Arai lehnte sich über die Brüstung des Balkons und schaute herab. Neid überkam sie, als sie das Schaffen derer unter sich betrachtete und so fing sie an zu träumen.
Sie hörte nicht wie jemand die Treppe hinter ihr hinunter stieg und auf den kleinen Vorbau trat. Allerdings stoppten die Schritte in der Mitte des kleinen Vorbaus, der mit einigen weißen Blumen geschmückt war. Das Auftreten des Mannes hinter ihr war selbstbewusst. Fast so, als wüsste er, dass niemand ihm widersprechen darf.
"Wie kommt es, dass ich dich in letzter Zeit immer hier finde, kleines Häschen?"
"Wie kommt es, dass du mich nicht mal einen Tag in Ruhe lassen kannst, Karass?", entgegnete sie ihm, ohne sich umzudrehen. Während sie weiterhin in ihrem Traum verharrte.
Die Widerworte überraschten ihn zwar, aber seine Miene entspannte sich schnell wieder.
"So kenne ich dich ja gar nicht", spottete er.
"Stimmt, du kennst mich überhaupt nicht."
"So schlagfertig", kicherte er. "Trotzdem schaust du mich gefälligst an, wenn ich mit dir rede."
Wie auf Befehl wurde Arai herumgewirbelt, dass ihr seidenes Kleid im Wind wehte und sie aus ihrem Traum herausgerissen wurde. Als sich ihre Blicke trafen, begann ihr Körper einzufrieren. Seine lila Augen erfüllten sie mit einer Angst, die ihr ins Gedächtnis flüsterte, dass er alles machen könnte, was er wollte. Doch sie wusste, dass es nur ein billiger Zauber ist und dieses mal ließ sie sich das nicht gefallen. Sie schloss ihre Augen, atmete tief durch, um sich von der Angst zu befreien und so strömte langsam wieder Wärme in ihren Körper. In dem Moment als sie ihre Augen wieder öffnete, durchbrach sie den unsichtbaren Griff mit einer Druckwelle, die sowohl Karass durchrüttelte, als auch die Blumen zum Tanzen brachte.
"Du bist so voll von dir selbst", fing Arai an. Wut entbrannte in ihr. "Es ist unglaublich. Du denkst, jeder muss nach deiner Pfeife tanzen, dabei hast du alles nur deinem beschissenen Vater zu verdanken."
Karass Miene zuckte kurz zusammen, versuchte er dennoch ruhig zu bleiben. Er konnte ein Zittern in seiner Stimme jedoch nicht unterdrücken:"Lass meinen Vater aus dem Spiel, du kleines Miststück."
"Dann hör du auf, auf mich herabzuschauen und verschwinde jetzt, sonst mache ich dir Beine."
"Ha, mir Beine machen? Jetzt mach' dich nicht lächerlich. Was kannst du schon, außer dich zu verstecken und davonzuhoppeln?"
"Ich kann diese Beziehung für beendet erklären. Ich habe genug von dir, diesem Palast und davon wegzulaufen."
Karass sah etwas in Arais Augen aufblitzen. Sofort machte er einen Schritt zurück und ließ Vorsicht walten. "Und jetzt verzieh dich", drohte sie ihm.
Nachdem er sich vergewissert hatte, dass es bei einer Drohung blieb, nahm er wieder seine selbstbewusste Haltung ein und versuchte ihr vorzutäuschen, dass er unbeeindruckt sei: "Na gut. Wie du willst, Milady. Wir wollen ja auch nicht, dass wir Ärger bekommen, oder?"
Daraufhin verschwand er.
Nachdem er den Torbogen des Balkons passiert hatte, fragte er sich: "Was war das? Für einen kurzen Moment hatte ich das Gefühl, dass die Sterne auf mich niederprasseln würden. Hm, vielleicht steckt in ihr doch mehr, als gedacht.' Er machte sich auf den Weg in seinen Turm im Westen des Palastes. "Trish wird das sicher interessieren. Aber trotzdem... Was macht sie nur die ganze Zeit auf diesem Balkon? Dort unten ist doch nichts, außer die Welt der Menschen."
Arai wandte sich wieder um und beobachtete erneut neidisch die Menschen unter ihr. Wie sie litten, Glück fanden, Spaß hatten, lebten und starben. Für sie vergangen nur wenige Minuten, für die unter ihr mehrere Tage.
"Vielleicht kann ich mich nicht auflehnen", sagte sie, "aber ihr schon."
Sie entnahm ihrem Körper ein gleißendes Licht und hielt es über die Brüstung.
"Finde mir jemanden, der mich retten kann", bat sie und ließ die Lichtkugel fallen. "Bitte."
YOU ARE READING
when thrones crumble
FantasyYak wächst mit seinem Bruder in einer kleinen Hütte am Rand eines Fischerdorfes auf.
