Ich schlenderte gemütlich durch den Wald. Der Geruch von Frühlingsblumen und Moos hüllte mich ein. Ein graubraunes Blatt schwebte vor mir nach unten. Was machte denn Herbstlaub im Frühling? Ich streckte meine Hand aus um das Blatt aufzufangen. Mit einem erschrockenen Quieken sprang ich einen Schritt zurück als das Blatt durch meine Hand fiel, ohne dass ich den kleinsten Luftzug spürte. Ich hörte ein unterdrücktes Kichern. Als ich mich umdrehte stand hinter mir ein seltsam blasses Mädchen mit hellgrauen Augen und dunkelgrauen Locken. Sie war um die zwei Jahre älter als ich, vielleicht elf. Als sie merkte, dass ich sie anstarrte, guckte sie verdutzt. „Du kannst mich sehen?", fragte sie. „Na klar, ich bin doch nicht blind!", wollte ich sagen. Doch dann bemerkte ich, dass das Mädchen irgendwie neblig wirkte. „Bi-bist du ein G-geist?", stotterte ich stattdessen erschrocken. „Nein, ich bin ein Echo." „Hä?" Sie sah mich an und seufzte leicht genervt. „Schau, es ist so: Ich bin, wie dieses Blatt ein Echo von vergangenen Zeiten. Ich bin schon vor Jahren gestorben, aber es ist immer noch eine Art Nachhall von mir da. Ein Echo eben." „Und wieso spukst du hier und nicht da, wo du mal gewohnt hast?", fragte ich neugierig. „Ich spuke nicht!", fauchte sie, „Hier bin ich gestorben, hier gefällt es mir, hier bleibe ich." Anscheinend hatte sie meinen neugierigen Blick bemerkt, denn sie fügte hinzu: „Und frag gar nicht erst nach meinem Tod." Ich konnte verstehen, dass sie nicht darüber reden wollte, also beschloss ich mich vorzustellen: „Wie heißt du eigentlich? Ich bin ..." Sie fiel mir ins Wort: „Es ist mir egal, wie die Lebenden dich nennen, ich nenne dich Whisper. Und ich – mich kannst du einfach Echo nennen." „Okay, aber wieso Whisper?", wollte ich wissen. Sie grinste: „Du führst oft Selbstgespräche, wenn du alleine im Wald bist. Du murmelst immer irgendwas, oder du summst vor dich hin." „Sag mal, beobachtest du mich?", rief ich empört. Jetzt wirkte sie verlegen: „Na ja, weißt du, es kommen nicht viele Leute in den Wald, außer zum Gassi gehen und Hunde mag ich nicht. Und die Tiere haben auch zu tun, die können auch nicht immer mit mir spielen oder sich mit mir unterhalten." „Du kannst mit Tieren sprechen? Verstehst du die auch seit du tot bist?", fragte ich aufgeregt. Echo schmunzelte über meine Begeisterung. „Nein, das konnte ich schon immer". Ich sah, dass die Sonne schon unterging. Traurig sah ich Echo an. „Ich muss jetzt nach Hause, sonst macht sich meine Mama Sorgen. Aber, ähm, könnten wir vielleicht morgen zusammen spielen?", fragte ich schüchtern. Echo strahlte mich an. „Auf jeden Fall! Tschüs, Whisper." „Tschüs, Echo."
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Echo und Whisper
Short StoryAls die neunjährige Mika im Wald spazieren geht, trifft sie ein Mädchen, das ihr erzählt, dass es vor einigen Jahren in diesem Wald gestorben ist. Hinweis: Es gibt ein paar Zeitsprünge, sie bleibt nicht die ganze Zeit neun. Es wäre schön, wenn ihr...
