Das Leben geht weiter

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Es ist ein kalter, aber trockener Morgen auf Neu-Berg.
Der Nebel liegt noch schwer in den Bäumen, als Hicks Haddock III., Oberhaupt von Berk, zu seinem morgendlichen Spaziergang durch das Dorf aufbricht. Er gibt sich Mühe keinen Lärm zu verursachen, um Astrid, seine geliebte Frau, und die Kinder nicht Ausversehen zu wecken.
Er läuft zum Dorfplatz und hält bei der Statue seines Vaters und fragt sich, ob Haudrauf mit seinen bisherigen Entscheidungen als Anführer zufrieden gewesen wäre.
Er dachte an Ohnezahn, daran was sie alles zusammen erlebt haben, wie sie gemeinsam durch dick und dünn gegangen sind...

Er war sein erster bester Freund gewesen, er hatte ihn so akzeptiert so wie er nunmal war.
Sie haben sich, trotzdessen dass Hicks Ohnezahn vom Himmel geschossen hat, damals vor all den Jahren im Talkessel auf Berk angefreundet.
Sie waren wie ein Herz und eine Seele...
Sie haben gemeinsam den roten Tod besiegt, auch wenn dies einen Tribut in Form von Hicks' linken Bein unterhalb des Knies forderte.
Sie haben den Frieden zwischen Wikingern und Drachen hergestellt, sie haben diesem sinnlosen, jahrhundertelangen Gemetzel ein Ende bereitet.
Sie haben die Grimborn-Brüder, Krogan und den hinterlistigen Händler Johann besiegt.
Haben den größten Tyrannen den das Inselreich je gesehen hat, Drago Blutfaust, gemeinsam mit seinem Alpha, einem großen Überwilden, besiegt und Ohnezahn wurde zum neuen Alpha-Drachen, dem König aller Drachen.
Und sie haben den gefürchtetesten Drachenjäger der Geschichte besiegt, Grimmel. Er war es, welcher sämtliche Nachtschatten ausrottete.
Bis auf zwei Ausnahmen. Ohnezahn und seine Freundin, der Tagschatten.

Eine Träne lief ihm über die Wange, als er an all die schönen Momente ihrer gemeinsamen Zeit zurückdachte...
Die ersten Flüge über Berk, das stundenlange rumliegen im Gras, der romantische Nachtflug zusammen mit Astrid, das Erkunden fremder Orte und Drachen, die Drachenrennen, das Wiedersehen mit seiner Mutter...
Immer mehr Tränen liefen ihm über die Wangen, es machte ihn von innen heraus kaputt dass er nicht mehr bei ihm war.

Auf einmal, als hätte sie es gespürt, stand Astrid, seine geliebte Frau und Mutter seiner zwei Kinder, hinter ihm.
Sie wusste was er durchmachte seitdem sie mit den Kindern  Ohnezahn besucht hatten, er zerbrach daran...
Sie nahm ihn in den Arm und flüsterte: "Dein Vater wäre stolz auf dich, ich bin stolz auf dich."
Hicks sah sie an und flüsterte ihr ins Ohr: "Ich liebe dich Astrid, ich weiß nicht was ich ohne dich machen soll..."
Langsam lichtete sich der Nebel, sodass man den wunderschönen Sonnenaufgang über dem weiten Ozean sehen konnte.
"Ich halte das nicht aus Astrid, er war mein bester Freund, und jetzt ist er weg..."
Astrid sah ihn liebevoll an und versuchte ihn aufzumuntern: "Er ist da wo er hingehört, er ist bei seiner Familie. Es war die richtige Entscheidung die du damals getroffen hast. Na komm, lass und nach Hause gehen, die Kinder sind bestimmt schon wach."

Ihm entwich ein leises Schluchzen, welches in einem kleinen Lächeln in seinen Mundwinkeln endete.
Womit habe ich so eine Frau nur verdient...
Er senkte sein Haupt, sodass er nun auf den Boden blickte. Er versuchte Astrid's besorgten Blicken auszuweichen, aber es gelang ihm nicht, es gelang ihm nie.
Sie nahm ihn bei der Hand und streichelte sanft mit ihrem Daumen über seinen Handrücken.
Astrid seufzte leicht verzweifelt, sie wusste langsam nicht mehr weiter.
Sie kannte ihn schon ihr ganzes Leben, und noch nie hatte sie ihn so am Boden gesehen.
Sie kannte Hicks immer als den fröhlichen, aufmerksamen und erfinderischen Wikinger der immer eine Lösung für jedes Problem hatte. Das war der Wikinger, in den sie sich damals so Hals über Kopf verliebt hatte. Die beiden haben sich geschworen, egal wer oder was auch kommen möge, der eine für den anderen da sei und sich einander beschützen würden. Sie haben geheiratet und haben zwei gemeinsame Kinder.
Sie liebt ihn wie am ersten Tag, nichts und niemand  kann daran etwas ändern.
Noch nie in ihrem Leben hatte sich die starke Astrid Hofferson so hilflos gefühlt.
Sie wollte, nein sie will ihrem Mann helfen, aber wusste einfach nicht wie sie das anstellen sollte.
Niemand wusste das...
Schließlich schmiegte sie sich an seine Brust.
Sie spürte seinen hohen Herzschlag, seine tiefen Atemzüge, die angespannten Muskeln, sie spürte, wie sehr er auch innerlich damit zu kämpfen hatte...
Sie sah auf, und blickte in dieses faszinierende, tiefgrüne Augenpaar.
Wie sie es liebte ihm einfach nur in die Augen zu schauen.
Die junge Frau legte ihre Arme um den Hals ihres Gegenübers und zog ihn etwas zu sich herunter, um ihm einen Kuss zu geben.
Dieser Kuss sagte mehr als tausend Worte.
Ich bin immer für dich da, und das weißt du! Ich liebe dich!
Sie blieben für einige Zeit in dieser Haltung stehen, mussten sich aber doch aufgrund von Luftmangel voneinander lösen.

Hicks wusste natürlich, wie sehr Astrid sich um ihn sorgte, aber wie sollte sie ihm helfen?
Konnte ihm überhaupt jemand helfen?
Nein.
Er musste selber eine Lösung finden, selber damit klarkommen, ohne Hilfe anderer.
Er legte seinen Arm um Astrid und versuchte, alle Sorgen zur Seite zu schieben.
Es gelang ihm nicht...

Schließlich machten die beiden sich auf den Weg zu ihrer Hütte.
Astrid redete mit Hicks darüber, was die beiden heute mit den Kindern machen könnten, da Hicks heute einen seiner seltenen Tage hatte.
Doch dieser hörte ihr nicht mehr zu.

Er war tief in Gedanken versunken, als er einen Entschluss fasste.
Ich hole dich wieder nach Hause mein Freund!

Astrid merkte, wie aufmerksam ihr zugehört wurde.
Doch sie war ihm nicht böse, so war er nunmal.
Stattdessen schmiegte sich noch enger an Hicks heran und schon bald kamen sie an ihrem Heim an.
Von drinnen hörte man bereits das Gelächter und Gekreische von zwei kleinen Quälgeistern.
Die beiden Eltern sahen sich nur gegenseitig an und mussten anfangen zu lachen, dann gingen sie Arm in Arm hinein...

Drachenzähmen leicht gemacht 4Opowiadania do pokochania. Odkryj je teraz