Eiseskälte

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Ich binde mir meinen cremefarben Mantel enger und richte meine Mütze. Die Straßen sind zugefrorenen, jedoch hindert das die Menschen nicht, in ihr Auto zu steigen und in die nächste Großstadt zu fahren, um sich neue Handschuhe für den bevorstehenden Winter zu kaufen. Wir, meine Mutter, ihr Seelenverwandter und ich, wohnen in einem kleinen Dorf im Süden Sibiriens. Hier beginnt der Winter im Oktober und endet erst gegen April, das sind 7 Monate Schnee und Eiseskälte, die alle ertragen. Grundschüler eingepackt in 100 Schichten machen sich morgens, zusammen mit ihren Freunden, auf den Weg zur Schule, wo Disziplin und Leistung von ihnen gefordert wird. Täglich bekommen sie Noten von 5 bis 2, wobei die 5 die Bestleistung wiedergibt.

Ich selbst besuche hier die Schule nicht, da ich bereits meinen Abschluss absolviert und eine Praktikumsstelle bekommen habe. Ich arbeite in der nächsten Großstadt in einer großen Firma als Assistents Managerin. Da ich kein Auto besitze, nehme ich den einzigen Bus der stündlich durch unser Dorf fährt. Meine Highheels befinden sich hierbei immer in meiner Tasche und an meinen Füßen warme Stiefel, die den Weg erleichtern. Gerade laufe ich den Weg von der nähstliegenden Bushaltestelle nach Hause. Mein Atem steigt in Wölkchen in den bereits dunklen Himmel und die dünne Schicht Eis knirscht unter meinen Füßen. Ich will einfach nur in mein warmes kuscheliges Bett, aber leider wurde eine Rudelsitzung einberufen. Unser kleines Rudel hat sich einem größeren unterworfen und nun treten wir ihnen bei. Es ist schon offiziell. Heute kommt der innere Rat um die Abkommen zu unterschreiben und uns, mehr oder weniger kennenzulernen.

Mit zitternden Händen öffne ich die Haustür und begrüße mit offen Armen die Wärme, die mir entgegen kommt. "Aurora, endlich bist du da. Ich habe mir schon Sorgen um dich gemacht. Wieso bist du so spät?", fragt mich meine Mutter und umarmt mich innig. "Es ist alles gut Mama. Der Bus hatte auf Grund der zugefrorenen Straße Verspätung", antworte ich ihr ruhig. "Zieh dich um Aurora. Wir müssen gleich los", herrscht mich Nikolaj, mein Stiefvater, aus dem Wohnzimmer an. Ich verdrehe meine Augen und blicke meine Mutter an. Sie versteht mich direkt und schenkt mir ein aufmunterndes Lächeln. Mein Stiefvater und ich verstehen uns nicht besonders gut. Er ist einfach viel zu überzeugt von sich selbst und seinem Können. Wir beide versuchen miteinander klar zu kommen, was an manchen Tagen besser funktioniert als heute.

Ich laufe stumm in mein Zimmer und ziehe die Gardinen zu. Nachdem ich mich meiner Arbeitskleidung entledigt habe, ziehe ich mir eine dicke Thermoleggins, ein Thermoshirt und einen flauschigen Pullover an. Meine braunen Wellen binde ich zu einem hohen Zopf zusammen. Mit meinem Mantel in der Hand ziehe ich mir noch meine braunen Stiefel an. "Wie war die Arbeit heute mein Schatz?", fragt mich meine Mutter liebevoll. "So wie immer eigentlich, also gut. Und wie war es heute in der Bäckerei?", frage ich sie zurück. "Sehr gut. Die Kunden waren heute freundlicher als sonst und den Gerüchten zu Folge sollen die Männer im inneren Rat ziemlich gut aussehen", antwortet sie mir, während wir ins Auto steigen. Sie lächelt mich provozierend durch den Rückspiegel an und ich erwiedere es. Als die Fahrertür geöffnet wird, wende ich meinen Blick zum Fenster. Es ist schon dunkel. Nur die Straẞenbeläuchtung erhellt die Straßen, die durch das Eis wunderschön im Licht glitzern. Manchmal erscheint es mir hier wie in einem Traum zu sein, manchmal wie in einem Alptraum. Der Gehweg glitzert, jedoch dringt die Kälte, wenn du deine Handschuhe vergessen hast, durch alle Hautschichten deiner Hände und sie beginnen schrecklich zu schmerzen, wenn du sie bewegst. Es scheint so, als würde dein Blut langsam gefeieren.

Das Auto hält vor dem Rathaus und ich binde meinen Mantel enger bevor ich mich nach draußen begebe.

Hello MateWhere stories live. Discover now