Der letzte Brief

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13. Februar 1945, Dresden

Lieber Johann,

nur Gott vermag zu wissen wie sehr du mir fehlst. Ich habe Angst, dass du mich nie wieder berühren wirst und ich nie wieder deine Wärme fühlen kann. Es plagt mich am Tage. Während mich in der Nacht Albträume heimsuchen, in denen dein kalter Körper hier in Dresden ankommt. Ich sehe dein blasses Gesicht vor mir und deine leeren Augen. Davor habe ich Angst, ich bin gar ohnmächtig. Wie könnte ich dir nur helfen aus diesem dunklen, kalten und grausamen Ort zurück zu kehren? Der einzige Weg meiner Hilfe ist das Beten, denn nur Gott kann dir helfen, nur er kann dich von dort wegbringen. Nur Gott kann mir verzeihen, dass ich diesen Brief nicht schon eher verfasste. Es tut mir leid.

Doch befürchte ich, dass dich dieser Brief nicht einmal mehr erreicht. Es ist alles zusammengebrochen, wovon du geträumt hast. Deutschland wird unausweichlich fallen. So hoffe ich, dass du auch dies bereits erkannt hast. Ich bin nicht mehr böse auf dich, ich hoffe das weißt du. Doch der Tag an dem du dich entschieden hast zur Wehrmacht zu gehen, wird mir immer im Gedächtnis bleiben. Wir beide saßen ein letztes Mal zusammen am Tisch, aßen, während du mir begeistert von deinem Plan erzählt hattest. Den nächsten Tag sah ich deine Hand gestreckt gen Himmel, voller Tapferkeit und Freude. Du wolltest kämpfen für den Mann, von dem du glaubtest er würde das Deutsche Reich zur Größe führen. Ich ließ dich gehen, obwohl ich wusste, dass es dein Tod sein wird. So zogest du nach Stalingrad, in die Hölle. Ich jedoch sollte hier bleiben, wissend dass ich bereits deinen Vater im Krieg verlor. Ihr beide ließet deine Schwester und mich in voller Angst und Bedenken hier. Nachdem du gegangen bist musste ich ansehen, wie auch sie ihren Tod fand durch die Hand deines Führers. Sie verschlossen sie vor mir und schickten sie an einen Ort weit weg von hier. Die Männer in braun holten sie ab. Einige Tage später teilte man mir mit, dass man sie nach Bernburg gebracht hatte. Ihr ging es doch gut bei mir! In der Heilanstalt starb sie und man sagte mir, sie litt an Herzproblemen. Mein Sohn du weißt, dass es nicht so ist!  Deine Schwester haben sie mir genommen, weil sie nicht mit diesem Staat leben konnte, nicht mit einem neuen Krieg und dem Wissen, dass du weg bist. Das arme kleine Ding war so unschuldig und doch nur etwas krank.  

 Nun bin ich alleine, voller Furcht und Sorgen um meinen einzigen Sohn, mein einziges Kind.

Das Leben hier ist Angst und Einsamkeit. Jeden Tag hört man die Sirenen, die laut durch die Stadt hallen. Immer wenn ich dieses Geräusch vernehme wird mir bange und ich renne so schnell ich kann in den Keller. Dort warten unsere armen Nachbarn und die kleinen Kinder schon. Während die Älteren versuchen die Furcht zu unterdrücken oder zu verstecken, für den Führer, haben die Kleinen aufgehört es zu verstecken. Sie liegen in den Armen ihrer Mütter, weinend, und versuchen die ganze Welt zu vergessen.

Am heutigen Tage vernahm ich jedoch noch nicht das ohrenbetäubende Geräusch, obwohl es sich der Nacht nähert. Mein Herz sagt mir jedoch, dass es mich heute noch plagen wird. Es sagt mir auch, dass es nicht so wird wie die anderen Male, sondern schlimmer und mir allen Atem rauben wird. Gott, bitte sag mir, dass ich falsch liege. Doch dieses Gefühl habe ich stets, wenn mein Körper den Weg in den dunklen Keller antritt. Vermutlich habe ich auch hier Unrecht.

Mein Sohn, ich hoffe, dass ich dich bald in meine Arme schließen kann. Komm zurück zu mir. Bitte.

In Liebe,

deine dich immer liebende Mutter

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