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Ich habe keinen Opa mehr;

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Am Sonntag den 22. März saßen mein Freund und ich mit guter Laune nach dem Frühstück auf unserer Couch und es war kurz vor 11 Uhr. Nichts ahnend redeten wir mal wieder über Gott und die Welt, aber sicher nicht über das was ich gleich erfahren sollte.

Ich schaute wie so viele junge Leute in meinem Alter auf mein Handy (ich bin am 02. März gerade frische 19 Jahre alt geworden) und war überrascht als ich gesehen hatte, dass ich eine Nachricht über Facebook von meiner Großcousine erhalten habe. Wir schrieben ja auch eigentlich nie.

Ihre Nachricht lautete: ,,hey Sophie........ :( mir stehen die Tränen in den Augen... kann es kaum glauben wieso..."

Meine Antwort: ,,Hey. Was ist denn los?"

Und daraufhin rufte sie mich mit weinerlicher Stimme an und sagte mir: ,,Bitte ruf ganz schnell deine Oma an."

Mit zitternder Stimme brachte ich nur ein gebrochenes ,,OK." heraus und legte auf.

Das war der Moment als ich ohne das es jemand aussprach, wusste was los war. Es war als würde mir jemand in den Brustkorb fassen und dann meine Lunge mit aller Gewalt und Kraft die ein Mensch nur aufbringen konnte zusammendrücken. Ich sah meinen Freund mit angsterfüllten Augen an, die sagten: "Bitte lass es nicht so sein, bitte, bitte, bitte..."

Ich nahm mein Handy und wollte aber meine Mutter anrufen. Doch alles was ich bekam war ein nerviger Mailbox-Ton, der nur dafür sorgte das ich noch mehr Angst bekam. Ich zitterte so sehr das mir fast schon das Handy runtergefallen wäre. Dann versuchte ich es bei meinem Vater, der innerhalb weniger Sekunden meinen Anruf annahm. Das erste was ich ihn fragte war einfach nur: ,,Was ist passiert?" Er wusste das mir schon irgendwas gesagt worden sein musste oder ich eine Vermutung hatte, weshalb er mir die schlimmste Nachricht meines Lebens direkt nach wenigen Sekunden sagte: ,,Der Opa ist letzte Nacht gestorben."

Nach diesen Worten fiel ich in mitten meines Wohnzimmers auf die Knie und fing an zu schreien und zu weinen. In diesem Moment war da nichts als Schmerz. Ich nahm kaum noch etwas um mich herum war, da sich dieser unbeschreibliche Schmerz durch meinen ganzen Körper zog. Das konnte nicht war sein, dass durfte nicht war sein... Ich hatte das Gefühl vor Schmerz, Angst und Wut nicht mehr klar denken zu können.

Nicht mal mehr richtige Wörter, geschweige denn Sätze ließen sich aus meinem Mund verstehen.

Zusätzlich fing ich an zu Hyperventilieren, da ich das Gefühl hatte meine Lunge würde gleich explodieren.

Mein Freund sagte mir das ich ruhiger und langsamer atmen soll, doch das gelang mir kaum.

Ich hörte die Stimme meines Vaters im Handy zu meiner Mutter sagen: ,,Die Sophie ist völlig am Ende, die kommt damit gar nicht klar."

Mein Vater wollte mich dann erst später noch einmal anrufen, in der Hoffnung das Eric es schaffen würde mich bis dahin zu beruhigen, weil er selber wusste er konnte es nicht.

Er musste doch jetzt für meine Oma, meine Mama und meine zwei kleinen Schwestern da sein und alles zusammenhalten. Aber wie schafft man das? Wie schafft man es ohne selber dabei durchzudrehen und mit anzusehen wie die Familie leidet.

Ich habe nicht verstanden wie und warum, er mir plötzlich und ohne jegliche Vorwarnung so leicht entrissen wurde.

Der Versuch in meinem Kopf eine logische Lösung zusammenzufügen gelang mir einfach nicht.

Meine Gedankengänge während meines Nervenzusammenbruches schwankten immer wieder von einem zum anderen Thema, da es mir nicht möglich war über einen längeren Zeitraum den Faden nicht zu verlieren.

Der Grund für seinen Tod, die seelische Verfassung meiner Familie, die Kosten die jetzt zu tragen waren, der Gedanke ihn nochmal sehen zu wollen, dass alles beschäftigte mich die ganze Zeit.

Es quält mich so sehr, dass ich mich nicht verabschieden konnte. Das bedeutet für mich nie wieder mit ihm reden zu können, nie mehr zusammen zu essen und das Schlimmste, ihn nie mehr zu umarmen.

Das was für mich ein Leben lang selbstverständlich war, ist innerhalb weniger Sekunden Vergangenheit.

Was bleibt ist der Verlust meines Opas, den ich über alles geliebt habe und der Schmerz, dass er nun nicht mehr bei mir ist.

Eine Wunde die nie richtig verheilen wird, die immer wieder aufgerissen wird, bei dem Gedanken an das was ich nun für immer verloren habe.

Irgendwann als ich selbst merkte, dass ich mich nicht mehr beruhigen konnte und mit meiner ganzen Kraft am Ende war, wollte ich das Eric mir mein Lorazepam Medikamente zur Beruhigung gibt, welches mir eigentlich bei Bedarf für meine Phobie verschrieben wurden war.

Er gab es mir erst nach einem Telefonat mit meiner Schwiegermutter, da diese keine andere Lösung mehr sah, als mir diese Tabletten zu geben.

Die Angst war für alle Beteiligten zu groß, dass wir den Notarzt hätten rufen müssen und dass diese mich dann mitgenommen hätten.

Eine Klinik war keine Option für mich.

Insgesamt brauchte es 6 mg an diesem einen Tag um mich wieder in einen ruhigen Zustand zu versetzten und um durchschlafen zu konnte.

Irgendwann nachdem das Medikament seine Wirkung gezeigt hatte, waren meine Gedanken wieder klarer und ich weinte nicht mehr so viel. Die Tränen liefen nur noch an meinen extrem roten Wangen vereinzelt hinunter und ich starrte nur vor mich hin.

Es hörte sich so an, wenn Eric mir etwas gesagt hatte, als wären wir unter Wasser, dabei fühlte sich aber alles andere so schwer an.

Oder eher gesagt es fiel mir schwer, wie zum Beispiel zu denken, zu atmen oder sich zu bewegen.

Das alles hatte jetzt keinen Sinn mehr für mich, weil mein Opa nicht mehr da war. Warum sollte ich das jetzt noch tun wollen, fragte ich mich.

Ein Mensch mit dem man mit dem Großteil seines eigenen Lebens verbracht hat, soll nun plötzlich nicht mehr da sein?

Das Einzige was nun von dir bleibt sind Audiodateien, Bilder, Erinnerungen, dein zurückgelassener Besitz und die leere in meinem Herzen, weil du nicht mehr da bist.

Opa ich werde dich immer lieben und vermissen.

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⏰ Last updated: Mar 26, 2020 ⏰

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