1. Kapitel

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Ich öffnete die Augen.

Nicht schon wieder. Jeden Tag aufs Neue hoffte ich, dass das Ganze hier einfach nur ein doofer Traum war.

Ich stand lustlos auf und streckte mich, machte mein Handy an, nur um festzustellen, dass ich keine neue Nachricht hatte. Enttäuschend. Ich seufzte. Wer sollte mir auch schreiben? Man hatte sich einfach nichts mehr zu erzählen, da man auch nichts erlebte.

Scheiß Corona Virus...

Schlurfend machte ich mich auf den Weg zu dem Kalender an meiner Wand. Mein dritter Monat in kompletter Isolation war nun angebrochen, und noch immer war ich in meiner Wohnung gefangen. Es war zum heulen.

Der Blick in den Kühlschrank war überflüssig, ich werde heute einkaufen müssen. Mein einziger Kontakt zur Außenwelt. Mehr war nicht erlaubt.

Ein Blick in den Spiegel im Badezimmer verriet mir, dass die Isolation auch an meinem Äußeren ihre Schäden herbeitrug. Ich musste dringend wieder zum Friseur und meine blonden Haare schneiden lassen. Auch könnte ich mal wieder ein Fitnessstudio besuchen, um mich einfach mal wieder etwas fitter zu fühlen, zuhause kann ich mich dazu einfach nicht motivieren. Okay, ich bin ehrlich, ich war noch nie im Fitnessstudio aber ich wäre bestimmt jetzt gegangen wenn dieses doofe Virus nicht zugeschlagen hätte!

Langsam bekam ich Kopfschmerzen. Kann ja auch nicht gesund sein, nur seine vier Wände täglich zu sehen. Wäre ich doch mal nicht ausgezogen, dann müsste ich hier nicht alleine meine Zeit absitzen. Aber es wäre ein Schlag ins Gesicht, wieder zurückzuziehen. Es musste mein Triumpf bleiben, dass ich es geschafft hatte, vor meinen beiden älteren Schwestern auszuziehen!

Aber einen Vorteil hatte ich gegenüber anderen: Ich hatte keinen Freund! Das heißt, ich konnte hier sitzen ganz ohne Liebeskummer und mich einfach nur langweilen. Dass ich das mal sagen würde...

Jetzt musste ich nur noch meine Vorhänge öffnen, vielleicht gab es ja draußen was neues. Nein. Definitiv nicht. Es war komplett leer auf der Straße vor meinem Wohnzimmerfenster.

Ein erneuter Blick auf mein Handy verriet mir, dass ich nun tatsächlich eine Nachricht von meiner besten Freundin Maribel bekommen hatte.

Maribel: Guten Morgen! Gibts was neues? Spaß, ich weiß dass es das nicht gibt... Ruf mich mal an sobald du mal Zeit hast.

Ihre Nachricht triefte nur so vor Ironie. 'Sobald ich mal Zeit habe' sehr witzig. Der Stift der an meinem Kalender hing, war wahrscheinlich schon längst ausgetrocknet, so lange hatte ich keine Termine mehr wahrnehmen müssen.

Naja, es brachte ja nichts... Ich zog meine Schuhe an um einkaufen zu gehen. Eine Jacke brauchte ich nicht mehr, der Sommer hatte quasi begonnen. Es war ein Jammer, dass man das Wetter nicht genießen konnte. Als wollte es uns ärgern.

Am Supermarkt angekommen nickte mir der Typ an der Tür zu, der einen einließ. Richtiges Clubfeeling hier. Ich hatte mir eine gute Zeit ausgesucht, es war nicht viel los. Aber die Menschen die man sah guckten einen erschrocken an, sobald man vielleicht mal einen Zentimeter zu nah kam. Wann dieses Verhalten wohl wieder aufhören würde?

Ich nahm mir alles was ich brauchte, Klopapier gab es selbstverständlich nicht, und stellte mich an der Kasse an. Als der Kassierer mir einen schönen Tag wünschte, hätte ich fast laut losgelacht, als ob man diese Isolation als schön empfinden könnte.

Auf dem Weg nach Hause rief ich Maribel an. So kam ich mir nicht so einsam vor und hatte nicht dieses frustrierende Gefühl in eine leere Wohnung einzukehren.

Maribel erzählte mir eine Menge über das Online-Semester das momentan lief. Sie studierte Psychologie, genause wie meine ältere Schwester. Fast wünschte ich mir, mich auch schon für einen Studiengang eingeschrieben zu haben, doch wenn alles planmäßig verlaufen wäre, säße ich auch grade in New York. Einem Stop auf meiner Weltreise, die ich in dem Jahr nach meinem Abi geplant hatte.

Ich glaube, meine Mutter war froh, dass ich nicht aufgebrochen war. Sie fand, dass ich mit 19 viel zu jung für solch eine Reise wäre. Schwachsinn!

Ich wollte im Jahr nach meinem Abitur einfach nur reisen. Außerdem wollte ich die Zeit bis zu meinem Studium hinauszögern, da ich Lehramt studieren wollte und mir irgendwie sehe jung vorkam und noch nicht so ganz bereit dazu vor Schülern zu stehen, die nicht viel jünger waren als ich.

Maribels Stimme riss mich aus meinen Gedanken "Hast du schon gehört?". Ich war verwirrt, da hab ich einmal nicht aufgepasst "Was denn?". "Seit 7 Tagen keine Neuinfektionen mehr! Wenn wir Glück haben können wir uns in einer Woche schon wiedersehen!" rief sie euphorisch.

Hallihallo Hallöchen

Wie geht's denn so?

Ich hätte selbst nicht gedacht, dass ich irgendwann hier nochmal eine "richtige" Story veröffentlichen würde aber here it is!

Die Kapitel werden wahrscheinlich nicht allzu lang werden, dafür aber ab jetzt täglich hochgeladen als kleiner Mutmacher in dieser komischen Zeit :-). Ich garantiere für nichts, aber wahrscheinlich wird das ganze auch nur so ne Woche dann dauern, sonst ruft jetzt einfach ganz laut Stop, wenn ihr einen anderen Zeitabstand besser findet.

Tja, meine "Motivation" dieses Buch zu schreiben kann man sich wahrscheinlich schon denken - die gute Corona Langeweile! Wer ist auch betroffen, einmal Hände hoch!

Macht's gut und passt gut auf euch auf ♡

Carobiena

After IsolationWhere stories live. Discover now