Sieben Monate mit Julian

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Es ist einer dieser schönen Septembertage, die ich so sehr mag. Die Sonne strahlt noch eine angenehme Wärme aus, auch wenn sie sich schon langsam auf den Weg in den Herbst zu machen scheint. Der Wind ist immer noch mild und inmitten des Grüns kann man den Duft des Kornfeldes wahrnehmen. „Ein traumhafter Tag", denke ich – oder ist es vielleicht wirklich nur ein Traum?

Dann blicke ich sanft auf sein Gesicht und als ich daraufhin ein warmes Gefühl in meinem Herzen spüre, weiß ich dieser Spätsommertag ist real und gehört nur uns beiden. Ich halte ihn nun schon seit Stunden in meinem Arm und doch scheint die Zeit stehen zu bleiben. Die letzten Sonnenstrahlen vorm Abendrot brechen sich in seinen Haaren. Der Wind streicht behutsam über sein schönes Gesicht, als wolle er keine Spuren hinterlassen. Oh ja – er spürt die leichte Brise und auch meine Umarmung – das verrät mir sein Lächeln, auch wenn seine Augen geschlossen sind. Wohin er wohl im Traum geht, frage ich mich – vielleicht zurück an den Tag, wo alles begann?

Dann würde auch er – wie ich so oft – zurückgehen zu jenem regnerischen Tag im Februar, als ich ihn zum ersten Mal sah. Na ja, eigentlich hatte ich ihn schon öfter gesehen, aber ich bekam nie die Gelegenheit, mit ihm zu sprechen. Bis zu jenem Abend, an dem mein hilfloses Herz einfach nicht wiederstehen konnte.

Auch damals lag ich träumend auf der Couch, als das Telefon schellte. „Ich bin es, Doro", riss mich die fröhliche Frauenstimme aus dem Schlaf. Ach meine Doro. Sie ist ein echter Sonnenschein und ich habe sie so gern. Und trotz kleinerer Schwierigkeiten mit ihrer Freundin Sabine machte mir ihr Lachen am Telefon wie immer gute Laune. „Sarah und Julian haben uns zum Caipirinha-Trinken eingeladen", sprudelte sie los. Ich hatte versucht, mir nichts anmerken zu lassen, aber natürlich erkannte sie sofort meine Aufregung – ja, Stiere unter sich halt.

Hatte sie es gewusst? Hatte sie gewusst, dass ich so für Julian schwärmte und nun unverhofft die Gelegenheit bekam, ihn ein wenig besser kennenzulernen? Seit dem Tag, als ich ihn zum ersten Mal auf einem Foto sah, übte er eine Faszination auf mich aus. Julian war ein sehr guter Freund von Sarah und Sarah eine Bekannte von Doro – hört sich kompliziert an, ist es aber eigentlich gar nicht. Ich hatte Sarah und Julian ab und zu mal beim Tanzen gesehen und ich hatte sogar mit Sarah ein paar Worte gewechselt, da ich ja wusste, dass sie Doro kennt. Aber heute – heute würde ich vielleicht viel mehr über die beiden erfahren.

Panik stieg in mir hoch. Was soll ich bloß anziehen? Liegen die Haare gut? Bringe ich den beiden eine Flasche Rot- oder Weißwein mit? Sind die Schuhe geputzt? Ja, die ganzen Banalitäten waren auf einmal geballt da. Was hatte Julian bloß, dass er mich so aufwühlen konnte? Als ich etliche Zeit später mein Werk im Spiegel betrachtete, war ich zufrieden – jawoll, so konnte ich mich sehen lassen.

Flugs den Mantel genommen und schnell zu Doro. Süß sah sie aus mit ihren zerstrubbelten Haaren, als sie die Tür öffnete. Wir machten Scherze, wir lachten – ja wir alberten wie die Kinder in Vorfreude auf diesen Abend, bis dann der Schock kam. „Ach der Christoph kommt übrigens heute auch – das ist der Freund von Julian", erwähnte Doro beiläufig. Ich machte gute Miene zum bösen Spiel, doch ich merkte, dass sich in meinen Augen Tränen bildeten – und das nicht vor Freude.

Wie konnte ich auch nur so naiv sein und glauben, dass Julian Solo wäre – ein Mann mit solch einer Ausstrahlung musste einfach einen Freund haben. Damit tröstete ich mich. Und die Ausstrahlung überwältige mich wirklich, als er mich mit einem jungenhaften Lächeln begrüßte. Jetzt brauchte ich mehr als nur einen Caipirinha.

Der Abend wurde wirklich sehr schön. Wir waren so ausgelassen, fröhlich und sorgenfrei – und das mitten im tiefsten Winter. Okay, Ich gebe zu, es stach mich ins Herz, als ich sah wie sich Julian und Christoph zärtlich küssten – Schicksal halt. Eine Träumerei bleibt halt eine Träumerei.

Sieben Monate mit JulianWhere stories live. Discover now