Als ich an einem Samstag Morgen um halb acht die Stallgasse entlang lief, hörte ich bereits das freudige Wiehern, welches mich lächeln lies. Charlie steckte mit gespitzten Ohren und glätzenden Augen seinen Kopf aus der Boxentür, als er mich kommen hörte. Bereits seit einer Woche war der Haflinger, mit breiter Blässe meine Reitbeteiligung. Herrn Lauterbach hatte mir ihn mir als Reitbeteiligung anvertraut, da er selber nicht viel Zeit für Charlie hatte, wesswegen er nach einer Reitbeteiligung gesucht hatte.
Als feststand, dass ich ihn jeden Tag reiten konnte, war ich über glücklich gewesen. Jeden Tag rannte ich wie eine Irre zum Busbahnhof in der Schule, um noch den Ein-Uhr-Bus zu erwischen. Manchmal ging ich dann direkt zu Charlie und stellte meine Schultasche vorher zu Hause ab. Denn anders wie manch andere Reiter, hatte ich das Glück, kaum fünf Minuten vom Reitstall entfernt zu wohnen.
Meistens machte ich meine Hausaufgaben direkt nach der Schule und wenn ich Arbeiten schrieb oder einen Vokabeltest dann nahm ich meine Schulbücher und setzte mich zu Charlie ins Stroh. Wärend er fraß, konnte ich ungestört lernen. Und wenn ich ihn nicht gerade ritt, Boden-
arbeit mit ihm machte, longierte oder ihm Tricks beibrachte, saß ich oft einfach nur in Charlie's Box und erzählte ihm irgendetwas.
Zum Beispiel hatte sich gestern Tobias, ein Junge aus meiner Klasse, abholen lassen. Er hatte gesagt, er hätte Kopfschmerzen, aber die halbe Klasse wusste, dass er sich nur vor der Englischarbeit drücken wollte, weil er mal wieder nicht gelernt hatte. Sowas musste ich nartürlich dem Haflinger erzählen. Denn oft verstand er mich besser, als meine Freunde. Sogar meine beste Freundin wusste nicht alles über mich.
Nur der braune Wallach kannte mich so gut, wie ich mich selber kannte. Ich erzählte ihm meine Geheimnisse und Sorgen. Wärend er fraß erzählte ich ihm Einiges. Manchmal schaute er mich auch einfach nur an, und lauschte meinen Worten. Er war mein bester Freund. Das würde immer so bleiben! Da war ich mir sicher.
»Hallo, mein Süßer«, begrüßte ich Charlie. Ich streckte ihm auf flacher Hand einen rot glänzenden Apfel hin, den er sofort mit seinen weichen Pferdelippen aus meiner Hand nam. Der Haflinger zerkaute den Apfel genüsslich, wobei ihm Schaum aus dem Mund lief. Ich musste grinsen.
Nachdem ich mir sein blaues Halfter und Strick vom Haken an der Boxen-
wand genommen hatte, öffnete ich die Boxentür und streifte ihm das Halfter über. Ich ging die Stallgasse entlang nach Draußen. Anbinderinge waren an der weiß gestrichenen Wand befestigt, die sich gleich neben dem Wasserschlauch befanden. Ich band Charlie an und ging los um Sattel und Trense zu holen.
Beinahe gegenüber vom Eingang des Reitstalls befand sich die Reithalle. Daneben die Tribüne, auf der man es sich gemütlich machen und zum Beispiel bei einer Reitstunde zu gucken konnte. Gegenüber des Eingangs der Reithalle befanden sich die zwei Sattelkammern. In der Schul-
pferd-Sattelkammer befand sich ein Waschbecken an dem man das Gebiss der Trense auswaschen konnte.
Direkt neben dem Waschbecken war ein Durchgang. In diesem Raum, befand sich das Sattelzug der Privat-
pferde. An der linken Wandseite waren einige Spinte angebracht. Darin befanden sich zusätzliche Sachen des Privatpferdes. Wie zum Beispiel eine Schabracke, Pferde-
leckerlies und solchen Kram.
Wenn man die Stallgsasse geradeaus weiter lief, entdeckte man die Boxen der Privatpferde. Auf der anderen Seite waren die Schulpferde unter- gebracht.
Nachdem ich den Sattel auf Charlies Rücken gelegt hatte, den Sattelgurt festgezogen hatte und ihn getrenst hatte, führte ich ihn auf den Platz, welcher sich direkt hinter der Wand mit den Anbinderingen befand. Neben dem Reitplatz, befand sich die Longierhalle und links neben dem Platz, führte ein kleiner Trampelpfad runter zu den Koppeln.
Erst vor anderthalb Jahren war die Reitanlage fertig geworden. Früher hatte es noch einen Reitstall am Ende der Stadt gegeben, der direkt an einer Schnellstraße war. Da sich das Grundstück als zu klein erwiesen hatte, und sowieso der Pachtvertrag erneuert werden musste, wurde angefangen hier bei uns eine neue Reitanlage zu bauen.
Denn hier gab es viel mehr Platz. Koppeln und eine Longierhalle hatte es im alten Stall nicht gegeben. Doch hier war genug Platz für alles nötige und es gab viel mehr Ausreitgelände.
Direkt hinter dem Stall befand sich das Feld mit wunderschönen Ausreit-
wegen und einem Wald. Es war hier viel idyllischer, als im alten Stall.
Ich schwang mich in den Dressur-
sattel und ritt Schritt. Ganze Bahn.
Nach einigen Runden ließ ich den Haflinger antraben und begann, leichtzutraben. Charlie's Trab war sehr schwungvoll, weshalb ich auf ihm auch nicht so gerne aussaß. Man wurde wegen seiner schnellen Schritte ganz schön durch geschüttelt. Aber das störte mich nicht mehr so.
Ich ritt eine einfache Schlangenlinie. Dann machte ich einen Handwechsel und lies Charlie auf dem Zirkel an-
galoppieren. Wie sein Trab auch, war sein Galopp sehr schwungvoll und schnell, da er eher kleine als große Schritte machte.
Als ich ihn zum ersten mal geritten war, hatte mich sein Galopp und Trab beinah aus dem Sattel fallen lassen. Aber jetzt war ich an seine schnellen und schwungvollen Gangarten gewöhnt.
Ich parirte durch zum Trab, dann zum Schritt und nachdem ich einen Handwechsel gemacht hatte und eine Runde Schritt geritten war, lies ich den braunen Wallach antraben.
Im Aussitzen ritt ich einige Bahnfiguren, bis ich schließlich zum Schritt durch parierte und ihn ausgiebig den Hals klopfte. »Du warst heute super!«, lobte ich Charlie und stieg ab. Er stupste mich mit seiner weichen Nase an. Ich kramte in meiner Hosentasche nach ein paar Pferdeleckerlie, die ich ihm auf flacher Hand hin streckte.
Wärend der Haflinger genüsslich kaute, nahm ich die Zügel vom Hals und führte ihn zu den Anbinderingen. Nachdem ich ihm sein Halfter angezogen hatte, band ich ihn an und öffnete den Sattelgurt.
Ich nahm den Sattel von Charlie's Rücken und musste feststellen, dass seine Schabracke schweißnass war. »Du hast heute ganz schön geschwitzt, mein Lieber. Dabei haben wir doch heute gar nicht so viel gemacht?«, dachte ich laut nach.
»Hey, Mika«, höhrte ich die Stimme meiner besten Freundin. Erschrocken drehte ich mich um. »Hi«, begrüßte ich sie. »Hast du ihn so früh schon geritten«, fragte Dorothee, die aber von allen nur Doro genannt wurde.
»Ja, ich wollte mir den Reitplatz dann nicht mit den anderen teilen, desswegen«, erwiderte ich. »Ach so.«
»Ist irgentwas?«, erkundigte Doro sich, die meinen besorgten Gesichts-
ausdruck wohl bemerkt hatte. »Ja, es ist nur, dass er heute voll geschwitzt hat, obwohl ich gar nicht so viel mit ihm gemacht habe«, sagte ich.
»Na, dass ist ja auch kein Wunder! Du weißt doch, dass der Lauterbach ihn nur alle paar Tage geritten hat. Das du ihn jetzt jeden Tag reitest ist schon mal eine Umstellung für ihn. Vielleicht brauch er einfach mal nen' Ruhetag. Du wirst schon sehen! Wenn du ihn morgen mal chillen lässt, wird er über morgen schon wieder ganz der Alte sein. Vertrau mir.«
»Vielleicht hast du Recht...«, dachte ich laut nach. »Ich bring' erstmal den Sattel weg. Warstest du hier?«, fragte ich. »Klar«, erwiderte sie.
Als ich den Sattel an den Haken gehängt und die Trense fein säuberlich ausgewaschen und an den Haken gehängt hatte, ging ich wieder zurück zu Doro. Sie hatte bestimmt Recht und Charlie hatte nichts. Ich sollte ihn vielleicht wirklich mal einen Tag ausruhen lassen... Ich würde es ja sehen.
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Beauty | Ein Herz auf vier Hufen
RandomDie dreizehnjährige Mikaela, die aber von allen nur Mika genannt wird, ist am Boden zerstört, als ihre Reitbeteiligung Charlie eingeschläfert werden muss. Doch als auf einmal ein neues Pferd in den Reitstall kommt, was sich anscheinend nur von ihr r...
