KAPITEL EINS | WILLKOMMEN IN MEINER HÖLLE
»Hast du schon Noahs neues Instabild gesehen? Mit der neuen Frisur sieht er sogar noch besser aus finde ich. Also wenn das überhaupt möglich ist. Was meinst du Alex?«, höre ich Jessie fragen, während wir aus meiner Schrottlaube steigen.
Sie fährt wie üblich bei mir mit, da ihre Ersparnisse für den Führerschein und ein eigenes Auto quasi non existent sind. Gängige Taktiken wie die Mutter um Kohle anzubetteln, zeigten sich bisher erfolglos. Sie hat panische Angst, dass ihre schöne blonde Tochter zerquetscht hinter einem Steuer endet. Es gibt schönere Wege zu sterben, wie sie sagt. Ich frage mich, wie der Beifahrersitz meiner 600 Euro Karre, auf ihrer Top Ten Liste der Arten abzukratzen abschneidet. Meine Fahrkünste sind nämlich ähnlich eindrucksvoll wie Jessies Kontostand.
„Nein und es interessiert mich auch recht wenig." ,antworte ich ihr achselzuckend. Und das entspricht der Wahrheit. Bis gerade eben habe ich noch nie im romantischen Sinn an ihn gedacht. Davon abgesehen sind mir meine männlichen Mitschüler egal. Bis auf ein ganz besonderes Exemplar.
„Da ist ja mal wieder jemand wunderbar gelaunt". Durch einen schnellen Seitenblick auf sie kriege ich gerade noch mit, wie sie übertrieben mit den Augen rollt. Gezwungen lächelnd stoße ich sie mit meinem Ellenbogen sanft in die Seite. Eine gute Ausrede muss her.
„Ich stehe nicht auf Schuljungs. Die sind mir zu unreif. Abgesehen davon stimmt irgendwas absolut nicht mit dem Kerl."
Tadelnd sieht sie mich an.
„Ich finde du solltest ihn nicht so verurteilen. Diese grüblerische Seite an ihm macht ihn doch auf eine geheimnisvolle Art sexy. Wie Hannibal Lector." ,gibt sie kichernd von sich.
„Und du bist auf eine offensichtliche Weise gestört."
Nahe vor dem Schuleingang steht, wie man Anhand seiner riesigen Gestalt nur unschwer erkennen kann, Justin. Und zum ersten Mal stiehlt sich ein ehrliches Grinsen auf mein Gesicht. Seine braunen Haare stehen mal wieder in alle Richtungen ab und verraten mir, dass er ebenso mies geschlafen hat wie ich. Ob er mich auch so gut lesen kann wie ich ihn? Einen ganz kurzen Moment erlaube ich mir meine Tagträume über uns.
Bis er Jessy entdeckt und ihr entgegenläuft.
Sie ist die Einzige, die er dabei mit diesen grünen Augen analysiert. Diese verdammten Augen. Mich bemerkt er erst, als ich mit einem leisen „Hey" den innigen Kuss der zwei unterbreche. Einen Kuss, der so voller Vertrauen war. Jenes Vertrauen, das sich innerhalb einer dreijährigen Beziehung entwickelt. Ich glaube ich habe vergessen zu atmen.
Mir schenkt er darauf immerhin ein kleines schiefes Lächeln, das den ohnehin schon markanten Wangenknochen betont.
Seine Instaposts fallen mir auf Jessie.
„Geht schon mal vor Leute. Ich rauch noch schnell eine.", flüstere ich erstickt.
Verwirrt runzelt die kurvige Blondine die porenreine Stirn.
„Seit wann rauchst du bitte?"
„Sommercamp", gebe ich knapp und ausdruckslos zurück und fixiere dabei alleine Justin. Dieser schaut wie erhofft unangenehm berührt auf die schwarzen Stiefel. Es ist September, würde ich gerne sagen. Es ist noch Sandalen und Sneakerzeit. Doch ich verkneife es mir, weil ich seine Antwort zu meiner vorigen Aussage brauche.
Doch die bleibt aus.
„Darüber reden wir gleich noch! Ich fass es nicht. Wieso hast du sie nicht abgehalten Schatz? Du warst doch auch im Camp."
Nur ein Schulterzucken.
Jessie hakt sich schnaubend bei ihm unter und führt ihn ins Schulhaus. Ich höre sie weiterhin wild auf ihn einreden. Er wirft keinen Blick über die Schulter zu mir. Mir wird schlecht.
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Schlimmer geht's n(immer)!
Teen FictionOptimistisch gesehen ist Alex Leben ein Totalreinfall. Da kann man schon mal aus der Verzweiflung heraus mit dem Rauchen anfangen. Und sich einer Gruppe Pseudo-Umweltschützer anschließen. Mit neu entdecktem Helfersyndrom ist sie dem düsteren Geheimn...
