Prolog

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Unknown P.o.V

Langsam schritt ich durch den Wald. Meine Finger strichen im vorbeigehen sanft über die Blätter vom Farn, welcher sich wie ein grünes Meer über dem Waldboden erstreckte. Vereinzelte Sonnenstrahlen vielen schräg durch das Blätterdach der Bäume und tauchten den Wald in ein fast Gold wirkendes Licht. Die Ruhe und den Frieden den diese Szenerie in mir hervorrief, war wie immer unglaublich. Es war kurz vor der Abenddämmerung. Die Zeit innerhalb des Waldes, in der sich alle Tagwandler in ihre Bauten zurückzogen um zu schlafen, während die Nachtwandler aus ihrem Unterschlupf krochen um die Nacht zu beginnen.
Meine absolute Lieblingszeit.

Fasziniert sah ich zwei Kaninchen dabei zu, wie sie sich ein Wettrennen zu ihrem Bau lieferten. Vor dem Eingang angekommen, stoppten sie jedoch und wandten ihre kleinen Köpfchen neugierig in meine Richtung. Aufgeregt zuckten ihre Ohren hin und her und sie schnupperten interessiert. Lächelnd hob ich eine Hand, flüsterte ein, Gute Nacht, und schon verschwanden die kleinen in dem kleinen Loch im Waldboden.
Ich wendete mich ab und setzte meinen Weg fort.

Mein Ziel? Eine kleine Lichtung, durch deren Mitte sich ein kleiner Bach schlängelte. Sie lag tief im Wald verborgen und war mein Lieblingsort. Der kleine Bach mündete auf der einen Seite der Lichtung in einem kleinen See, der wiederum strahlenförmige bachläufe gebildet hatte, welche sich in verschiedene Richtungen schlängelten und tief im Wald verschwanden. Umrahmt wurde diese Kulisse von langem, dichten Grashalmen, an deren Spitzen kleine Regentropfen in der Abendsonne glitzerten.
Auf beiden Seiten der gespalteten Lichtung standen vereinzelt, kleine und große, wunderschöne Blumen. Das, was mich an diesem Anblick jedoch immer wieder aufs neue faszinierte war, dass die Blumen rechts vom Bach in einem satten dunkelrot blühten, während auf der anderen Seite vielerlei andersfarbiger Blumen vorhanden waren.
Schon oft hatte ich mich gefragt, warum das der Fall war. Jedoch war ich der festen Überzeugung, dass manche Dinge einfach genau so waren wie sie sich eben ergeben hatten.

Kurz bevor ich jedoch bei meiner Lichtung ankam, bemerkte ich eine Veränderung. Ein Geruch. Ein Gefühl.
Die Haare auf meinen Armen stellten in sekundenschnelle auf und reflexartig fletschte ich die Zähne. Aufgeregt entfuhr mir ein Knurren, wobei ich ein paar Vögel, die es sich zur Nachtruhe in den Bäumen über mir bequem gemacht hatten, aufscheuchte. Eigentlich hätte ich mich jetzt bei ihnen entschuldigt, aber ich war viel zu aufgebracht um auch nur einen Gedanken an Ihre Gefühle zu verschwenden.

Jemand war hier.. Jemand der mir fremd war. Ein Eindringling. Ein Mensch.

Kurzerhand versuchte ich mich zu beruhigen. Ich entspannte meine Schultern, atmete ein paar mal tief durch und konzentrierte mich. Die Augen geschlossen, strich ich mir mit den Händen die weißen Locken hinter die Ohren und lauschte.
Mein Gehör verschärfte sich und der Wald um mich herum zeichnete sich vor meinem inneren Auge ab, wie eine Landkarte bestehend aus Geräuschen. Nicht weit von mir hörte ich, wie ein paar Wassertropfen ein Blatt hinunter liefen und auf den Waldboden tropften. Etwa sechzig Meter weiter konnte ich hören wie leichte Briese über die Lichtung zog und die Blumen sanft hin und her wiegte.

Und dann endlich konnte ich ihn hören. Klar und deutlich. Den Menschen der bis hierher vorgedrungen war.
Das Wasser des Sees plätscherte viel lauter als sonst, denn der Eindringling badete sich darin.

Den Feind in meinem Revier nun lokalisiert, begann meine Jagt.
Alles passierte sehr schnell.
Ich öffnete blitzartig die Augen, scannte den Wald vor mir ab, drehte meinen Kopf in Richtung der Lichtung und begann zu rennen.
Leichtfüßig und ohne ein Geräusch zu machen sprang ich über Wurzeln, Blumen und sehr tief hängende Äste.
Dann nahm ich mehr Tempo auf und sprang.

Aus zwei Aufschlägen auf dem Boden wurden schlagartig vier. Ich beschleunigte ein weiteres mal und konnte die Lichtung schon deutlich vor mir erkennen. Aggressiv fletschte ich die Zähne während ich weiter durch den Wald jagte.

Na warte, du Mensch.

Lennart Historias para obsesionarse. Descúbrelo ahora