Ein normales Leben

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> Meine Damen und Herren, wir sind soeben in München gelandet. Wir hoffen natürlich ihnen hat der Flug mit uns gefallen, und sie hatten einen angenehmen Aufenthalt bei uns an Bord... <

Ich schnaubte genervt.
Unter einem angenehmen Flug verstand ich etwas anderes.

Nachdem mein Onkel mich heute morgen voller Panik aus meinen süßen Träumen geweckt hatte, da mein Flug kurzfristig umgebucht wurden war
- naja, was heißt kurzfristig? Eigentlich hatte er schon 2 Tage vorher eine Email bekommen, jedoch vergessen mir Bescheid zu sagen oder selbst daran zu denken, den Wecker früher zu stellen -,
und ich es irgendwie geschafft hatte, mich in weniger als 10 Minuten fertig zu machen, waren wir gerade so pünktlich am Flughafen angekommen.

Nach einem kurzen Abschied, war ich so schnell es ging zum Check In gelaufen, hatte mein Gepäck aufgegeben, die Sicherheitskontrolle passiert und  es gerade noch so geschafft in das Flugzeug zu steigen, bevor die Boarding Time abgelaufen war.

Wäre ich nicht völlig verschwitzt gewesen, da ich bei über 30 Grad in Wintersachen rumlaufen musste, um bei meiner Ankunft im kalten winterlichen Deutschland nicht zu erfrieren und die Person, die neben mir saß, sich nicht jede viertel Stunde übergeben hätte, dann hätte ich den Flug vielleicht angenehm empfinden können, aber so...

>Sie können das Flugzeug nun verlassen und damit verabschieden wir uns nun endgültig von Ihnen. Auf Wiedersehen. <

Endlich! Die erlösenden Worte. Nur noch wenige Minuten und ich würde endlich hier raus sein.

Doch gerade als ich voller Elan aufstehen wollte, hielt mein Sitznachbar mich plötzlich an meinem Arm fest und sah mich entschuldigend an.

>Es tut mir unglaublich leid, wenn  Sie durch mich einen nicht so angenehmen Flug gehabt haben. <

Ich setzte mich noch einmal auf meinen Platz. Es würde sowieso noch eine Weile dauern, bis die Leute aus den Flugzeug gestiegen waren und ich zum Ausgang kam.

>Machen Sie sich keine Sorgen. Sie können ja nichts dafür, dass Ihnen beim Fliegen übel wird. <

Und das meinte ich auch wirklich so. Manchmal vergaß ich, dass Menschen auch nur Menschen waren. Genau wie ich. Und dieser Mann konnte ja nichts dafür, dass er sich beim Fliegen übergeben musste, genauso wenig konnten die Stewardessen etwas dafür, dass dieser Tag nicht sonderlich positiv begonnen hatte oder dass es Vorschrift war, diesen Satz nach jeder Landung zu sagen.

Der Mann schenkte mir ein freundliches Lächeln, musterte mich jedoch neugierig.

>Ich möchte Ihnen wirklich nicht zu nahe treten, doch ich muss Ihnen sagen, dass sie eine verblüffende Ähnlichkeit mit Lexi Taylor haben. Sie sind ihr wie aus dem Gesicht geschnitten. <

Lexi Taylor? Woher kannte dieser Mann Lexi Taylor beziehungsweise mich?

>Sie fragen sich sicher, woher ich Lexi Taylor kenne... <

Ein breites Grinsen machte sich auf seinem Gesicht breit, als er aus seiner Tasche ein Foto holte und es mir zeigte.

>Das sind meine zwei Töchter. Lilly und Lea. Sie sind etwa in ihrem Alter, und sie lieben diese Fernsehserie "Secret Vampires". Und sie sehen der Hauptperson, wie heißt
sie noch mal... <

>Skylar. <

>Ja richtig Skylar! Sie sehen ihr unglaublich ähnlich beziehungsweise der Schauspielerin Lexi Taylor. <

Ich lächelte ihn vielsagend an. Ich sah ihr nicht nur unglaublich ähnlich. Ich war diese Person. Lexi Taylor oder besser gesagt Skylar Davis, wie mich die meisten kannten.

>Sie sind es wirklich? Wow... Das ist, das ist ja unglaublich. Dürfte ich ein Foto mit ihnen machen? Natürlich für meine Töchter. <

Es war ein schönes Gefühl sogar hier in Deutschland erkannt zu werden. Eigentlich hatte ich nicht damit gerechnet, da die Serie in Deutschland noch lange kein so großes Aufsehen wie in der USA, in der ich die letzten zwei Jahre gelebt und meinen Traum zu schauspielern verwirklicht hatte, erregt hatte.

Bevor ich das Flugzeug also verließ, machte ich ein Foto mit diesem Mann und verabschiedete mich von ihm.

Kaum dass ich aus dem Flugzeug gestiegen war, setzte ich meine Sonnenbrille auf, um mein ungeschminktes Gesicht mit den schrecklichen Augenringen und meiner unreinen Haut zu verstecken, und marschierte los,um endlich meine Familie wieder zu sehen, die wahrscheinlich schon auf mich wartete.

***

Wenige Minuten später schaute ich mich in der Eingangshalle suchend nach meiner Familie um. Irgendwo hier musste sie sein und auf mich warten, wie versprochen.

Doch das einzige was ich sah, waren unmengen an Menschen, die an mir vorbei schossen, um ihren Flug nicht zu verpassen, oder wie andere Familien ihre liebsten in ihre Arme schlossen.

Oh nein. Hatte meine Familie mich vielleicht vergessen? Oder hatte Onkel Mason ihnen nicht Bescheid gegeben, dass ich früher kam als eigentlich geplant?

Ich holte mein Handy aus meiner Tasche und überprüfte, ob ich angerufen wurde oder mir jemand geschrieben hatte, bis ich jemanden meinen Namen rufen hörte.

>Lexi!<

Schnell drehte ich mich um meine eigene Achse. Ich wusste, wer mich gerufen hatte. Diese Stimme würde ich unter tausenden erkennen.

Und dann entdeckte ich sie. Kimi, meine über alles geliebte kleine Schwester, die mit einem riesigen Lächeln und ausgebreiteten Arme auf mich zu gelaufen kam.

Ohne nachzudenken ließ ich mein Gepäck mitten in der Eingangshalle stehen, lief auf sie zu und schloss sie in meine Arme.

Wie lange hatte ich auf diesen Moment gewartet? Natürlich war ich in Dallas bei meinem Onkel und vorallem beim Dreh von "Secret Vampires" glücklich gewesen, trotzdem hatte ich meine Familie mehr als alles andere vermisst.

>Du bist wirklich hier! Du bist wirklich wieder da! Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr ich dich vermisst habe! <

>Ich habe dich auch vermisst! Mehr als alles andere auf dieser Welt. <

>Ach, und wir haben dir
nicht gefehlt? <

Ich ließ Kimi wieder los und drehte mich zu meinen Eltern um, die mich sofort in ihre Arme schlossen.

>Natürlich habe ich euch auch vermisst. <

Dann ging ich einen Schritt zurück, um meine Schwester und unsere zwei Dad's anzusehen, damit ich wirklich glauben konnte, dass ich wieder bei ihnen war, nicht nur für ein oder zwei Wochen, sondern bis zu meinem Schulabschluss.

Wieder mal wurde mir schlagartig klar, was ich in den letzten Jahren für ein Glück gehabt hatte. Mit meiner Familie, "Secret Vampires" und einem ganz anderem Leben, als ich es mir im Heim hätte ausmalen können.

Ich wurde zusammen mit meiner Schwester vor 7 Jahren von diesen unglaublich tollen Menschen, die ich Dad und Dad nannte, adoptiert, wohnte die ersten Jahre zusammen mit dieser neuen Familie in einem wunderschönen Haus mit einem großen Garten in einem kleinen ruhigen Ort und wurde dann vor zwei Jahren, als wir in Dallas bei meinem Onkel Urlaub gemacht hatten, von einem Regisseur entdeckt, der mir vorgeschlagen hatte, in "Secret Vampires" die Hauptrolle zu spielen.

Und jetzt war ich wieder hier bei meiner Familie, würde wieder ganz normal zu Hause leben und mit meiner Schwester in die Schule gehen. Zwar war mein großer Traum noch immer nach meinem Abitur Schauspiel zu studieren, doch bis dahin mussten noch zwei Jahre vergehen. Und die würde ich hier, zu Hause bei meiner Familie, voll und ganz auskosten. Mit allen Dingen, die ein normaler Teenager erlebte.

Und so komisch es auch klingen mag, ich freute mich darauf ein ganz normales Leben führen zu können und nicht dass, eines Teen Stars.

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⏰ Last updated: Mar 28, 2020 ⏰

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