Und dann umgab mich das Wasser komplett. Die kalte Strömung zog an meinen Beinen, liess sie gefrieren und taub werden. Meine Arme krampften sich verzweifelt um den hölzernen Pfosten. Ich versuchte mich näher an ihn heran zu ziehen, aber der Widerstand war zu stark. Immer wieder schlugen mir die Wellen ins Gesicht, bedeckten Nase und Mund, machten das Atmen unmöglich. Verzweifelt schnappte ich nach Luft, verschluckte mich aber sogleich an dem kalten Nass. Ich wollte husten, was aber nur dazu führte, dass ich noch mehr Wasser in meinen Hals bekam. Meine Hände rutschten weiter von dem mit Algen besetzen Stück Holz ab. Irgendwann gab ich den Versuch auf, mich wieder näher heran zu ziehen. Meine Arme brannten vor Kälte und Anstrengung. Hatte ich vorher noch versucht, so viel Luft wie möglich zu bekommen, so hielt ich meinen Kopf nun nur noch Unterwasser, um zu verhindern, noch mehr von der nach Schlamm und Schnee riechenden Flüssigkeit zu schluckte. Und irgendwann ging das brennen im meinem Hals weg. Der Druck auf meinen Lungen, das Verlangen zu atmen, verschwand. Zusammen mit all den anderen Schmerzen. Da war nur noch der stetige Zug des Wassers. „Komm. Komm mit", schien es zu sagen. Meine Gedanken drangen wie durch Watte. Was wäre so schlimm daran? Was wäre so schlimm daran loszulassen? Wieso hatte ich mich überhaupt festhalten wollen? Ich konnte es nicht mehr sagen. Meine Hände rutschten weiter ab. Und anstelle mich festzuhalten, entspannte ich meine Finger. Trotz der Taubheit spürte ich wie der Pfosten sich meinem Griff entzog. Ich liess los, liess gehen. Das Wasser trug mich mit sich. Wiegte mich wie eine Mutter ihr Kind. Ich wusste nicht mehr, ob meine Augen offen oder geschlossen waren, wusste nicht mehr, ob ich das Rauschen in meinem Kopf wirklich hörte, oder mir nur einbildete. Wusste nicht mehr, wo oben und unten war. Aber es war egal. In diesem Moment war alles egal.
