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Kapitel 1, Teil 1: ein kurzer Einblick

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Ich hob das Bündel auf. Es war mir vor Schreck in den Schlamm gefallen. Zum Glück würden die Herrschaften den Schmutz nicht sehen, denn die Ware war nicht beschädigt worden und man würde in der Küche ein fantastisches Mahl aus dem Gemüse bereiten.

Ich warf dem Mann, der einige Meter neben mir in eine Verkaufsbude gestürzt war und sich seit dem nicht mehr rührte einen bösen Blick zu. Er trug eine blaue Jacke und an seinem weißen Hemd war Blut. Wahrscheinlich sein eigenes, wenn man seine schlechte Verfassung bedachte.

Ich überlegte einen Moment, ob ich zu ihm eilen und helfen sollte. Einen einfachen Druckverband hätte ich ohne Probleme auch ohne medizinische Ausrüstung anlegen können und wahrscheinlich hätte sich auf dem Markt auch noch irgendein billiger Fusel gefunden, mit dem man die Wunde hätte desinfizieren können. Aber warum sollte ich diesem Mann helfen, der Schuld daran war, dass ich wahrscheinlich in nicht einmal zehn Minuten von der Froboess ausgepeitscht werden würde? Ein Blick auf die Straße zeigte, dass es andere Opfer gab, die meine Hilfe mehr verdient hätten. Aber auch ihnen würde ich nicht helfen. Warum nicht? Ich war kein schlechter Mensch. Zumindest hielt ich mich nicht für einen. Nicht grundsätzlich. Aber ich war ein Mensch mit Prinzipien und Idealen und auch wenn es nicht zu der christlichen Lehre passte, die man uns von der neuen Welt bis nach Moskau einprügelte, so war Nächstenliebe keines davon.

Neben mir sprangen zwei kämpfende Barbaren über den Weg. Während der größere die gleiche blaue Jacke trug wie der bewusstlose Rüpel einige Meter neben uns, war der andere in schwarz gekleidet. Seine Klamotten waren alt, wiesen viele Gebrauchsspuren auf und rochen, als wären sie einige Wochen, wenn nicht sogar Monate nicht gewaschen worden.

Piraten. Zu erkennen an den unkonventionellen Kleidern. Meist trugen sie Handschuhe, Stiefel und Stirnbänder. Auch Augenklappen waren in Mode, wobei nur wenige von ihnen diese wirklich benötigten. Unverständlich, warum Männer, die umherliefen, als hätten sie seit Jahren kein Modegeschäft oder Badehaus zu Gesicht bekommen, auf so ein unvorteilhaftes Accessoire Wert legten. Ich wollte gar nicht wissen, wie viele Piraten schon den Tod gefunden hatten, weil sie die Entfernung zu der Schwertspitze ihres Duellanten nicht hatten erkennen können.

Offenbar nicht genug. Egal wie viele Seeräuber von der Royal Navy hingerichtet worden, es schienen immer mehr aus dem Meer zu steigen.

Und jetzt waren sie auch in Hamburg. Vor ungefähr einer Woche war die Lady Victoria in den Hafen eingelaufen. Seitdem wurde geplündert, was das Zeug hielt. Was den Leuten hier lieb und teuer war, wurde hinter Holzplatten verriegelt und dann wurde gebetet. Wer sich seinen Peinigern nicht selbst in den Weg stellen wollte, der musste sich eben Hilfe bei dem gütigen Gott suchen.

Leider war es mit den Piraten nicht getan. Sie wären nach einiger Zeit, wenn sie sich an den hart erwirtschafteten Gütern der Einheimischen bereichert hätten von dannen gesegelt und wir hätten unsere schöne Stadt einfach wieder aufgebaut.

Nur kam diesen Nachmittag die Royal Navy an. Die Briten hatten es sich zur Aufgabe gemacht, de Weltmeere zu einem sicheren Ort zu machen und die Ozeane von dem Gesindel zu befreien. Dass wir darunter litten, interessierte niemanden. Es würde hier genauso laufen wie in anderen Städten, die Opfer des erbitterten Kampfes zwischen der Piraterie und der Krone geworden waren. Häuser würden brennen. Überall würden Leichen liegen. Piraten, Soldaten und Zivilisten. Und Plünderer kamen nicht nur von dem Piratenschiff.

Wenn ich ehrlich sein durfte, dann könnte ich gar nicht sagen, wen ich schlimmer fand: Die Piraten, die sich an dem Gut (ehrlicher) Kaufleute ergötzten und für ihre Grausamkeit bekannt waren, oder die Kämpfer der Royal Navy, die junge Mädchen raubten, sie beschmutzten und wegwarfen wie Müll und dann in die Heimat zurückkehrten und mit rausgestreckter Brust umher stolzierten und Auszeichnungen für ihre Tapferkeit bekamen.

Also nein, ich würde wahrscheinlich wirklich keinem hier helfen. Nennen wir es meinetwegen Nächstenliebe zu dem Mädchen, das mir immer nett zulächelt, wenn es mich sieht, und das jetzt nicht von dem Navy-Typen im Gemüsestand vergewaltigt werden würde.

Unauffällig schob ich mich an den kämpfenden Männern vorbei und machte mich auf den weg zurück ins Herrenhaus. Für die Froboess waren die Straßenkämpfe ganz sicher keine Entschuldigung, wenn das Essen nicht rechtzeitig auf dem Tisch stand.

Als ich allerdings auf die Hauptstraße, den normalweise schnellsten Weg zu meinem Zuhause, abbog, bereute ich es, dass ich nicht schon einige Stunden früher losgezogen war. Als ich in den Mittagsstunden ein Buch, das mir die freundliche Mrs. Pampel ohne ihr Wissen geliehen hatte, genossen hatte, war nicht abzusehen gewesen, wie sich der Tag entwickeln würde. Und ich kenne niemanden unter den Angestellten, der sich bei dem strömenden Regen, der vor ein paar Stunden gegen die Fenster geschlagen hatte, freiwillig einen Fuß vor die Tür gesetzt hätte.

Jetzt hatte der Regen zwar aufgehört, aber dafür wimmelte es hier nur so vor Piraten und Navy-Soldaten, die ganz scharf darauf waren sich gegenseitig die Schädel einzuschlagen. Es liegt in der menschlichen Natur, dass Waffengewalt mit Macht verwechselt wird. Und der Mensch strebt nach macht. Nahezu jeder. Umso mehr Macht ein Mensch hat, desto größer ist der Wunsch, sie zu nähren, damit sie wächst und alle Anderen überschattet.

Ein weiser Mann hat mich einmal gewarnt, dass ein Mensch, wenn er die Gelegenheit und Erlaubnis hat grausam sein wird. So grausam, dass wenn man es von außen sieht, nicht glauben kann, dass da ein normaler Mensch vor einem steht. Das Schlimme ist, dass der Mensch es nicht mitbekommt. Die Grausamkeit kann man nur von außen sehen.

Und die Menschen hier waren geradezu in einem Machtrausch. Jeder von ihnen trug eine Kanone oder ein Schwert und es war egal, wen sie damit verletzten.

Ich presste mich an eine Häuserwand. Vielleicht konnte ich unter den Ständen in Richtung des Hauses kriechen, aber das war riskant, weil diese ständig von irgendeinem Kämpfer nieder gerissen wurden. Einige Buden waren oben von Holzplatten bedeckt. Aber leider nicht alle. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich einen Pfad über die Dächer finden würde, war also ebenfalls nicht wirklich aussichtsreich. Und durch die Budendächer zu krachen, stellte ich mir unangenehm vor.

Die einzige Möglichkeit, die blieb, war dass ich mir einen Weg durch die Seitengassen bahnte. Das würde länger dauern, wäre aber am sichersten.

Also verschmolz ich mit den Schatten - eine Eigenschaft die man sich als Dienstmädchen aneignete. 


Soo, das ist der erste Teil des ersten Kapitels einer Geschichte, die mich hoffentlich motiviert mein Buch weiter zu schreiben. Wie ist mir der Teil gelungen?

Eine Piratengeschichte - nennen wir sie: von Kanonen und SchwerternCerita yang buat anda obses. Terokai sekarang