Es war ein schöner Tag am Hafen, die Sonne glitzerte auf dem Wasser, ich ließ meine Füße ins Wasser gleiten. Meine Zehen wurden durch die kleinen Wellen immer wieder freigelegt und von Wasser bedeckt, ich beobachtete die vorbeifahrenden Schiffe, hin und wieder winkten mir die Kinder auf den Booten zu. Ich wartete, genoss die Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Nach etwa einer halben Stunde erblickte ich ihn. Avon lächelte mir vom Steuer des kleinen Kutters zu. Ich nahm meine Zehen aus dem Wasser und stand auf. Ich lächelte zurück und hob meine Hand, um ihn zu begrüßen. Avon führte den Kutter geschickt an die Stelle des Stegs, an dem ich gerade noch gesessen hatte. Er legte den alten Fischkutter gar nicht erst an, sondern fuhr nur so weit an die Stelle an der ich stand ran, dass ich auf den Kutter springen konnte. Das Boot schwankte bei meinem Aufkommen, aber mein Gleichgewicht verlor ich nicht. Ich tat das ständig. Avon steuerte wieder auf den Kanal zu, seine Hände fest am Steuer. Ich lief hinter ihn, schlang meine Arme um seinen schlanken und doch muskulösen Oberkörper und gab ihm einen Kuss auf seine Wange. Für Außenstehende müssten wir wie ein Paar wirken, ich lächelte bei dem Gedanken. Avon war wie ein Bruder für mich, wir waren schon unser halbes Leben befreundet, also seit fast zehn Jahren. Avon war 21 und ich 19, wir waren gerade frisch zuhause ausgezogen, in gegenüberliegende Wohnungen, mitten in die Altstadt und das alles frisch nach dem Abitur.
„Tammy", lachte er, „schön dich zu sehen, wo geht unsere Kreuzfahrt denn heute hin?". Er tat nachdenklich und sprach mit versteller Stinme, wie ein Kapitän.
„Mhmm, lass uns einfach fahren", sagte ich.
Nur er nannte mich Tammy, eigentlich hieß ich Meta, ein uralter Name, den ich irgendwann als Anagramm zu Tame geändert hatte. Zwar stand dieser Name nicht auf meinem Pass oder meinem Ausweis, aber alle nannten mich so und das reichte.
Wir tuckerten also durch die Landschaft, fuhren einfach, wie ich es vorgeschlagen hatte. Der Wind brachte meine Haare durcheinander, sodass ich mir kurzfristig einen Zopf band. Ich legte mich vorne auf eine Liege und sonnte mich.
Avon steuerte die Elbe entlang, Richtung Süden, nach einer Weile steuerte er auf „unsere Bucht" zu, er legte an und stieg ab. Wir mussten etwa 100 Meter vom Anlegeplatz laufen, um zur Liegefläche zu kommen. Er half mir vom Boot und schnappte sich meine Sachen und wir liefen Hand in Hand zu unserem Platz. Er lies sich ins hohe Gras fallen und zog mich mit sich. Ich landete, deutlich weniger elegant neben ihm. Ich lehnte mich an ihn.
„Freust du dich auf heute Nachmittag?", fragte ich ihn.
Er lächelte nervös: „Wenn es nicht klappt, müssen wir wohl oder übel doch studieren."
Das war der Deal, wenn es nicht klappte mit dem Vorsprechen für die Rollen, würden wir zusammen BWL studieren, um in der Firma unserer Eltern zu arbeiten. Diese hatten sich nach einer unglaublich langen Diskussion auf besagten Deal eingelassen. Avon und ich wollten Schauspieler werden. Kleine Rollen in den Theatern hatten wir schon zu genüge gehabt, Vorsprechen für größere Rollen leider auch. Heute stand das letzte Vorsprechen im Raum. Es sollte eine Art Filmmusical werden, genaueres wussten wir nicht. Es war viel Geheimniskrämerei, um das heutige Vorsprechen. Wir würden heute vorsingen und eine kleine Szene aus einem anderen Film vorsprechen, jeweils einzeln.
Ich war so in meinen Gedanken versunken, dass ich gar nicht merkte wie die Zeit verflog.
„Wir müssen los, wenn wir pünktlich sein wollen, schließlich fahren wir noch eine Weile zurück."
Ich stöhnte, setze mich auf und ließ mir von ihm aufhelfen.
Wir gingen zurück aufs Boot, fuhren zurück und hingen unseren jeweiligen Gedanken nach. Je näher wir wieder zum Hafen kamen, desto nervöser wurde ich. Ich tippte meiner Fingerspitzen gegeneinander, drehte Daumen, versuchte mich selbst zu beruhigen.
Als wir ankamen legte er en Kutter an, band ihn professionell fest, half mir erneut vom Boot und zog mich zum S-Bahnhof, ich stolperte ihm hinterher.
„Avon", sprach ich leise, „ich weiß nicht, ob ich das kann, ob ich das schaffe." Ich seufzte.
Avon drehte sich ruckartig um und sah mich erschrocken an.
„Du spinnst wohl", sagte er und nahm meine Hände in seine, „Tammy, du bist die beste Schauspielerin, die ich kenne, und vor allem die ehrgeizigste, gib deinen Traum doch nicht jetzt auf, außerdem bin ich doch auch da und werde immer bei dir sein. Hoffe ich jedenfalls.". Er ließ meine rechte Hand los und kratzte sich nervös am Nacken. Mir fiel mal wieder auf wie gut er aussah, dass er keine Freundin hatte, verstand ich nicht. Er hatte eine perfekte Figur, meiner Meinung nach: Breite Schultern, schmale Hüfte, Sixpack und Muskeln. Er war nicht überbaut, aber wäre er nicht wie ein Bruder für mich, dann würde ich ihn als heiß bezeichnen. Seine markanten Gesichtszüge, die dunkelbraunen Locken und die stechend blauen Augen, die einen großartigen Kontrast zu seiner gebräunten Haut bildeten, rundeten sein Erscheinungsbild ab.
Ich lächelte ihn an, er ging weiter, bedanken musste ich mich nicht, für seine lieben Worte, denn wir verstanden uns auch so. „Musst du noch nach Hause, dich umziehen?", fragte er.
„Nein, es war ja eh Alltagskleidung vorgeschrieben, dann brauche ich mich jetzt auch nicht sonderlich schick machen."
„Na dann Mal los!", sagte er euphorisch und zog mich in die gerade eingefahrene S-Bahn.
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Tammy
Romance"Egal was ich mir vorgestellt hätte wie mein Leben verlaufen würde, das hätte ich nie erwartet, mir nie gewünscht und nie gewollt." Die 19-jährige Tame Brooks lebt schon ihr ganzes Leben lang in Hamburg, ihre Eltern sind aus America eingewandert al...
