Rast im Wald

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In der tiefblauen Nacht wirkte der Wald wie ein Labyrinth aus wabernden Schemen, nur schwach durch die Mondsichel am Firmament beleuchtet. Undurchdringlich. Zumindest für Menschen, für eine Elfe jedoch nicht. Behutsam bewegte sich Rasunya durch das Unterholz, ihren erschöpften Rappen vorsichtig am Zügel hinter sich her führend. Ihr zweiter Begleiter, ein Rabe, der in der Nacht ebenfalls nicht mehr als ein großer unförmiger Schatten war, hockte auf einem Ast knapp über ihr und hielt Ausschau. Zu ihrer Linken befand sich ein schmaler Weg, dem sie bewusst aus dem Weg ging. Auf der rechten Seite stieg der schmale Waldhügel mehr und mehr an. Sie schritt weiter, bis sie in etwas weiterer Entfernung ein schwaches, warmes Licht zwischen den Bäumen bemerkte.
Furcht und Neugier mischten sich in ihr. Sie wusste weder genau, was sie hier wollte, noch, was sie hierhin gezogen hatte. Doch da war etwas, das sie zu rufen schien wie der Gesang einer Sirene. Je näher sie dem Licht kam, desto deutlicher roch sie etwas Penetrantes, dessen Geruch sie deutlich zuordnen konnte.
Rauch. Feuer. Ein Lagerfeuer, umringt von Steinen und einem abgelegten Baumstamm als Sitzfläche, gelegen in einer kleinen Senke zum Schutz vor missliebigen Blicken. Doch niemand saß am Feuer. Neben dem Baumstamm lag ein Beutel, der etwas zu enthalten schien.
Als sie die Feuerstelle erreichte, ließ sie ihr Pferd im Schatten stehen und näherte sich der Wärme. Der lange Ritt hatte dazu geführt, dass ihre Glieder kalt und taub waren, und so achtete sie weder auf Gefahren, noch auf die Anzeichen, dass hier jemand war, und versuchte sich am Feuer zu erwärmen.
Als sie sich setzte, fing der Beutel plötzlich an, grünlich zu leuchten. Er ging auf, und eine Kugel aus smaragdfarbenem Licht stieg auf. Die Kugel flog zu Rasunya und verharrte eine Armlänge von ihrem Gesicht entfernt in der Luft. Nun erkannte sie, dass die Kugel eigentlich ein Tier war. Ein Kolibri, nur dass er aus reinem grünen Licht bestand.
Sie streckte vorsichtig ihre Hand aus und versuchte das Wesen zu berühren.
Ihre sonst feuerroten Haare schienen schwarz im grünen Lichtschein. Der Kolibri wich ihrem Griff leicht aus, flog aber nicht davon. Es schien, als würde sich das Wesen für sie interessieren. Die Wärme, die es ausstrahlte, versengte ihre Haut, obwohl der Kolibri sie nicht mal berührte. Sie ließ den Arm sinken und sah sich um. Der Beutel weckte ihr Interesse und mit schnellen Schritten näherte sich die Elfe dem Stück Leder. Als sie in die Knie ging, machten sich wieder die Strapazen des Ritts bemerkbar. Leise ächtzte Rasunya auf und streckte ihre Hand nach dem Gegenstand auf dem Boden aus. Aus dem Augenwinkel sah sie, wie der Kolibri sich ihr näherte.
Die sengende Aura wurde stärker, als sich der Kolibri zwischen sie und den Beutel brachte. Eine etwas dumpfe, männliche Stimme aus dem Schatten der Bäume zu ihrer Rechten ertönte. "Es freut mich, das du dich mit meinem Elementar anfreundest, aber meine Sachen musst du nicht unbedingt plündern, nur weil du vermeintlich allein bist."

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