• Episode 1 •

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Bevor man auch nur mit der Wimper zucken kann, vergeht die Zeit und man merkt es nicht Mal. Man lebt und denkt, es wert ewig.
Die Hausaufgaben verschiebt man auf ›später‹, genauso wie das lernen auf ›morgen‹. Oder sitzt gerade gestresst im Bus und plötzlich ist man mit in einem Unfall verwickelt, obwohl man sich noch im selben Moment über seine Arbeit Gedanken gemacht hatte, weil man zu spät kommen und vom Chef ausgeschimpft werden würde. Dabei aber nicht drüber bedacht gewesen ist, ob man vielleicht im nächsten Moment sterben könnte.
Das alles nur, weil man denkt »Mir wird schon nichts passieren, ich habe noch Zeit.«
Doch so ist dem nicht.

Sollte man sich nicht lieber fragen, was Zeit überhaupt ist? Eine unsichtbare Uhr? Ein gemeiner Gott, der einem das Leben schwer machen will? Oder eine tickende Bombe, die jeden Moment explodieren könnte? Nein. Ich würde es eher als eine kostbare Chance auf einzigartige und lebens werte Erlebnisse, bezeichnen. Bis zu einem gewissen Wende Punkt, an dem man am liebsten jeden und alles verfluchen will, obwohl man genau weiß, niemand ist dran Schuld. Nicht ein Mal Gott.
Doch, wenn einem in den schönsten, letzten Tagen mit den Menschen die man liebt alles genommen wird, ist das schon ziemlich schmerzhaft. Ich habe mir nie wirklich Gedanken darüber gemacht, was es heißt, zu leben oder die Zeit Wert zu schätzen die einem noch bleibt. Ich habe es immer als selbstverständlich angenommen, bis zu dem Zeitpunkt, an dem mir der Arzt sagte, ich hätte einen bösartigen Tumor im Kopf. Dieser mir aber noch ungefähr zwei Jahre Zeit zu leben geben würde, ich aber keine Hoffnung auf Heilung erwarten solle, weil es für eine Anschlagende Behandlung schon zu spät sei, da der Tumor schon zu ausgeprägt war.
Laut Ärzten hatte ich den Tumor schon seit ein paar Jahren. Hätte aber nichts gemerkt, da er so tief im Hirn saß, dass er nichts auffällig zerstört hatte, sodass ich sofort ins Krankenhaus müsse. Doch jetzt wo er sich ausgebreitet hatte, konnte ich nur darauf warten bis er letztendlich alles zerstörte. Einfach alles.

Es roch nach Gras. Der Duft von Blüten, Bäumen und Sträuchern lag in der Luft, während eine kalte Briese am Fenster vorbei rauschte.
»Sei so gut und schließ das Fenster, Larah. Du erkältest dich noch und wir uns gleich mit«, wie's mich meine Mom hin. Genervt verollte ich die Augen, schloss das Fenster und starrte in den Himmel, an den Feldern vorbei.
Als wir aus dem Auto stiegen, um die Koffer aus dem Kofferraum zu holen, stieß mich mein kleiner Bruder an.
»Larah, sieh mal! Da unten ist ein Fluss. Ob da Fische drin sind?«
»Nein, weißt du. Da sind riesige Meeres Ungeheuer, die kleine Jungs zum Mittagessen verputzen«, neckte ich Ramon spielerisch.
»Ha-ha. Ich bin schon viel zu groß. Die würden Angst kriegen und vor mir abhauen. Bin ja schließlich von vier!«
Ramon hob stolz vier Finger in die Höhe und grinste mich breit an. Er war einfach zu süß. Selbst der schlecht gelaunteste Miesepäter könnte diesem liebevollen Lächeln nicht wiederstehen. Vor allem wegen seiner niedlichen Zahnlücke zwischen seinen vorder Zähnen. Ich wuschelte ihm durch sein Blondes Haar und lächelte ihn zurück. »Dummkopf.«

Meine Eltern waren schon fleißig am ausräumen von Koffern.
»Schatz, hälst du Mal bitte kurz den Karton?« Bat mich meine Mom.
»Ja, klar.« Sie reichte mir den Karton auf dem fett ›Küche‹ stand und sagte: »Ach, bring den doch schonmal in die Küche und räum ein.«
Ich nickte ihr zu und schlurfte suchend durch das neue Haus. Es war riesig und man konnte sich leicht verlaufen. Zuerst landete ich im Gästebad und danach im Wohnzimmer. Von der Terrasse aus konnte man schon den großen Garten sehen, der aber noch so aussah, als wurde dort ein Krieg verloren. Die Küche war direkt mit dem Wohnzimmer verbunden und ich stellte den Karton zuerst Mal auf die Schneid-Ablage ab. Nachdem ich alles eingeräumt hatte, suchte ich die Kartons für mein Zimmer. Ich hörte wie Ramon immer wieder durch's ganze Haus rief, ›wie cool‹ es hier sei. Im dritten Stock des Hauses, gab es ein schön beleuchtetes Zimmer mit Balkon. Die Aussicht war wunderschön. Die Sonne ging bereits unter und schien durch's Fenster. In der Ferne sah ich eine Art Tempel oder Schrein, aber genau erkennen konnte ich es nicht. Es führte ein üppiger Wald bis dorthin vorbei. Bevor auch nur jemand etwas sagen konnte, beanspruchte ich diesen Raum als mein Zimmer und es sagte auch keiner was dagegen. Das war also mein neues Zimmer. Mein neues Zuhause.

Ein anstrengender Tag ging vorüber und ich legte mich eng gekuschelt mit Ramon auf die Luftmatratze, die wir im Wohnzimmer aufgeblasen hatten, da war vergaßen, eine Pumpe zu kaufen. Aber davon Mal abgesehen, hatte es großen Spaß gemacht, Dad dabei zuzusehen wie rot er im Gesicht wurde, vor lachen kaum atmen und gleichzeitig auch noch pusten konnte. Wir lachten alle mit ihm. Wünschten uns eine ›Gute Nacht‹ und schliefen auch schon ein.

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⏰ Last updated: Jun 27, 2019 ⏰

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