Einzelne Flocken fallen vom Himmel und bedecken die Gossen und Dächer unter einer Schneedecke. Die leisen Schritte der zierlichen Gestalt, die durch die Straßen wandert, hallen laut in ihren Ohren wieder. Der Blick hin und her huschend, nach Verfolgern Ausschau haltend. Die Hände in den Manteltaschen versteckt. Wegen der Kälte würde jeder denken, der an dem unauffälligen Mädchen vorbeikäme. Doch es ist das Blut, welches das Mädchen versteckt. Das Blut welches an ihren Händen klebt.
Die Kirchenuhr, die in ihrem Sichtfeld erscheint, wenn sie ihren Kopf hebt zeigt 22:27 Uhr. Nicht lange und sie ist da, wo sie sein soll. Wenn sie da jemals ankommt. Denn ohne ihres Wissens wird sie verfolgt. Panzerstahlgraue Augen und eine Statur eines durchschnittlichen Mannes. Nichts auffälliges, aber auffällig genug um die Aufmerksamkeit des Mädchen auf sich ziehen zu können. Geübt setzt er seine kaum hörbaren Schritte und hält sich im Schatten versteckt, welche in dieser Dunkelheit großzügig vorhanden sind.
Sie, unwissend und ängstlich, biegt in eine enge Gasse.
Er, listig und leise, hinterher.
Ein perfekter Ort. Er zieht sein Messer so leise wie möglich, aber nicht leise genug. Sie fing an zu rennen ohne hinter sich zu blicken. Sie weiß, sie hat keine Zeit um dies zu tun. Er ist schneller als sie. Einen Arm um ihren Hals schlingen und das Messer an ihren Rücken setzen. Er wartet bis ihre Gegenwehr aufhört und sie ihr Bewusstsein verliert. Langsam lässt er sie auf den Boden gleiten. Er nimmt ihr Handgelenk und schneidet mit dem noch sauber glänzenden Messer ihre Pulsader entlang. Das gleiche beim anderen Arm. Das Messer legt er sachte in ihre schlaffe Hand. Er steht auf und geht. Der starke Schneefall würde seine Spuren verdecken. Er wird nicht in Verbindung damit gebracht werden. Man wird nur ein totes Mädchen sehen, welches Suizid begangen hatte. Ein Mädchen, welches ohne jegliche Perspektive durchs Leben wanderte, ihre Existenz durch Verbrechen bezahlte. Verbrechen die bis zum Mord gingen, welche das schlechte Gewissen genährt hatten. Bis sie sich selber umgebracht hatte. Genau das würde man sehen. Man würde nicht denken das Rache dem Mädchen den Tod beschert hatte. Man würde nicht denken, dass ein geschickter Mörder seinen Auftrag präzise und ohne Komplikationen durchgeführt hatte. Sehen tut man viel, denken eher weniger.
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Kurzgeschichten
Short StoryWenn man Geschichten im Unterricht oder aus Langeweile schreibt und sie einen nicht loslassen. Naja... Lesen auf eigene Gefahr!
