Vor zwei Wochen bin ich von meinen Adoptiveltern weggelaufen. Sie hatten mich immer gezwungen zu machen was sie sagten. Am schlimmsten war es, wenn ich mit ihnen in die Kirche gehen musste. Als ich vor zwei Wochen weggelaufen bin, hatte ich noch behauptet es wäre einfacher alleine… Ich hatte damit gerechnet, dass ich schon irgendwie Geld
bekommen könnte, vielleicht stehlen? Aber Geld habe ich keines mehr. Ich hatte mein ganzes Geld mitgenommen, als ich weggelaufen bin. Das waren so ungefähr 400 Euro. Man könnte meinen es reicht für mindestens ein Monat. Zumindest dachte ich das.
Gut gemacht Tommy, du hast nach zwei Wochen schon dein ganzes Geld verplempert.
Zu meiner Verteidigung ist zusagen, dass ich auch Tim, meinen neuen Freund, damit versorgt.
Tim habe ich drei Tage nachdem ich weggelaufen bin kennengelernt. Er ist wie ich 16 Jahre alt. Er ist eine Woche vor mir aus dem Waisenhaus weggelaufen.
Die letzen Tage haben wir versucht, den großen bestehenden Gruppen aus dem Weg zu gehen und Geld aufzutreiben. Tim ist ein Profi was Leute bestehlen angeht. Er hat alleine gestern zwei Brieftaschen gestohlen. Leider kann er Geld genauso gut stehlen auch wieder ausgeben. Wer kann denn schon 17 Nussriegel in fünf Minuten essen? Naja, Tim kann es.
„Wir müssen langsam mal überlegen wo wir schlafen.“, meint Tim, der sich wieder einen Nussriegel in den Mund stopft. So viele Nussriegel haben wir doch gar nicht gekauft…
Gestern haben wir in einem Bus die Nacht verbracht, aber jetzt haben wir nicht mehr genug Geld für Tickets. „Es ist erst Mittag, wir haben noch Zeit.“, sage ich. Vielleicht schafft Tim es
heute ein bisschen mehr Geld zusammen zu bekommen. Dann hätten wir genug für zwei
Bustickets.
Wir sitzen an einer Treppe und Tim klopft mir die ganze Zeit auf die Schulter, aber das macht er oft aus Spaß. Dann schlägt er richtig zu. Er zeigt auf einen alten Mann. Seine Jackentasche hängt herunter, also muss er eine Menge Geld haben. Jetzt geht’s los!
Wir mischen uns unauffällig unter die Menge. Tim geht jetzt langsam hinter dem Mann her und ich komme ihm entgegen. Er rempelt den Mann an und zieht ihm dabei möglichst
unauffällig die Brieftasche aus der Jacke. Er gibt sie mir weiter und ich laufe los. Diese Taktik haben wir in den letzten Tagen entwickelt und geübt. Ich laufe zurück zur Treppe und warte auf Tim. Während ich warte, schaue ich wie viel Geld der Alte dabei hatte.
Die Brieftasche platzt fast vor lauter Scheinen. Ich zähle sie. 50, 100, 300, 320! 320 Euro!
„Rate mal wie viel wir bekommen haben!“, sage ich fröhlich als sich Tim neben mich setzt.
„Sag einfach!“, meint er.
„Komm schon, rate!“
„Sag doch“
„320 Euro! Aber die werden nicht in Nussriegel investiert!“
Jetzt beginnt er zu lachen und plötzlich muss ich auch lachen. Das war gar nicht als Witz gemeint. Wenn ich Tim das Geld überlassen würde, stünde er morgen mit 160 Nussriegel vor mir! Obwohl, nein mit zwei! Die anderen hatte er schon aufgegessen.
Während wir lachen, kommt ein Junge. Er ist ungefähr in meinem Alter, etwas älter vielleicht. Eine schwarze Kappe verdeckt sein Gesicht. Doch man muss sein Gesicht nicht sehen, um zu wissen wer er ist. Schon alleine an seinem weißem T-Shirt mit Kapuze kann man ihn erkennen. Alex.
DU LIEST GERADE
MASTER THIEF
Short Story[Nur Kurze Geschichte] [Immer nur 3 Teile] Ein jugendlicher Junge mit dem Namen Tommy und sein Freund Tim leben auf der Straße. Doch dann treffen sie eine der Gruppen...
