Akt 1: Gefangen unter der Erde

20 1 0
                                        

Verdammt, mein Schädel brummt. Gestern habe ich doch gar nicht so viel getrunken. Warum liege ich nicht auf meiner Matratze? Ich bin mir sicher, dass ich nicht wieder vor dem Bahnhof eingepennt bin. Ich habe mir doch geschworen, dass ich nicht mehr auf der Straße übernachte. Viel zu gefährlich. Da lungern die ganzen Möchtegern-Ganoven rum, die mir mein letztes Hemd klauen wollen. Diese Jugendlichen, die meinen Freund fast ins Koma geprügelt hatten, weil sie meinten, wir seien nur Abschaum der Gesellschaft.

Soll ich die Augen aufmachen? Wo bin ich nur? Es ist so dunkel und kalt hier. Wo ist meine zerfledderte Decke, die ich gestern dabei hatte? Ich kann kaum etwas erkennen. Dieses Licht an der Decke. Es erhellt den Raum kaum. Ich muss in einer Art Lagerhalle sein. Ich sehe nur einen großen, leeren Raum. Keine Möbel, kein Inventar. Nur die große, weite Leere.

Ich sollte versuchen aufzustehen. Vielleicht kann ich mir dann ein Bild über die Lage machen. Wurde ich entführt? Ach Quatsch. Wer sollte jemanden, wie mich, entführen. Bei mir ist doch nichts zu holen.

„Auch aufgewacht, Penner?"

Wer spricht mich denn da von der Seite an? Bin ich doch nicht alleine in diesem Raum? Wäre es doch nur ein bisschen heller. Mir ist schwindelig und mein Magen grummelt. Wer will es ihm verdenken. Ich habe bestimmt seit zwei Tagen nichts mehr gegessen. Von Bier und Wein wird man halt nicht satt.

Dieser Typ. Er schaut mich so verachtend an. Wie er schon gekleidet ist. Weißes Hemd, graue Hose und Krawatte. Diese schicke Uhr ist bestimmt mehr Wert, als ich im Jahr zur Verfügung habe. Bestimmt so ein Geschäftsmann, der in seinem Geld schwimmen kann. Wie ich das hasse.

Da ist noch ein Typ. Schaut die ganze Zeit auf den Boden. Würdigt mich keines Blickes. Sein schlichtes, graues T-Shirt ist hier im Dunkeln kaum zu erkennen. Verdammt – was soll die Scheiße?

„Hey Opa, steh auf. Erzähl, was du weißt"

Eine junge Stimme. Oh nein, nicht so ein aggressiver Jugendlicher. Wenn ich den schon sehe, würde ich am liebsten das Weite suchen. Ich sollte besser tun, was er sagt. Ich will ja keinen Ärger bekommen.

„Was soll ich wissen? Ich habe keine Ahnung".

Hoffentlich gibt er sich damit zufrieden und beruhigt sich.Vielleicht sollte ich eine Frage stellen?

„Wo sind wir?"

Vielleicht weiß eine der Gestalten mehr als ich. Ich sehe keine Tür, kein Fenster. Als wäre dieser Raum schalldicht abgeriegelt worden. Die Wände sind aus Glas. Und dahinter? Keine Ahnung. Nur das schwarze Nichts.

„Schau genau hin, Alter. Überall sind Kameras. Wir sind hier gefangen".

Gefangen? Also ist es doch eine Entführung? Wer sollte mich den entführen wollen? Ich habe doch keinem etwas getan. Hier, der reiche Schnösel. Für den könnte man bestimmt ein hohes Lösegeld bekommen. Aber von mir? Warum sind wir vier hier gefangen? Wer hat uns entführt und beobachtet uns jetzt, wie eine Horde Erdmännchen im Zoo?

Im Herzen sind wir alle gleich!Histórias para pegar e não largar. Descubra agora