Eagle over

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Verschanzt in einer Festung aus Schweigen, gerüstet mit starrer Miene, der Junge im Zug.

Keiner tröstet ihn, das wäre unhöflich. Er muss jetzt allein sein, die Welt ausblenden.

Kreisend im Kopf, ein Gedankentheater, eine einzige Szene unendlich wiederholt.

Die Stimmen spalten seine Brust, dringen hinein, hallen nach, umfangen seine Seele.

Eagle over."

Schlussworte einer bitteren Tragödie.

Still schreitend, gehüllt in düstere Zeiten, nun im Strom der Stadt. Fremde Töne im Ohr singen Ablenkung und stopfen die Kanäle zur Gegenwart.

Voll Traurigkeit ist sein müder Blick, doch er kann nicht schlafen.

Schmerzende Erinnerungen schreien nach ihm, sobald er die Augen schließt.

Überall sieht er das Gesicht, ihr Gesicht. Dann schreckt er auf, muss sich schütteln, schließlich fliehen.

Entkommen jedoch ist unmöglich, doch Flucht hält temporär Gedanken fern.

Sowie er innehält zum Luftholen, sind sie wieder da und plagen ihn.

Wenn die Menschen wegschauen muss er plötzlich blinzeln. Und warme Verzweiflung tropft heimlich auf das Pflaster.

Am liebsten wäre er allein auf der Erde, dann könnte er schreien und toben und tot umfallen.

Er merkt gar nicht, wohin ihn seine Beine tragen.

Erster Schritt ist schwer, danach zieht es ihn voran.

Langsam umfängt schwappende Finsternis seine Stiefel.

Aufgeschnappte Wortfetzen. „Er? Du machst Witze?"

Niemand lacht, es war nie witzig. Heute Abend erst recht nicht.

Schwarze Masse kriecht an ihn ran. Mit ihr kommt die Verzweiflung.

In seinen rauschenden Ohren, stoßweises Keuchen. Von wem weiß er nicht mehr.

Kälte dringt in sein Innerstes wie eine eisige Kralle, packt sein Herz bis kein Tropfen Leben übrig scheint.

Unsichtbare Dolche im Leib bei jedem Lächeln, denn er weiß, es gilt nicht ihm. Dahingespülte Hoffnung ausgebreitet um ihn herum.

Und alles kommt hoch. Wie die Welt perfekt schien in ihrer Anwesenheit, süchtig nach jedem Wort aus ihrem Mund. Nächtliches Schmachten, üben vor dem Spiegel, aus dem ihm ein Feigling entgegenblickt, all diese Zeit lang.

Erbärmliche Träume zerplatzen an der harten Wand der Realität.

Endlich schreit der Junge, doch keiner hört. Er schreit, wütend auf sich selbst, bis seine Kehle brennt. Dann betäubt die Kälte seinen Körper und es ist gut so. Dunkles Wasser bis zum Hals.

Fast möchte er zurück, noch einmal mit ihr Reden, ihre Stimme hören, doch ihr Schweigen würde er nicht ertragen.

Letzter Schritt bringt Endgültigkeit.

Die Luft bleibt weg. „Ist das das Ende?"

Wie aus einem bösen Traum erwacht, durchnässt und zitternd, der Junge im Zug.  

Eagle overWhere stories live. Discover now