Bums nach. Ich grinste. Meine Gedanken schweiften ab und ich musste an den Abend am See denken. An unser Versprechen. An die Küsse. An die Schmetterlinge in meinem Bauch. „Nach der Nacht am See, war ich mir da einfach sicher." erklärte ich ihm. Maxi lachte. „Soso! Die Nacht am See".
Flashback:
„Dafür sorgen die Sterne." flüsterte ich und küsste Vanessa sanft. Das Lagerfeuer spendete angenehme Wärme, die ich in diesem Moment allerdings gar nicht unbedingt gebraucht hätte. Der Kuss verwandelte sich in eine leidenschaftliche Knutscherei. Dabei wurde mir warm genug. Nach einer Weile löste ich den Kuss vorsichtig. „Ich liebe dich." flüsterte ich an Vanessas Ohr, was sie lächeln ließ. Ihr Lächeln brachte mich fast um den Verstand. Die Flammen des Feuers spiegelten sich in ihren strahlend braunen Augen. „Ich liebe dich auch." antwortete sie mir ebenso leise. Das Knistern des Feuerholzes machte die ganze Stimmung nur noch romantischer. Mein Magen überschlug sich und mein Herz klopfte immer schneller an meine Brust. Ich legte meinen Kopf neben Vanessas ab und legte einen Arm um sie. Ich sah sie einfach nur an und genoss den Augenblick, bis wir beide langsam einschliefen.
Von Schmerzen geplagt, wurde ich wach. Es fühlte sich an, als würde ich innerlich verbrennen. Mir war schwindelig und heiß. Ich versuchte mich zunächst zu orientieren. Das Lagerfeuer glühte nur noch schwach, daher konnte ich so gut wie nichts sehen. Plötzlich hielt mir jemand eine Hand vor den Mund. „Wenn du schreist oder deine Freundin weckst, dann stirbt sie." flüsterte mir jemand ins Ohr. Mir lief es eiskalt den Rücken hinunter. Mein Puls war unnormal hoch. Der blonde Lockenschopf löste die Hand von meinem Mund und kniete sich neben mich. „Stell dir vor, Vampire gibt es wirklich. Und du bist jetzt einer von uns." erklärte sie mir und lächelte mich finster an. Ich musterte sie genauer und mein Blick fiel sofort auf ihren Mundwinkel. Dort klebte eindeutig Blut. Ein Stich durchfuhr meinen Körper. Ich führte meine Hand zu meinem Hals und spürte einen Bissabdruck. Die Stelle brannte wie Feuer. Es musste als mein Blut sein, das da in ihrem Mundwinkel hing. „Es gibt zwei Möglichkeiten." begann die Vampirin zu erklären. „Entweder du kommst freiwillig mit und deiner Freundin wird nichts passieren oder aber du bleibst hier, warnst sie und sie stirbt. Genauso, wie du." Ich war noch völlig durch den Wind. Träumte ich das alles nur? Nein, Raban und Joschka hatten uns gewarnt. Es war real. Ich ärgerte mich über mich selbst. Wären wir nur im Lager geblieben. „Kleiner Tipp. Du solltest dich entscheiden, bevor die Sonne aufgeht." Ich blickte zu Vanessa. Sie schlief seelenruhig. Ich konnte doch nicht einfach so verschwinden. Noch vor ein paar Stunden hatte ich ihr geschworen, dass wir für immer zusammen bleiben. Dieses Versprechen wollte ich verdammt nochmal einhalten. Ich konnte mir kein Leben ohne sie vorstellen. Doch ich wollte nicht, dass ihr etwas passierte. Ich beugte mich zu meiner Freundin und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn. Anschließend löste ich meinen Blick von ihr und sah zurück zur Vampirin. Ich nickte. Beim Versuch aufzustehen, musste ich mich an einem Bauch festhalten, da ich selbst im Sitzen das Gefühl hatte, ich würde umkippen. Ich war ziemlich wackelig auf den Beinen, doch langsamen Schrittes folgte ich ihr in die Nacht.
„Ich heiße übrigens Blossom." grinste mich die Blondine an. Ihr Name war mir wirklich egal. Mir war speiübel und ich konnte mir nicht vorstellen, dass das gerade wirklich alles passierte. Es gab doch verflixt nochmal keine Vampire! „Warum hast du das getan?" fragte ich sie und hielt mich wieder an einem Baum fest. „Oh, das ging nicht von mir aus. Du wirst unseren Anführer noch kennenlernen. Er wird dir alles erklären." Ihre Stimme klang ganz leise und verzerrt. Schließlich wurde mir schwarz vor Augen und ich fiel zu Boden.
Als ich wieder wach wurde, ging es mir schon besser. Ich hatte keine Schmerzen mehr und ich war sogar ziemlich fit. Ich schaute mich um und musste mit Erschrecken feststellen, dass ich in einem kleinen Raum umgeben von Eisenstäben saß. Es sah aus, wie ein Gefängnis. „Hallo?" schrie ich in den Flur, der endlos erschien. „Hallo?" wiederholte ich. Die ganze Umgebung war ziemlich dunkel und kühl. Es brannte nur hier und da eine Fackel, die an den Wänden befestigt waren. „Na sieh mal einer an. Der wohl wildeste Kerl von allen." lachte eine männliche Stimme. Ich konnte jedoch niemanden erkennen. „Ich bin Darkside. Willkommen in unserer Festung." sagte er nun und plötzlich wurde mir ein Tablett durch eine Klappe am Boden in die Zelle geschoben. Darauf befand sich ein Becher Kaffee, ein Brot und ein Apfel. Ich dachte allerdings nicht daran, diese Sachen zu essen. Ich saß eine Zeit in meiner Zelle und langweilte mich. Ununterbrochen dachte ich an Vanessa. „Das Essen ist schon nicht vergiftet." lachte Blossom und setzte sich vor meine Zelle. Ich hatte keinen Hunger, dennoch biss ich vom Brot ab. Es war seltsam. Es schmeckte nach nichts. Ich nahm den Apfel und biss davon ab. Nichts. „Egal was du isst oder trinkst, es wird alles nach nichts schmecken. Nicht mal einen Kuss von deiner geliebten Vanessa würdest du jetzt noch schmecken oder fühlen." Blossom provozierte mich. Ich verstand nicht ganz. „Du bist tot. Du fühlst nichts mehr. Du schmeckst nichts mehr. Das ist der Preis für die Ewigkeit." Ich hätte gesagt, dass ich mich traurig gefühlt habe... Doch sie hatte Recht. In diesem Moment fühlte ich nichts. Keine Wut, keine Angst, keinen Hass. Nichts. „Du bist doch krank!" brüllte ich und schmiss den Apfel gegen die Wand mir gegenüber, der daran zerschellte. „Ach wirklich?" Ein weiteres Mädchen setzte sich vor die Zelle neben Blossom und starrte mich an. Sie hatte ihre schwarzen Haare zu zwei Zöpfen zusammengebunden. Aufgrund ihres Ponys konnte man ihr Gesicht nur schlecht erkennen. „Uuuh, der besagte wilde Kerl." Noch ein Mädchen gesellte sich zu uns. „Der Wildeste unter Tausend." Die beiden letzten Mädels waren eindeutig Zwillinge. „Was wollt ihr von mir? Das hier ist kein Kino!" Ich war sauer. Zumindest war das die normale Reaktion auf so eine Situation. Ich konnte einfach keine Wut empfinden. „Nein, eher wie ein Besuch im Zoo." Ein dunkelhäutiger Typ mit der gleichen Frisur wie Blossom trat aus dem langen Flur hervor und starrte mich an. Seine grünen Augen leuchteten in der Dunkelheit. Das musste Darkside sein. Ich stand auf und sah ihn ernst an. „Ein Zoo-Käfig mit einem Lockvogel." Er machte sich ganz offensichtlich lustig über mich. „Lockvogel?" fragte ich abwertend und ballte die Hände zu Fäusten. „Ja, für deine Freunde und vor allem für Vanessa." grinste der Vampir dreckig. Mein Kopf schnellte zu Blossom. „Du hast gesagt, dass ihr nichts passiert, wenn ich freiwillig mitkomme!" schrie ich sie an und schlug mit meinen Fäusten gegen die Eisenstäbe. Sie schaute betrübt zu Boden und dann zu Darkside. Der männliche Vampir lachte. „Wenn du ihr etwas tust, dann schwöre ich bei Gott, bekommst du es mit mir zu tun!" schrie ich nun ihn an. „Aber, aber. Ich werde nichts tun, was sie nicht freiwillig will." entgegnete er mir und grinste mich wieder dreckig an. Ich war fast am Durchdrehen. Ich schlug nochmal gegen die Metallstreben. „Wenn du ihr auch nur einen Millimeter zu nahe kommst, dann bring ich dich um!" schrie ich ihn an. „Aber, wir sind doch schon tot."
Die Vampire verschwanden alle wieder und ließen mich alleine zurück. Ich vernahm einen lauten Knall hinter mir. „Ich bin Jeckyll und das da ist Hyde." Ich hatte keine Ahnung, wie die kleinen Nervensägen hier reingekommen waren. „Für immer wild." sagte der Kleine mit der Igelfrisur. „Für immer stimmt. Er wird für immer hier sein." antwortete ihm der andere Vampir. Ich fasste mir zwischen die Schlüsselbeine, an die Stelle, wo meine Ketter immer hing. Erst jetzt bemerkte ich, dass sie mir meine Kette gestohlen hatten. „Gib sie sofort zurück!" fauchte ich die kleinen Blutsauger an. Sie schüttelten den Kopf und verschwanden aus der Zelle. Ich hätte schwören können, dass sie sich in Luft aufgelöst hatten. Ich war wieder alleine und setzte mich zurück auf den Boden. Selbst wenn ich nichts fühlen konnte, machte sich Angst in mir breit. Angst um Vanessa. Ich wollte sie um jeden Preis beschützen, doch von dieser Zelle aus, war das unmöglich.
Flashback Ende
Als wir zurückkamen, waren Terry und Mary schon damit beschäftigt, den Tisch zu decken und die anderen bauten die Zelte auf. „Wollt ihr hier gleich übernachten?" fragte ich verwundert in die Runde, als ich das Feuerholz zur Feuerstelle brachte. „Ja, wir sind total kaputt." antwortete mir Markus. „Lass uns morgen weiterfahren!" fügte Raban hinzu. Ich nickte und entfachte das Feuer. Wir ließen uns das Essen schmecken und saßen mit vollgeschlagenen Bäuchen ums Feuer. „Wow! Das war köstlich!" schwärmte Düsentrieb. „Vorzüglich!" sagte Blossom und formte mit ihrem Daumen und Zeigefinger einen Kreis. „Ich hatte schon ganz vergessen, wie Essen schmeckt." sagte Terry und kuschelte sich an Rabans Brust. „Leon, darf ich dich was fragen?" meldete sich Klette zu Wort. Ich nickte in ihre Richtung. „Wie war es, solange aus Stein zu sein?" Erst Maxis Fragen und jetzt Klette, sie hatten sich wohl alle wirklich große Sorgen um mich gemacht. „Einsam. Es war einsam und kalt." antwortete ich ihr. „Wie konntest du dir so sicher sein, dass wir dich finden?" wollte Joschka nun wissen. Ich zuckte mit den Schultern. „Ich war mir nicht sicher!" entgegnete ich ihm und stocherte mit einem Stock im Feuer herum. „Aber du hast gehofft, dass sie dich finden und Vanessa dich dann erlöst. Das ist so romantisch!" schwärmte Mary und gab ihrem Freund einen Kuss auf die Wange. Mein Blick wanderte zu Vanessa. „Oh Mary, das ist noch gar nichts. Du hättest am Abend der Entführung am See dabei sein sollen. Das war wirklich herzzerreißend romantisch. Besser als jede Liebesschnulze. Das hätte dir gefallen!" lachte Blossom. „Hey, hey!" lachte Raban. „Und hoho!" fügte Joschka hinzu und alle anderen stimmten mit ein. Einzig und allein Vanessa schaute zu Boden. Mein Blick klebte an ihr, als sie aufstand und im Zelt verschwand. „Gut gemacht, Leute!" sagte ich ironisch und wollte gerade zu ihr gehen.
Erzähler Sicht:
„Warte!" rief Blossom dem Anführer der wilden Kerle zu. „Lass mich mit ihr reden." bat sie Leon. Dieser wich zurück und ließ den blonden Lockenkopf zu seiner Freundin gehen. „Klopf, klopf." flüsterte Blossom, als sie Vanessas Zelt betrat. Sie wusste, wie sich Vanessa fühlen musste. Ihr Herzschlag erhöhte sich, als sie sich neben die Unerschrockene setzte. Das war ein ungewohntes Gefühl. Sie entdeckte das Leben völlig neu. „Ich weiß, wie du dich fühlst." begann sie ihre Erzählung. „Vor über 100 Jahren war ich in der gleichen Situation. Ich war verliebt. Ich war glücklich. Mein Freund und ich waren unterwegs und eines Nachts ist er verschwunden. Ich habe lange nach ihm gesucht und eines späten Abends, es war bereits dunkel draußen, hörte ich eine E-Gitarre. Ehrlich gesagt, war es schon um mich geschehen, als ich den Raum betrat und ihn da sitzen sah. Darkside hatte mich verführt. Ich war so naiv. Die Ewigkeit klang einfach so verlockend und bezaubernd. Ich wollte für immer 17 bleiben und für immer glücklich und gesund. Doch ich hatte den Preis für die Ewigkeit unterschätzt. Ich habe meine erste große Liebe verloren. Ihn für immer verloren. Das kann ich nie wieder rückgängig machen. Ich werde ihn nie wiedersehen, denn Darkside hat ihn zerstört. Er hat ihn eines Nachts gebissen, ihn der Sonne ausgesetzt und dann zerschlagen. Aber du, du Vanessa hast das Märchen wahr werden lassen. Du liebst Leon so sehr und er liebt dich so sehr, dass Darkside nie eine richtige Chance hatte. Er war jeden Abend bei Leon und hat auf ihn eingeschlagen. Doch er hatte nicht die geringste Chance. Eure Liebe war zu stark." Blossom schluckte. Sie hatte nicht viel nachgedacht, sondern einfach das gesagt, was ihr auf dem Herzen lag. Es tat gut. Sie bemerkte, dass ihr eine Träne über die Wange lief. „Trotzdem habe ich Leon verraten." flüsterte Vanessa. Blossom merkte, dass es jetzt kein guter Zeitpunkt war, um Vanessa mit Informationen und Trost vollzuladen. Daher beschloss sie die Unerschrockene alleine zu lassen und ihr Zeit zu geben, das Geschehe zu verarbeiten.
Schweißgebadet schreckte Vanessa hoch. Ein weiterer Alptraum, nichts Neues für die Unerschrockene, die seit Leons Verschwinden keine ruhige Nacht mehr hatte. Jede Nacht plagte sie ein anderer Alptraum, doch dieser hier war anders. Er fühlte sich so real an. Sie hatte von Darkside geträumt. Davon, wie er mit einer Eisenstange auf Leon einschlug und sie nichts unternommen hatte, um ihn zu stoppen. Sie setzte sich auf und nahm einen kräftigen Schluck Wasser. Sie atmete tief ein und aus. Wann würden diese schrecklichen Alpträume nur endlich ein Ende finden?
„Hey" flüsterte Leon. Seine Freundin antwortete ihm zunächst jedoch nicht. Sie schaute ihn nur mit großen Augen an. Sie schämte sich. Sie schämte sich für den Verrat an Leon und für die Naivität Darkside gegenüber. „Gehst du ein Stück mit mir?" fragte er leise. Leon wollte sich nicht in das dunkle Zelt setzen. Es war ihm zu beengt und zu nah an seinen Freunden. Die Zeltwände hatten Ohren. Er reichte Vanessa seine Hand zum Aufstehen und sie schlenderten in den nahegelegenen Wald. „Es ist so schön hier." schwärmte Leon und betrachtete einen kleinen See, der sich zwischen den Bäumen versteckte. „Du hast mir so gefehlt." Er nahm Vanessa in den Arm und strich ihr sanft über den Rücken. Er drückte ihr einen Kuss auf ihre Haare. „Es tut mir alles so unendlich leid." schluchzte sie. Sie hatte wirklich den größten Fehler ihres Lebens begangen. Das wurde ihr immer mehr bewusst. „Es ist alles gut". Leon war überrascht und doch löste er die Umarmung nicht, sondern intensivierte sie stattdessen. „Ich kann verstehen, wenn du mich nicht mehr liebst. Ich kann auch verstehen, wenn du mich nicht mehr in der Mannschaft haben möchtest." Vanessas Stimme war brüchig. Leon löste die Umarmung ein wenig und nahm ihr Gesicht in seine Hände. „So ein Quatsch! Hör bitte auf damit. Meine Gefühle für dich haben sich kein bisschen geändert." machte er der Unerschrockenen deutlich. Vanessa schaute betrübt zu Boden. Es brach Leon das Herz, seine Freundin so zu sehen. „Weißt du, was mir die ganze Zeit über in dieser beschissenen Vampirfestung Hoffnung gegeben hat? DU. Ganz alleine du. Ich wollte dich nicht aufgeben. Egal, wie oft sie mir eingeredet haben, dass das kein glückliches Ende für uns nehmen wird. Dieser ganze Mist liegt jetzt hinter uns. Glaub bitte nie wieder, dass ich dich nicht mehr lieben würde. Hast du etwa vergessen, was ich dir in der Nacht am See versprochen habe? Wir haben uns geschworen, dass wir für immer zusammen bleiben. Vanessa, ich liebe dich von ganzem Herzen." Der Slalomdribbler hatte in seinem ganzen Leben noch nie solche Gefühle. Er hatte noch nie so viel Liebe verspürt. In den letzten Monaten war ihm bewusst geworden, dass er ohne Vanessa nicht leben könnte. Die Unerschrockene sah ihn erstaunt an. Eine Träne rollte ihr über die Wange. Sie war gerührt. So etwas Schönes und Romantisches hatte Leon noch nie zu ihr gesagt und sie glaube ihm jedes Wort. „Ich liebe dich auch." flüsterte sie leise und schmiegte sich an seine Brust. Er legte seine Hand an Vanessas Wange und küsste sie zärtlich und voller Leidenschaft.
Dies war die erste Nacht, nach so unendlich vielen Nächten, in der sie keinen Alptraum hatte.
Noch vor Beginn der Dämmerung weckte Blossom alle auf. Sie setzten sich alle zusammen an den See und warteten auf den Sonnenaufgang. Der Himmel färbte sich langsam orange. Ein leichter Nebel hing über dem See. Nach und nach konnte man die Sonne am Horizont aufgehen sehen. „Das ist der schönste Sonnenaufgang, den ich jemals gesehen habe." staunte Leon.
Sie hatten im Sonnenaufgang den Beginn einer neuen Ewigkeit gefunden.
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So meine Lieben,
ich hoffe, dass euch der OneShot gefallen hat! :)
Es wird noch einen OneShot geben, wo ihr erfahrt, wer Leon von der Legende erzählt hat und wie er es aus dem Verlies geschafft hat - Stay tuned :)
Über Feedback würde ich mich sehr freuen!
Schaut gerne auch bei meiner aktuellen FF "Die wilden Kerle - Wild Love" vorbei :)
Alles Liebe
eure Princessnessa8
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Sonnenwind
AdventureWas ist in der Nacht von Leons Entführung wirklich passiert? Ist er wirklich freiwillig mit den Vampiren mitgegangen? Hier erfahrt ihr es! (Dieser OneShot schließt direkt an DWK 5 an) [LeonxVanessa] ...
