Die Schwerter knallen funkensprühend aufeinander und lösen sich im selben Augenblick wieder von einander. Ich setze zu einem erneuten Angriff an, den Katinka natürlich gekonnt parierte.
Doch statt daraufhin selbst anzugreifen, wich sie zurück.
"Ich muss los. Mein Vater wartet. Sehen wir uns morgen fürs Training?"
Ich steckte mein Schwert weg und nickte nur. Katinka lächelte und berührte das Armband an ihrem Handgelenk. Ihr Körper begann sich in Funken aufzulösen, bis nur noch ihr Kopf in der Luft schwebte.
"Bis morgen, Aloisa", hörte ich sie noch sagen, dann war meine Freundin verschwunden.
Ich seufzte und sah mich auf dem Trainingsgelände um. Und jetzt? Ich könnte noch üben, aber allein hatte ich nicht wirklich Lust.
Da blinkte plötzlich mein eigenes Armband rot auf. Ich tippte den linken Knopf an und ein blauer Display erschien vor mir in der Luft. Ein Botschaft ploppte auf: "Nachricht von Ma"
Ich tippte auf das briefförmige Icon oben links und dann auf den Namen meiner Mutter. "Essen ist fertig, Miranda. Du musst runterkommen" stand da in bläulich schimmernder Schrift.
Na schön... ich hatte hier eh grad nichts zu tun. Also tippte ich kurzentschlossen auf das Log-out Symbol am unteren Rand.
"Wollen sie Antura wirklich verlassen?"
Ich bestätigte und sofort begann ich mich aufzulösen, wie Katinka schon vor mir.
Eine Minute später löste ich den VirtualReality-Helm von meinem Kopf und erhob mich aus meinem Sessel. Jetzt musste ich mich nur noch aus diesem Anzug schälen. Meine Mutter mochte es überhaupt nicht wenn ich damit am Tisch saß. Das war einer der vielen Konfliktpunkte zwischen uns. Sie schien einfach nicht einzusehen das VR inzwischen ein ganz normaler Teil meines Lebens war. Ihrer Meinung nach sollte ich mehr Zeit in der "realen" Welt vernringen.
Mein Vater war da ganz anders. Er verstand mein Hobby und unterstützte mich. Zusammen hatten wir schon viele Stunden in virtuellen Welten verbracht. Bei der Erinnerung musste ich lächeln. Wie viele Abenteuer wir schon erlebt hatten...
Durch das Treppenhaus zog der Geruch von Spagetti Bolognese. Urplötzlich war ich gut gelaunt. Das war eines meiner Lieblingsessen.
Unten angekommen betrat ich das Esszimmer. Meine Mutter saß bereits am Tisch und wartete auf mich.
Suchend sah ich mich nach meinem Vater um.
"Wo ist Papa?"
Meine Mutter zuckte mit den Schultern: "Er wird wohl etwas länger brauchen. Jetzt setz dich."
Ich tat wie mir geheißen.
Normalerweise brauchte Papa nie länger. Er arbeitete für die Firma, die die VR-Helme herstellte. Auch ein Grund warum ich ihn vergötterte.
Montags hatte er schon um 13 Uhr Schluss und war immer eine halbe Stunde später zu Hause.
Mit den Gedanken immer noch bei meinem Vater begann ich zu essen.
"Und wie war dein Tag?", fragte meine Mutter. Das war ihre Standardfrage um ein Gespräch einzuleiten.
Noch bevor ich antworten konnte ertönte das Klingeln unserer Holosprechanlage.
Meine Mutter ging in den Flur und nahm das Gespräch an.
Erst hörte ich nur unverständliches Murmeln. Dann schrie meine Mutter auf. Ein hoher, kreischender Schrei, der mir durch Mark und Bein ging.
Ich stürmte in den Flur.
Ma kniete vor der Sprechanlage. Darauf war das Hologramm eines ernst aussehenden Mannes in Uniform zu sehen.
Langsam ging ich auf meine Mutter zu und blieb neben ihr stehen. Ihr Gesicht war unnatürlich blaß und ihre blauen Augen starrten ins Leere.
"Ma, was... was ist los?", meine Stimme zitterte. Ich spürte das etwas schreckliches passiert sein. Ma ließ sich sonst nie so gehen.
Das Hologramm des Mannes wandte sich mir zu.
"Frau Miranda Peuschkert, richtig?",
ich nickte ängstlich.
"Frau Peuschkert, ich muss Ihnen leider mitteilen, dass ihr Vater in einen Autounfall verwickelt war. Er ist vor einer halben Stunde verstorben."
Ich starrte ihn nur an. Der Mann redete weiter, aber die Worte drangen nicht zu mir durch. ...Verstorben...
...Vor einer halben Stunde...
Papa war tot.
Plötzlich drang diese Erkenntnis zu mir vor. Der Raum begann sich zu drehen. Ich taumelte, hielt mich an der Wand fest und lehnte mich dagegen.
Papa war tot.
Ich drehte mich um, ging die Treppe hoch. Irgendwo auf der Hälfte brach ich zusammen. Mein Innerstes zog sich zusammen und ich krallte mir die Nägel ins Fleisch, um dem Schmerz zu entkommen.
Papa war tot.
Ich kam wieder auf die Beine und zog mich an der Wand entlang in mein Zimmer.
Dort stand ich einen Moment nur und starrte ins Leere.
Dann fiel mein Blick auf meinen VR-Helm. Wie in Trance zog ich den Anzug an, setzte mich in den Sessel und zog den Helm über.
"Willkommen zu Hause.", begrüßte mich das Spiel.
Der Trainingsplatz erschien um mich herum, als sich mein Avatar bildete.
Papa war tot.
Ich streifte mein Armband ab und warf es weg. Ich würde es nicht mehr brauchen, schließlich hatte ich nicht vor wieder auszuloggen.
Das Armband glitzerte in der künstlichen Sonne, als Aloisa den Platz verließ.
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Ideen - von verrückt bis traurig
FantasiaDer Titel sagt es eigentlich schon. Das hier sind Ideen für Kurzgeschichten, Geschichtsanfänge oder -abschnitte. Alles was mir so einfällt und was ich gerne aufschreiben möchte. Viel Verrücktes, einiges Spannendes und auch Trauriges oder Schönes. Ei...
