Eigentlich wollte ich Sina ohne zu zögern widersprechen, aber ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Außerdem klangen Sinas Worte so überzeugend wie sonst nie etwas zuvor. Ich starrte sie einfach nur an, doch glücklicherweise rettete mich Joe aus dieser unangenehmen Situation indem er weitersprach: „Also ich denke, dass ihr somit einstimmig beschlossen habt, dass ihr gehen wollt.“ Er verschränkte die Arme und sah sich mit einem prüfenden Blick um. Alle nickten. „Nagut. Ich glaube es ist klar, dass das euer Leben kosten kann. Schon alleine hier aus diesem Lager zu kommen ist ein ziemlich schwieriges Unterfangen, da draußen lauern noch überall Anhänger von Direktor Fohlman. Von der langen Reise ganz abgesehen. Wie gesagt solltet ihr so schnell wie möglich gehen. Am besten Morgen.“ Ich stockte. Auch wenn ich es kaum erwarten konnte war morgen schon verdammt früh. Wir hatten jetzt sicher schon 6 Uhr abends und bis wir einen richtigen Plan für die Flucht ausgearbeitet hatten, brauchten wir bestimmt noch mehrere Stunden. Ich schien nicht die Einzige zu sein, die mit diesem Datum Sorge hatte, denn Felix meldete sich zu Wort und tat seinen Gedanken Kunde: „Meint ihr nicht, das ist etwas sehr bald? Ich meine, natürlich möchte ich auch so schnell wie möglich gehen, aber die Leute aus dem Lager hier scheinen schon ziemlich wütend zu sein und hier heil rauskommen ist auch nicht selbstverständlich. Außerdem bedarf dieses Unternehmen einer guten Vorbereitung die schon mal viel Zeit beanspruchen kann.“ - „Dann sollten wir am besten abstimmen. Wir kennen jetzt ja die wichtigsten Pro- und Contrapunkte, also, wer ist dafür?“, fragte Florian in die Runde. Er selbst, Ina, Vanessa, Frodo, Marti, Steve, Sina, Jako und Robin hoben die Hand. Nur Rick, Felix und ich waren dagegen. „Dann ist es jetzt wohl beschlossene Sache. Am besten bleiben die, die mithelfen wollen einen Plan auszudenken gleich hier“, beschloss Joe. „Ich geh‘ wieder schlafen“, murmelte ich hingegen müde und winkte rasch mit einer Hand dankend ab. Ich konnte noch hören wie Robin und Rick ebenfalls meinten, sich hinzulegen, sodass ihre Verletzungen morgen kein großes Hindernis seien. Danach schloss ich die Tür hinter mir und quälte mich erschöpft die Treppen hinunter. Auf meinem Weg traf ich auf drei Ebys-Soldaten, die ihr Gespräch unterbrachen als ich an ihnen vorbeischlenderte. Sie musterten mich eingängig, einer von ihnen machte eine undeutliche Bemerkung und die anderen lachten dreckig. Mir scheiß egal. Grimmig lief ich in den Keller, hievte mich auf das Bett auf dem ich vorhin schon schlief und schloss die Augen. Das Laken hatte einen Hauch von meiner Körperwärme gespeichert und gab mir so ein wohliges Gefühl.
Das Klicken der Türklinke und das Knarren der Türangeln rissen mich sofort aus meinem Schlaf. Ich schreckte hoch und wandte mich sofort zum Eingang des Raumes. Eine Silhouette war schwach zu erkennen und als das Licht anging wurde aus dem Umriss Joe. „4 Uhr morgens, ihr habt eine Viertelstunde wach zu werden, dann komme ich wieder.“ Seine Stimme klang tief und etwas verschlafen und kaum hatte er gesagt, dass wir noch eine volle Viertelstunde Zeit hatten, lies ich mich stöhnend ins Kissen zurückfallen. Doch die Minuten verstrichen schneller als gedacht und ehe ich mich versah, stand ich auch schon zwischen den Stockbetten und streckte meinen Rücken durch. Alle waren bereits wach, gähnten und dehnten sich. Man konnte deutlich spüren, dass alle etwas aufgeregt waren und sich mental vorbereiteten, denn niemand sprach auch nur ein Wort.
Joe hielt sein Wort natürlich und kam ziemlich schnell wieder. Erfreut wünschte er uns nochmal einen guten Morgen und erklärte uns dann, dass wir heute Glück hatten. Die Leute die noch für das Lager kämpften schienen sich erst einmal zurückgezogen haben. Zwar würden noch einige Patrouillen auf den Straßen sein, aber die richtigen Kämpfer seien nicht mehr zu sehen.
„Für die, die gestern bei der Besprechung nicht mehr dabei waren, ich werde ein Stück mit euch kommen, da ich auch nicht ewig hier bleiben kann. Wir werden gleich aufbrechen, eure Rucksäcke sind gepackt und die Waffen geladen.“ Mit diesen Worten machte er kehrt und führte uns aus dem Keller in das Erdgeschoss in dem uns bereits mehrere Ebys-Soldaten erwarteten. Jeder von uns bekam einen Rucksack und es wurden drei Pistolen und ein Gewehr verteilt. Joe verabschiedete sich von drei der Soldaten persönlich und übergab dem Dritten mündlich das Kommando über das Lager. Da wir sowieso schon so eine große Gruppe waren, hatten sie gestern noch beschlossen ohne weitere Ebys zu gehen. Sie setzten also eher auf eine heimliche Flucht als auf Konfrontation. Ich schulterte meinen Rucksack und bemerkte wie sich Sina dicht neben mich stellte. Ihr war deutlich anzusehen, dass sie sehr aufgeregt war, ich konnte das aber nachvollziehen und musste mich selbst beherrschen um meine Emotionen zu verstecken. Dann ging’s los.
YOU ARE READING
Number Zero (Berliner YouTuber)
FanfictionNach einem Bürgerkrieg liegt Europa in Trümmern. Verschiedene Gruppierungen bekriegen sich. Menschen haben keine Identität mehr. Ein Zahlensystem soll zumindest bei diesem Problem Abhilfe schaffen, doch was passiert, wenn du keine Zahl hast? Mit LeF...
