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Während ich mit meiner rechten Hand das Lenkrad fest hielt, streckte ich meinen linken Arm aus dem Fenster. Die warme Luft drückte ihn, bei der Geschwindigkeit, angenehm nach hinten. Ich hatte die Musik, die aus einer Box neben mir auf dem Beifahrersitz kam, so laut gemacht, wie es ging. Grade lief „Never Go Back" von Dennis Lloyd, einer meiner Lieblingssongs und somit auch ganz oben auf meiner Playlist.

Ich hasste es Radio zu hören, doch der Wagen, den ich mir für meinen Tripp durch Europa geliehen hatte, war so alt, dass er sich nicht mit meinem Handy verbinden ließ.

Nachdem ich auf einem Rastplatz auf die Toilette gegangen war und etwas gegessen hatte, schrieb ich meiner Mum eine SMS, dass ich ein Hotelzimmer gefunden habe und dass sie sich keine Sorgen machen muss, denn so war meine Mum. Immer hatte sie Angst um andere und um sich selbst. Urlaube buchte sie mindestens ein Jahr vorher und wenn etwas nicht so war, wie sie es erwartet hatte, kriegt sie Kopfschmerzen und schlechte Laune.

Ich war anders. Die Tour durch Europa hatte ich schon lange vor meinem Abschluss mit vier Freundinnen geplant, doch als nach und nach jede von ihnen absprang, entweder wegen Krankheiten oder einem neuen Freund, machte mir das nicht viel aus. Natürlich fand ich es erst nicht toll, aber so ist das Leben nun mal.

Als ich auf einem Flughafen in Deutschland gelandet war, habe ich mir erst Gedanken um eine Fahrmöglichkeit gemacht und auch meine Schlafplätze buchte ich immer erst auf den letzten Drücker. So wie dieses mal.

Ich lehnte mich über die Fahrerkonsole, damit ich an meine Tasche kam, die ich unter den Beifahrersitz gelegt hatte. Als ich sie endlich hatte, legte ich sie neben mich und zog ein Stück Papier heraus, das schon ziemlich zerknittert war. Ich las erst dir Überschrift, dann die Punkte, die ich mit meiner Handschrift darunter gesetzt hatte:

Quinn's Bucket List:
1. Postkarten schreiben
2. Fünf Bücher lesen
3. Zuckerwatte essen
4. Riesenrad fahren
5. Wandern!
6. An einem Strand reiten
7. Eine Sandburg bauen
8. Sommer Playlist zusammenstellen
9. Kein Social Media!
10. Einmal draußen schlafen
11. Lerne etwas auf deiner Gitarre
12. So weit ins Meer rausschwimmen, wie du kannst
13. Filmnacht
14. Ein Date haben
15. Den hübschesten Jungen küssen, den du kriegen kannst ;)

Leider musste ich zugeben, dass ich noch ziemlich wenig abhaken konnte, dafür dass die Bretange mein nächster, aber auch mein letzter Stop war.

Nummer 1 hatte ich in Holland abgehakt und Nummer 2 brauchte nicht mal acht Tage warten, nachdem ich gelandet war, denn ich liebte lesen. Auch Nummer 9 und 11 hatte ich bisher erfüllt, doch das war leider auch schon alles.

Ehrlich gesagt hätte ich mehr schaffen können, doch 1. hatte ich Angst, dass ich schon am Anfang alles abhaken und mir dann langweilig werden würde, 2. bin ich in der Bretagne ganze 3 Wochen, also bleibt viel Zeit und 3. hatte ich mich auf den letzten Stopp am meisten gefreut, da ich seit meinem 12 Lebensjahr in die Bretagne verliebt war.

Ich warf einen letzten Blick auf den Zettel, faltete ihn zwei mal und stopfte ihn dann zurück in meine Tasche. Ich hatte noch 50 Minuten zu fahren.

Für die nächsten drei Wochen hoffte ich auf Riesenräder, Pferde und hübsche Jungs.

the bucket list Where stories live. Discover now