Sie nahm meine Hand und lächelte. „Hab keine Angst.” Sie sah mich durch ihre große grauen Augen an. Eine Wärme stieg in mir auf. „OK”
Und dann sprangen wir. Wir sprangen in die Dunkelheit.
Wir kamen auf dem harten Boden auf. Mein Bein durchzog ein starker Schmerz und ich presste meine Lippen auf einander um nicht zu schreien. Vielleicht war es doch keine gute Idee aus einem Fenster zu springen.
„Alles gut?” flüsterte sie. Ich konnte ihr Gesicht nicht sehen, doch sie hörte sich besorgt an. „Mein Bein.” flüsterte ich zurück. „Ich bin umgeknickt.”
„Mist! Aber wir müssen weiter sonst bekommen sie uns.” Ich konnte die Angst in ihrer Stimme hören und ich verstand sie nur zu gut. Wenn die Wachen uns bekommen würden, wäre alles aus. „Ich schaffe das schon. Los komm, da drüben sind die Ställe.” Wir gingen los und ich ignorierte den Schmerz in meinem Bein, welcher immer stärker würde.
Ein kleines Licht schien von den Mauern auf den Hof vor uns. Eine Lampe, die eine der Wachen angezündet hatte.
Ich konnte noch immer nicht glauben, dass wir das gerade wirklich taten. Wir hatten es schon lange geplant, doch eigentlich war es ein komplett bescheuerter Plan. Ein Plan der bestimmt nicht funktionieren würde, doch wir mussten es versuchen. Ich würde alles tun um dieser grauenvollen Hochzeit zu entgehen. Egal ob ich riskierte dafür Ärger zu bekommen.
Wir gingen hinter einem Wagen in Deckung. Auf den beiden großen Türmen standen Wachen und auf der Mauer zwei weitere. Jetzt bekam ich doch große Zweifel an unserem Plan. Wie sollten wir an denen vorbei kommen. Ich drehte mich zu Luisa. "Und jetzt?" flüsterte ich so leise wie möglich. Sie deutete auf die Mauer. Ein kleiner Gang führte an der Mauer entlang zum Schloss Tor. Allerdings würde das nicht reichen. Wir mussten die Wachen irgendwie ablenken. Ich hatte eine Idee.
So leise wie ich konnte, schlich ich hinter dem Wagen hervor, lief über den Hof und ging am Stall wieder in Deckung. Dann endriegelte ich die Tür und sah hinein. Ein großes Schwein lag in der Ecke, ein paar andere Schafe und Ziegen daneben und unter der Futter Krippe lag ein kleines Zieglein. Ich schob mich durch die Tür und ging zur Futter Krippe hinüber. Vorsichtig nahm ich so viel Heu wie möglich in den Arm. Ich schlich wieder heraus und ging hinter dem Wagen in Deckung. "Was soll das denn?" Luisa sah mich entgeistert an. "Keine Angst. Vertrau mir. Das ist unsere Ablenkung." Ich grinste und Luisa musste lächeln. "Du bist echt verrückt." "Ja ich weiß. Geh du schon mal zum Gang. Ich komme nach."
Luisa schlich los und verschwand in der Dunkelheit des Ganges.
Ich atmete noch einmal tief durch und warf das Heu auf den Boden. Dann ging ich zu einer Fackel hinüber, die an der Wand hing, und Zündete einen kleinen Holzstab an. Schließlich warf ich den Holzstab in das Heu, welches sofort anfing zu brennen.
Ich drehte mich um und sprintete los. Ich rannte durch den Gang auf die Tür zu. Luisa stand davor und wartete auf mich. "Los komm!" Sie sah mich an. "Wir müssen jetzt so schnell rennen wie wir können! Sonst holen sie uns ein." Ich nickte und öffnete die Tür. Ich wollte los laufen, doch dann sah ich die eiserne Rüstung vor mir. "Wo wollt ihr denn hin?" die Wache sah uns grimmig an. Er hatte das Visier hochgeklappt, doch sein Gesicht war in der Dunkelheit nur schwer zu erkennen. Aber er war nicht sehr erfreut, uns zu sehen. So viel war sicher. "Abmarsch zurück auf ihre Zimmer werte Damen. Ihr Vater wird nicht sehr erfreut sein zu erfahren, dass ihr des Nachts Unruhe stiftet und abhauen wollt." Ich versuchte ihr anzulächeln "Abhauen? Das wollten wir garnicht. Wir haben nur einen kleinen Spaziergang im Mondlicht gemacht." "Verkaufen Sie mich nicht für dumm fräulein Eva. Ich werde sie beide jetzt auf Ihr Zimmer bringen und morgen ihren Vater über ihren 'Mondspaziergang' informieren." Der Ton seiner Stimme ließ keinen Wiederspruch zu. Wir drehten uns um und trotteten zum Wohngebäude. Traurig lies ich den Kopf hängen. Für einen kleinen Moment hatte ich wirklich an unseren Plan geglaubt. Für einen kleinen Moment hatte ich geglaubt, dass ich der Realität entkommen konnte. Doch jetzt wurde mir klar, dass ich das nicht konnte. Ich würde hier bleiben und irgendeinen Fremden Menschen heiraten. Ganz egal was ich tat. Ich hatte keine Chance zu entkommen.
Die Wache führte mich zu meinem Zimmer.
Als er gegangen war ließ ich mich auf mein Bett fallen.
Wir hatten es nicht geschafft. Wir waren gescheitert. Jetzt musste ich einen Fremden Menschen heiraten. Einen Jungen den ich noch nicht einmal gesehen hatte. Manche Mädchen in meinem Alter würden sagen, ich hätte Glück. Er war gerade mal zwei Jahre älter als ich. Doch ich wollte ihn nicht. Auf gar keinen Fall!
Am nächsten Morgen saß ich auf meinem Bett und wartete. Ich hatte nicht viel geschlafen.
Lange hatte ich wach gelegen und überlegt wie ich meinem Unglück entgegen konnte. Doch zu einem Ergebnis kam ich nicht. Alle meine Pläne hatten einen Hacken und der war so groß, dass die Pläne niemals funktionieren würde.
Es klopfte an der Tür und meine Amme kam herein. "Was tust du denn, Kind? Einfach so weglaufen du hättest von den Wachen erschossen werden können!" schimpfte sie los. Dabei wusste sie genau warum ich es getan hatte. Sie wusste genau wie wenig ich diese Hochzeit wollte. "Du hättest es doch nicht anders gemacht." Sagte ich und sah sie an. In ihren Augen lag Wut, doch ich wusste das sie sich nur Sorgen machte. "Los komm jetzt. Unser Besuch kommt schon heute. Wir müssen dich schön machen." "Heute schon?" ich sprang vom Bett auf. Jetzt hatte ich keine Chance mehr zu entkommen. "Aber... aber sie sollten doch erst in zwei Tagen kommen." ich war entsetzt. Was sollte ich denn jetzt machen? "Ja, aber scheinbar war die Reise nicht so lang wie gedacht. Sie haben einen Boten vorgeschickt."
Nein. Nein. Nein! NEIN!
Das durfte nicht wahr sein.
"Los komm jetzt wir haben nicht ewig Zeit."
Zwei Stunden später stand ich unten im Esszimmer in einem wunderschönem blauen Kleid. Ich durfte nichts essen, weil ich sonst nicht dünn genug sein würde. ICH HASSTE ES! Mein Bauch schmerzte und ich fiel fast um vor Hunger. Mein Vater schritt vor mir hin und her. "Wie konntest du so etwas tun? In ein paar Tagen wirst du heiraten. Verhalte dich doch endlich wie eine Frau!"
Er blieb stehen und ging auf mich zu. "Du wirst ihn heiraten, egal was du versuchst. Außerdem ist Prinz Noah ein unglaublich freundlicher und höflicher Mensch und er ist sicher auch ein guter Ehemann. Er ist gerade mal zwei Jahre älter als du. Warum willst du ihn nicht heiraten?" Ich sah ihn nicht an. Ich wollte keinen Streit, aber ich wollte auch nicht heiraten." Ich kenne ihn doch gar nicht. " ich sprach nur leise. Ich flüsterte fast. "Dann lernst du ihn eben kennen. Geh jetzt auf dein Zimmer und warte bis sie da sind. " Ich drehte mich um und ging in Richtung Tür. "Warte noch einen Moment." Ich blieb stehen und sah mich noch einmal um. "Du wirst fräulein Lucia bis zu deiner Hochzeit nicht wieder sehen. Nicht das ihr wieder versucht weg zu laufen." Das hatte ich schon befürchtet, doch wirklich störte es mich nicht. Ich und Lucia hatten eine Möglichkeit gefunden uns zu unterhalten, auch wenn wir es nicht durften.
Ich verbeugt mich und ging.
Als ich wieder auf meinem Zimmer war, nahm ich ein Blatt Papier aus meinem Schrank und schrieb mit einer blauen Feder eine kurze Nachricht an Lucia.
'Vater verbietet mir mit dir zu reden. Der Prinz wird noch heute ankommen. Ich glaube ich haben keine Chance zu entkommen.
- Eva'
Ich faltete das Papier zusammen und ging zum Fenster. Eine kleine Schnur war durch ein kaputtes Fensterglas gespannt. Ich hängte den Zettel daran und zog ihn rüber. Das Band funktionierte wie ein Flaschenzug. Die Schnur gig von meinem zu Lucia's Fenster. Als die Nachricht am anderen Fenster ankam, setzte ich mich auf mein Bett und überlegte wie Prinz Noah wohl aussehen würde. Vielleicht war er gar nicht so furchtbar. Vielleicht war er ein netter freundlicher Typ, der mich gut behandelte. Ich hatte ein Gemälde von ihm gesehen. Er hatte blondes Haar und ein hübsches Gesicht. Ich hoffte das er auch in wirklichkeit ein schöner und freundlicher Mensch war. Ich schaute zum Fenster und sah das eine Nachricht von Lucia angekommen war.
Ich nahm sie ab und las.
'Es tut mir so leid! Ich wünschte, ich könnte irgendwas für dich tun. Aber ich glaube ich kann dir nur Glück wünschen. Du schaffst das. Er ist bestimmt ein ganz toller Mann.
Ich glaub an dich.
- Lucia'
Ihre tröstenden Worte halfen ein wenig.
Plötzlich hörte ich ein Geräusch.
Die Trompeten.
Das bedeutete das unsere Gäste kamen. Ich sah aus dem Fenster und tatsächlich kam eine Kutsche näher. Ich bekam Angst. Ich glaubte ich war noch nicht bereit ihn zu treffen. Ich schaute aus dem anderen Fenster und sah Lucia. Sie lächelte mir zu und hielt ihre Daumen in die Luft. Sie formte mit dem Mund die Worte: 'Du schaffst das.'
Ich lächelte zurück und lief aus meinem Zimmer.
Als ich unten ankam waren alle in großer Aufruhe.
Ich ging in das Arbeitszimmer meines Vaters.
Er stand hinter seinem Schreibtisch.
"Also Kind" sagte er und versuchte ruhig zu klingen "du wirst jetzt gleich Prinz Noah kennen lernen. Verhalte dich höflich, freundlich und du musst immer lächeln." Ich nickte. Ich hatte solche Angst, aber gleichzeitig konnte ich es kaum erwarten, ihn kennen zu lernen. Mein Vater ging aus dem Zimmer und ich sollte warten.
Die Zeit fühlte sich an wie eine Ewigkeit, bis endlich meine Amme herein kam.
" Los Kindchen, dein Vater verlangt nach dir." Ich atmete noch einmal tief durch und dann ging ich mit ihr zum Kamienzimmer.
Wir blieben vor der Tür stehen. In mir schien ein Sturm zu toben. Gleich würde ich meinen baldigen Mann kennen lernen!
Ich schloss die Augen und konzentrierte mich.
Ich durfte jetzt nur nicht durch drehen.
Dann öffnete ich die Tür und trat ein.
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Lauf! Bis wir bei den Sternen sind
AdventureEva ist 14 und lebt während des Mittelalters. Sie soll mit einem fremden Prinzen verheiratet werden. Da sie darauf keinen Bock hat, versucht sie mit ihrer besten Freundin abzuhauen. Ob das klappt. Sie hat selbst keine Ahnung. Aber einen Versuch ist...
