Ich stehe auf, sehe auf das Bett hinunter und halte die Luft an, weil ich Angst vor den Lauten habe, die aus meiner Kehle hinausdrängen.
Ich werde nicht weinen
Ich werde nicht weinen
Langsam sink ich auf die Knie und streiche über die pastellgraue Bettdecke, immer und immer wieder, bis ihre Konturen hinter einem Tränenschleier verschwimmen. Ich kneife die Augen zu, vergrabe mein Gesicht im Stoff der Bettdecke und verkralle die Finger darin. Meine Schultern zucken, als jedoch ein Schluchzen mit aller Gewalt aus mir hervorbricht. Ich springe auf , stoße einen gellenden Schrei aus, reiße die Decke vom Bett und werfe sie auf den Boden. Ich sehe mich im Zimmer um, bis mein Blick auf das Mädchen im Spiegel fällt, das ich nicht mehr kenne. Wutentbrannt greife ich mir ein Kissen vom Bett und schleudere es gegen den Spiegel. Sie sieht mich an und schluchzt. Ihre Schwäche und Tränen machen mich nur noch wütender. Ich stürme auf sie zu und schlage mit Fäusten auf sie ein, bis das Glas klirrend bricht und ich zu sehe, wie sie auf dem Teppich in eine Million funkelnder Scherben zersplittert.
Als ich die Kommode packe und mit einem Ruck herumreiße, löst sich aus meiner Kehle ein weiterer Schrei, der sich viel zu lange in mir aufgehalten hat. Ich schmeiße die Kleidung aus den Schubladen, wirble herum und kicke wahllos alles was am Boden liegt aus dem Weg.
Ich gehe zur Wand und schlage auf sie ein.
„Ich hasse dich!" brülle ich. „Ich hasse dich! Ich hasse dich! Ich hasse dich!"
Blindlings greife ich nach allem , was ich zu fassen bekomme, und werfe es durchs Zimmer.
Jedes Mal, wenn ich denn Mund zum Schreien öffne, schmecke ich das Salz der Tränen, die mir über die Wangen laufen.
„Hey" Er packt mich unversehens von hinten und hält mich fest, dass ich mich nicht mehr rühren kann.
Mich windend versuche ich mich zu befreien und steige mich in einen solchen Schreikrampf hinein, dass ich irgendwann nur noch besinnungslos reagiere.
„Beruhige dich bitte" sagt er in mein Ohr, ohne mich loszulassen. Ich höre ihn, jedoch ignoriere ich es, es ist mir egal, was er sagt.
Je mehr ich mich wehre und loszureißen versuche, desto fester packt er zu.
„Fass mich nicht an!" schreie ich so laut ich kann, und zerkratze ihm die Arme. Er hält mich unbeirrt fest.
Fass mich nicht an, bitte lass es !
Im Geist höre ich das Echo der hellen Stimme und erschlaffe mit einem Mal in seine Armen. Mit den Tränen scheint alle Kraft aus mir herauszufließen und mich vollkommen hilflos zu machen. Ich fühle mich, so leer, alleine, verarscht.
Wie so ein Behälter der voll mit Tränen ist, der gleich platzen könnte.
Ich bin nicht stark genug , ich komme nicht gegen ihn an und gebe auf.
Nach einer Weile lockert er seinen Griff und dreht mich zu sich. Ich bringe es nicht über mich, ihn anzusehen. Ich sinke an seine Brust, klammere mich an sein Shirt fest und fange an zu weinen. Er drückt mich fester an sich.
„Nika" sagt er zu mir, seine Stimme klingt ganz ruhig „Lass gehen, lass bitte erstmal raus gehen. Sofort"
KAMU SEDANG MEMBACA
Complicated Love
RomansaNika ist aus ihrer Vergangenheit geflohen von der Kleinstadt nach Berlin, umgeben von Drogen und Kriminalität. Durch ihre beste Freundin bei der sie seit kurzem wohnt, erlebt sie viel Neues was sie bis dahin nicht kannte und lernte dabei neue Leute...
