Auf dem antiken Bärenfell sitzend schaute ich zum Tisch herauf. Der schwere, ebenhölzerne Tisch mit den verschnörkelten Beinen konnte nur eines bedeuten. Ich war in meinem Elternhaus in Arrenville.
Kein Wunder, dass ich gerade in dieser Nacht von hier träumte, wo ich ja morgen nach so langer Zeit wieder hier her musste.
Die Tür zum Flur schwang auf und herein trat mein Vater. Sein Haar war weniger ergraut, als ich es in Erinnerung hatte. Seine Stirn kroch jedoch bereits haarlos den Kopf empor. Er hatte sich seinen guten Anzug angezogen. Der braune Stoff war makellos gepflegt und dünne Nadelstreifen zogen sich über Jackett und Hose. Gerade wegen seiner breiten Schultern, die er trotz seiner hageren Figur aufwies, fiel ihm der Anzug sackförmig am Körper herab.
Ohne von mir Notiz zu nehmen, setzte er sich zu einem Mann an den dunklen Tisch. Der andere Mann war ein Fremder, den ich zuvor nie gesehen hatte. Er war jünger, als mein Vater und sein adretter Aufzug schien ihm deutlich besser zu stehen. Sein welliges, blondes Haar fiel ihm am Gesicht herab und bedeckte seine Ohren. Er hatte ein diebisches Grinsen aufgesetzt, was seine ohnehin dünnen Lippen, noch schmaler wirken ließ. Als er sprach, zuckte sein auffällig spitzes Kinn. „Schön, dass sie mich empfangen, Mr. Brooks", begrüßte er meinen Vater.
Mein Vater nickte knapp und fragte: „Ich gestehe, dass ihre Penetranz mich zu sprechen meine Neugierde geweckt hat, obwohl sie mir immer noch nicht ihr Begehr mitgeteilt haben. Also jetzt sitzen wir uns gegenüber. Was kann ich für sie tun?"
„Ich bin auf der Suche nach einem Buch."
„Und was hat das mit mir zu tun? Meine Sammlung erstreckt sich über Antiquitäten. Nicht über Bücher. Und wenn sie zu mir gekommen sind, da ich Bibliothekar bin, dann frage ich mich, weshalb sie mich nicht in der Bibliothek aufsuchen?"
Ich wandte meinen Blick vom Tisch ab und schaute auf meine Puppe. Erwachsenengespräche sind ja immer so langweilig. Ich kämmte ihr durch die Locken. Sie war eine Prinzessin und musste sich hübsch machen. Sicher würde sie dann einen Prinzen finden.
„Mr. Brooks", sagte die Stimme des Fremden am Tisch, „wovon ich spreche, wonach ich suche, findet man nicht in einer Bibliothek. Nicht einmal in der in Arrenville."
„Wie bereits gesagt", wiederholte mein Vater, „wenn sie nach Seltenheiten suchen, kann ich ihnen lingonische Vasen oder vielleicht einen sluvischen Wandteppich anbieten. Wenn sie mögen, führe ich sie gerne zu den originalen Handwerksarbeiten."
Jetzt hatte die Prinzessin schöne Haare. Ich setzte sie in das Fell des Bärenteppichs und drapierte sorgfältig ihr violettes Kleid.
„Um ehrlich zu sein", sagte der Fremde, „begehre ich keines ihrer Originale. Es ist eine Kopie, wonach ich mich sehne. Eine Abschrift, um genau zu sein."
Ruckartig kreischte Holz über die Fliesen. Ich schaute zum Tisch und stellte fest, dass mein Vater sich erhoben hatte und sein Stuhl nach hinten gerückt wurde. Das Gesicht von ihm wirkte eigenartig. Anders als ich je gesehen hatte. War dies Angst in seinen Augen?
„Raus aus meinem Haus." Seine Stimme zitterte. „Hinfort mit ihnen. Ich habe nicht, wonach sie suchen."
Ein breites Grinsen zog sich durch die Fratze des unwillkommenen Gastes. Doch er blieb sitzen. Einen Moment passierte nichts. Dann nickte er und erhob sich doch.
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Der Träumer
TerrorHabt ihr schon einmal von eurer Kindheit geträumt? Und habt ihr euch in einer Erinnerung bewegt? Doch was passiert, wenn ihr aus eurer Erinnerung ausbrecht, euch durch eure eigene Vergangenheit bewegt und sich Zeit und Traum zu vermischen beginnen?
