Leila
"Du kennst nicht zufällig den Weg? Mein Akku ist leer." Sie zeigte auf ihr goldenes iPhone. "Den Weg kenne ich. Ich muss auch in die selbe Richtung." Sie schaute kurz auf mein schwarzen Koffer und fragte mich dann unerwartet: "Du gehst auch auf das Jon Internat?" "Ja ich gehe auch auf das Jon Internat. Heute ist mein erster Schultag in der 11 Klasse." Ich hatte nicht damit gerechnet, am Zug eine Mitschülerin von Jon Internat zu treffen. Ihren schwarzen YSL Koffer und ihren Chanel Jacke mit goldenen Knöpfen und einen mittellangen Rock , das eher ein weißes Chanel Kostüm für eine New Yorker Bank oder einen Laufsteg war, zu urteilen war sie sehr reich. Und reich bedeutet auch überheblich. Ihre Haare lichtblonden waren perfekt mit den Lockenstab frisiert worden. Innerlich fluchte ich mich dafür, dass ich bereits vor den Schulbeginn sehr negativ gegenüber den Jon Internat und gegenüber fremden Schülern eingestellt war. Meine erste Schulstunde fing in 3 Stunden an. Auf dem Weg zum Jon Internat sagte die Mitschülerin: "Ich heiße Simone. Und du?" "Mein Name ist Leila."
"Hallo Leila, ich komme." Gedankenverloren ging ich ungeduldig an meine helle Holzkommode und öffnete die untere Schublade. Als ich mein weinroten Pullover mit V-Ausschnitt rausholte, sah ich das Bild mit den blonden Jungen von der Party damals. Ich hatte total vergessen, das ich das Bild eingepackt hatte. Neugierig sah ich mir das Bild an. Scheiße. Er sah genauso aus wie Justus mit den blonden Haaren, der mich neulich angerempelt und mich zu einem Date überredet hatte. Seine Kleidungsstil war nahezu identisch. Doch wie konnte es sein, das er mich hier gefunden hat? Ich muss abhauen. Jetzt sofort. Eilig lief ich raus in den Flur. Weiter kam ich nicht. Justus stand genau vor mir und grinste mich an. Er trug einen schwarzen Pullover mit einer hellblauen etwas abgenutzten Jeans. Er roch erstaunlich gut.
Nervös starrte ich immer wieder auf mein Handy, während ich in Justus schwarzen Nissan saß. Vielleicht kann ich später die Polizei anrufen? Ich tippte Katie ein Nachricht.
Hallo Katie.
Ich bin...
Den zweiten Satz an Katie konnte ich nicht mehr zu Ende schreiben, da Justus bereits den Wagen vor einem großen Haus angehalten hat. Er hielt mir die Autotür auf. Draußen war es bereits dunkel geworden. Nur noch vereinzelte Auto fuhren an das große Haus vorbei. Dieser Ausblick auf das Haus hatte bisschen ein Horrorfilm Vibe. Als ich sein Haus betrat, war ich ein wenig überrascht, wie modern und teuer die Möbel waren. Der Esszimmerbereich war mit leuchtenden Kerzen beschmückt. Ich setze mich auf einen Holzstuhl an den Esstisch. Meine Beine klapperten leise. Sofort schenkte mir Justus Sekt in ein Glas ein. Als Justus anfing zu reden, hörte ich nicht mehr auf zu zuhören. Ich wusste gar nicht mehr, welche Uhrzeit gerade war. Irgendwann fing ich auch an Justus Sachen zu erzählen. So lange hatte ich nicht mehr mit gleichaltrigen Menschen gesprochen, das ich mich freute. Dass ich eigentlich die Polizei in einen unbemerkten Moment anrufen wollte, vergas ich an dem Abend. Ich war zu sehr in das lange Gespräch mit Justus vertieft, das ich alles andere vergas. Ich sehnte mich zu sehr nach Verständnis und einer guten Gesellschaft. Und das ich mich nicht mehr so klein und unbedeutend fühlte.
Noch bevor ich richtig aufgestanden war, beschloss ich von hier abzuhauen. So schnell es ging zog ich meine Klamotten an. Leise schlich ich mich in den Flur. Justus schnarchte leise. Das hieß, er schlief noch. Umso besser. Ich wollte nach meinen Schuhen greifen, als ich feststellte, das sie nicht mehr da waren. Ich suchte in ganzen Flur, doch weit und breit war kein Schuh zu sehen. „Scheiße." , fluchte ich leise. Ich hörte die leise Schritte von hinten nicht. Als ich mich umdrehte, schrie ich vor Schock. An der Türleiste angelehnt stand Justus mit einen rosanen Kaugummi im Mund und musterte mich auf seltsamer weise, die ich nicht verstand. Mein Blick wanderte zu seinen rechten Arm. Mit weit aufgerissenen Augen starrte ich meine schwarzen Chucks vor mir an, als könnten sie jede Sekunde verschwinden. „Du wolltest doch nicht etwa gehen?" Mein Herz hämmerte wie wild, aus Verzweiflung und Angst. „Ich...ich.. kann es erklären. Ich wollte nur..." Dennis schnitt mir das Wort ab: „.. abhauen. Nicht wahr?" „Nein, das ist nicht wahr. Ich wollte nur..." Ich schluckte. „Schon klar." „Könntest du mir einfach meine Schuhe wiedergeben, bitte?" „Wozu brauchst du die denn?" Zum Abhauen. Das sagte ich natürlich nicht laut. „Egal, vergiss es einfach." Mittlerweile bekam ich vor lauter Aufregung Bauchkrämpfe. „Vergiss es einfach, okay?" „ Interessant." warn die einzigen Worte. Danach herrschte völlige Stille. Ich konnte sogar draußen die Vögel zwitschern hören. Die Stille war nahezu unerträglich. Es war wie, als wolle das Nix mich auffressen. Ich machte ein quälendes Gesicht. Ich konnte natürlich auch in die Toilette gehen und mich verstecken. Aber nicht abhauen, das Fenster war zu klein. Konnte man im Sommer ein Fieber bekommen? Zumindestens hatte ich das Gefühl als würde alles in mir glühen und brennen. Ich rieb mir an die Schläfe. Ich konnte auch barfuß abhauen. Wer braucht schon Schuhe. Wie lang waren wir noch mal hier her gefahren? Lang. Sehr lang. Und zu lang, als mein Barfüße es ertragen könnte. Blitzschnell griff ich nach der Haustür, als ich feststellen musste, das die Haustür abschlossen war. „Nein." kriesch ich. „Nein, Nein, NEIN!" Wie eine Verückte hämmerte ich gegen die Haustür. Plötzlich spürte ich einen harten Schlag auf den Hinterkopf. Ohne das ich reagieren konnte, zog er kräftig an meinen Haaren. Ich fiel schreiend zu Boden. Für ein paar Sekunden verlor ich vollkommen das Bewusstsein. Als ich aufwachte, musste ich feststellen, das meine Beine gefesselt wurden. Irgendetwas stach in mein Finger. Erst war es ein kleiner Stich, doch dann brannte es fürchterlich. Mein Hals fühlte sich an wie Kotze. Ich spürte, wie mir alles hochstieg. "Was zum Teufel hast du mir gegeben, du Bastard?!" brüllte ich. Stumm fing er an meine Hände zu fesseln, doch ich weigerte mich. Er dachte nicht dran mir zu antworten. Verzweifelt versuchte ich aufzustehen und fiel dabei erneut heftig auf mein Hinterkopf. Langsam hatte ich das Gefühl, den Verstand zu verlieren. „Sag mal, bist DU NOCH GANZ DICHT!" Justus nahm mich unsanft auf seine Arme. „Sag mal geht's noch!" Statt einer Antwort klebte er mir etwas auf dem Mund. Vor mir sah ich eine weiße Tür. Sie erinnerte mich irgendwie an Krankenhaus. Sie kam immer und immer näher. Ich glaub, mir wird gleich schlecht. Alles drehte sich. Und ich mich mit. Das ist alles nur ein Albtraum. Wenn du jetzt wieder die Augen aufmachst, bist du wieder zu Hause. Doch stadessen sah ich vor mir immer noch die weiße Tür, die sich langsam öffnete. Sie quietsche leise. Der Raum war so schwarz wie die Nacht. „Wo sind wir?" „Halt deine Klappe!" zieschte Justus, während er die Fesseln löste. An meinen Händen zeichnete sich deutlich rote Flecken ab.
Vor meinen Augen sah ich plötzlich rote Haaren. Ich glaube, ich fantasiere hier unten schon. Mir ist von der Spritze schlecht geworden. Ich spürte meinen trockenen Speichel. Abgesehen von einer einzigen Deckenlampe, war alles andere im Keller kaum zu sehen. Eine Frau leuchtete mich mit ihrem goldenen iPhone Display an. Meine Augen brauchte einen kurzen Augenblick, um die Frau zu erkennen. "Katie wie hast du mich gefunden?" "Ich habe gestern Abend nichts mehr von dir gehört. Deshalb habe ich ein It-Experte im Internat gefragt, ob er dein Handy orten kann. Über Umwege hat es dann geklappt." "Bist du alleine hergekommen?" "Ja. Draußen steht ein Motorrad." "Bist du wahnsinnig? Der Justus ist gefährlich. Du solltest nicht alleine herkommen." Katie verdrehte sich die Augen. "Jetzt bin ich ja schon bei dir." Mit einen gelben Taschenmesser schnitt Katie die Fesseln durch. Ich rieb mir vor Schmerzen die Handgelenke, die mit den Fesseln festgebunden waren. "Leila kommt jetzt. Wir müssen sofort los." Orientierungslos rannte ich Katie hinterher. Wir stiegen schnell auf Kate geliehenen Motorrad, zogen uns die schwarzen Motorrad Helme an und Kate fuhr los. Mit den Motorrad kamen wir im Internat an. Wir zogen beide die schwarzen Motorrad Helme von unseren Köpfen. Die Schüler zu hören und wieder in gewohnte Umgebung zu sein, freute mich. In unser Zimmer erzählte ich Kate alle Geschehnisse bis zu den Zeitpunkt, in den Kate mich im Keller fand und mich aus den Fesseln befreite. "Das ist alles meine Schuld. Ich hätte gestern Abend aus Justus Haus fliehen sollen, die Polizei rufen und in das Internat rennen können." "Nein das ist nicht deine Schuld. Selbst wenn du aus Justus Haus geflohen wärst, hätte er dich mit seinen Auto verfolgt. Er ist viel schneller als du. Irgendwann hätte er dich geschnappt oder dich zuvor mit einer Pistole angeschossen." Sie nahm mich in ihre Arme. Sie roch leicht nach Lavendelduft.
Simone
Sie hatte etwas Wimperntusche aufgetragen und dicke, schwarze Augenränder um ihren Augen, das sie keineswegs düster wirken lies. Vor allem nicht als Emo. Sondern wie ein Mädchen, das sich Smoke Eyes auf die Augen machte. Also eines musste ich ihr wirklich lassen, sie hatte echt Stil. Sie weinte. Warum sie weinte, wusste ich nicht. Irgendwie erinnerte sie mich gerade an Avery aus meiner alten Schulklasse. Die beiden hatten eine gewisse Ähnlichkeit. Ob sie auch so viel geweint hatte, als sie alleine war? Der große Spiegel des Waschbeckens war teilweise mit lauter Handabdrücken beschmiert. Rechts oben an der Seite war der Spiegel zerissen. Über dem Spiegel drüber war eine hässliche gelbe Neonröhre, die anscheinend nicht mehr richtig funktionierte. Denn sie flackerte immer wieder ununterbrochen, wie in einem klassischem Horrofilm. Sie weinte seelenruhig weiter, während sie sich das warme Wasser vom Wasserhahn auf ihr Arm fließen lies und versuchte, irgendetwas abzukriegen. Aber nur was? Leise und ganz unauffällig ging ich näher an sie heran. Dann schlich ich mich rechts auf die Seite des Raumes, aber aus ihrem Blickfeld raus und sah es dann. Sie versuchte das Blut zu stoppen. Immer wenn sie das Wasser auf ihren Arm klatschte, verkrampfte sie sich innerlich, weil die Wunde wie die Hölle brannte. Und immer wenn sie das Wasser auf ihre Wunde an ihrem Arm klatschte, kam erneut Blut, was sich nicht stoppen lies. Sie weinte immer noch, aus Angst, sie könnte erwischt werden. Was hatte sie mit ihrem Arm gemacht, das es so dolle blutete? Ritzte sie sich? Und wie lange? Langsam trat ich in das große Badezimmer aus weißem Marmor. Zurückgehen konnte ich nicht mehr, da sie mich gehört hatte. Sie trete sich vorsichtig um. „Ach du bist es. Ich dachte schon du wärst ein Betreuer. Sonst wäre ich dran. Meine Eltern dürfen davon nichts erfahren. Kannst du das Geheimnis für dich behalten, Simone?" Ich nickte darauf. „Ja, das kann ich. Wir sind schließlich Freunde." „Ja." Sie lächelte, während sie sich ein Verband um ihren Arm draufmachte. „Er war da."„Er...Scheiße der Stalker war das. So ein Arschloch. Was sollen wir machen? Sind wir im Internat noch sicher?" „Ja, wir sind hier noch sicher." „Wo hat er dich erwischt?" „An einer kleinen Gasse." „Welche?" „Also..."
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Simone, Katie & Leila
Mystery / ThrillerDrei Mädchen, die von ihren Eltern ins Internat geschickt werden. Teil 1
