Prolog

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"Und es gibt wirklich keinen anderen Ausweg?", fragte er. Er schaute von seinem Kind auf und blickte in den pechschwarzen Nachthimmel. Jetzt rannen sogar ihm die Tränen. Ihm, der sonst immer stark war. Keine Gefühle zeigte. 
 "Nein", antwortete der Andere darauf, "Dein Vater wird es nie akzeptieren. Ein Kind, dessen Mutter keine Asin, sondern ein Mensch ist. Nun komm, nicht einmal seine Frau wird ihn noch lange aufhalten können.
"Und du kannst das Tor zum Bifröst auch wirklich öffnen? Heimdall ist doch woll nicht so töricht, das Tor nicht gut zu sichern." Er hatte noch immer Zweifel daran, dass ihm der Andere wirklich helfen könnte.
Als ob der Andere nicht einmal selbst gewusst hätte, wie man das Tor öffnet, machte er dieses sehr zögerlich auf. Wäre es nicht schon so dunkel gewesen, hätte er vielleicht das Grinsen auf dem Gesicht des anderen gesehen. "Du weisst doch, dass du mir vertrauen kannst", behauptete der Andere.
Er verabschiedete sich vom Anderen und schritt über den Bifröst, der im Nichts nur um so heller in seinen Regenbogenfarben erstrahlte. An einem anderen Tag hätte er dies vermutlich schön gefunden, doch an diesem Tag wünschte er sich, dass der Bifröst grau gewesen wäre. Langsam, doch immer noch schneller als jeder Mensch, der, wenn er alleine über den Bifröst gegangen wäre, verhungert wäre, überquerte der Gott den Pfad zu Midgard, der Welt der Menschen.
Als er unten ankam, ging er zur Kirche, die es im nächsten Dorf gab und legte das Bündel mit seinem Kind vor die Eingangstüre. In diesem Moment wusste er, dass er sein Kind nie mehr sehen würde.
 Er ging zurück und blickte noch einmal über den gesamten Fjord. Auf der anderen Seite toste der Wasserfall, und im Wald, hinter dem Bifröst heulte ein Wolf. Er fand diesen Ort wunderschön, es war kein Wunder, dass er die Verbindung von Midgard zu Asgard, der Welt der Götter war.

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