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Der einzige Weg das Leben zu ertragen ist, es schön zu finden, sagte mal ein berühmter Schriftsteller. Der hatte gut reden. Wenn man in meiner Welt lebte, war es nicht gerade einfach das Leben gut zu finden. Ich, Abby war das schwarze Scharf der Familie und wurde meistens übersehen. Ich durfte mich eigentlich nicht beschweren, da andere Kinder schlimmer zu leiden hatten als ich. ,,Abby!" sagt eine vertraute Stimme, doch für mich hört es sich nur wie ein Rauschen an. Warum konnte nicht jeder gleich sein? Träumerisch starre ich auf den Boden vor mir. ,,Abbigail!" ruft jemand wieder. Am liebsten würde ich jetzt in meinem vertrauten Zimmer sitzen und eine Geschichte schreiben. ,,Hallo?" sagt jemand erneut und reißt mich aus meinen Gedanken. Ich hebe den Kopf und starre in das genervte Gesicht meiner Schwester Lorenze. ,,Ja?" frage ich müde. ,,Wie findest du die Schuhe?" sie hält mir ein paar schwarzer Schuhe mit kleinen Rosen darauf hin. Ich nicke und setze meine künstliches Lächeln auf. ,,Die sind super",sage ich gespielt munter. ,,Wirklich? Weil die Sole hat ein anderes Schwarz als die Schuhe" meint sie verunsichert. ,,Nein die sind toll", sage ich abwesend und blicke mich im Schuhgeschäft um. Ein altes Ehepaar und ein Gruppe von Touristen stehen vor einem Regal und probieren verschiedene Schuhe an. Wie konnten Schuhe nur so interessant sein? Ich starre auf meine  schwarz, weißen Schucks, welche im grellen Licht der Lampen noch dreckiger aussehen als sie eh schon sind. ,,Mom! Wie findest du die Schuhe?" reißt mich die Frage von Lorenze wieder aus den Gedanken. Meine Mutter mit ihren blonden glatten Haaren und ihren grauen Augen sah neben mir, wie ein Model aus. Das einzige was ich von ihr habe sind meine undurchdringlich grauen Augen. Meine Haare hingegen sind lockig rotbraun und nicht wie die meiner Mutter. ,,Sehr schön liebes",sie nickt und lächelt sie zuckersüß an. Anscheinend ist Lorenze mit der Antwort zufrieden und geht zur Kasse, direkt gegenüber. ,,Brauchst du auch noch Schuhe? Wir wissen nicht wie das Wetter in Irland ist",fragt mich meine Mom nachdem sie die Schuhe bezahlt hat. ,,Nein danke, schlimmer als hier kann es nicht sein", antworte ich Kopfschüttelnd. In England regnete es immer, sodass mich Wetter nicht mehr einschüchterte. Meine Schwester hatte daran wohl nicht gedacht, denn die Schuhe die jetzt in der Tüte liegen sind für den Hochsommer gemacht und nicht für Irland. ,,Dann mal los, unser Flugzeug wartet nicht", sagt sie munter, doch es hört sich gequält an und überhaupt nicht wie sie an. Meine Schwester so nett wie sie war, merkt es überhaupt nicht und stolziert Hals über Kopf ins nächste Geschäft. ,,Ich brauche noch einen warmen Pullover",meint sie achselzuckend und schreitet in ein kleine Boutique neben an. Eine halbe Stunde später sind wir fertig und schlendern in Richtung Ausgang des Einkaufszentrums. ,,Dieser Pulli ist der Hammer! Abby du brauchst unbedingt auch einen" quietscht sie fröhlich, doch mir ist nicht zum Lachen zumute. In einer Stunde musste ich mein geliebtes Zimmer samt Möbel verlassen. Mir schwant übles vor Augen. ,,Der steht die viel besser", meine ich bedröppelt und lege an Tempo zu. Das war die Wahrheit, denn mit ihren blonden Wellen und blauen Augen, sah sie wie ein Engel aus. Ihr stand einfach alles. All ihre Freunde und sogar meine wenigen Freunde bewunderten sie. Das war sehr nervig, da alle immer nur zu mir sagten:,,Du bist doch die kleine Schwester von Lorenze! Richte ihr schöne Grüße aus." Werde ich ganz sicher nicht! Denke ich mir dann immer. Es hatte aber auch sein Gutes, im Schatten meiner Schwester zu stehen. Man wurde nie gestört und hatte seine Ruhe, auch wenn es armselig klingt. Ich hatte bisher nur einen Freund, wo sich am Ende heraus gestellt hatte, das er nur mit mir zusammen war um an Lorenze ranzukommen. Das war einer der schlimmsten Tage in meinem Leben. Ich schlucke meinen Frust runter und folge meiner Mom in den Bus vor uns.

Eine Stunde später sitze ich im Flugzeug und blicke auf das leuchtende London herab, welches sich immer weiter entfernt

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Eine Stunde später sitze ich im Flugzeug und blicke auf das leuchtende London herab, welches sich immer weiter entfernt. Tränen schießen mir in die Augen, doch ich wische sie schnell weg bevor meine Mom es sehen kann. Sie hatte es schon schwer genug ihren Schmerz nicht zu zeigen. Nach dem Tod meiner Tante war sie nicht mehr die selbe und da es selbstverständlich war ihren Hof zu übernehmen, ziehen wir jetzt nach Irland. Ohne irgendwelche Ahnung was uns erwartet. Ich erhasche einen letzten Blick auf meine Heimat und dann sind wir auch schon über den Wolken. Mein Bauch krampft sich zusammen. Ich schließe meine Augen und versuche mich zu beruhigen. Ohne meine Heimat fühlte ich mich leer und nicht ganz, als würde ein Teil bei einem Puzzel fehlen. Und so lasse ich 17 Jahre Erinnerungen hinter mir. Ohne meinen Dad, der als ich acht war wegen einem Tumor starb.

Das ist so zu sagen eine kleine Einleitung ... bald wird es spannend!
Fehler vorhanden! Ich hoffe es gefällt euch ; )

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