Das war jetzt so ziemlich das Letzte, womit ich gerechnet hatte. War ich nicht eine dieser Personen, die auf solche hinabgesehen hatte - auf so Menschen, die nicht früh genug nachgedacht hatten? Auf so Menschen wie mich?
In meinem Leben als Rebellin hatte es nie grosse Probleme gegeben. Jeder hatte mich als eben diese angesehen, ich konnte mein Ding durchziehen, ohne jemals wirklich Ärger zu schaffen. Meine Haar grün einzufärben, an verschiedensten Stellen Piercings stechen zu lassen, genügend Make Up zu tragen und ein kleines Tattoo hatten völlig ausgereicht. Weil ich mich aber genauso gut auch zusammenreissen konnte und mich einigermassen mit der heutigen Mode auskannte, war es mir nicht schwergefallen, an den Job im Kleiderladen unserer Stadt zu kommen.
Jeden Tag sah ich alle Art von Personen, die verzweifelt versuchten, etwas an sich zu ändern, mit Kleidung andere - genauso verzweifelte - Menschen zu überzeugen. Ich will jetzt keinem etwas vormachen, ich war eine Frau und liebte es, neue Kleider zu kaufen. Aber bei allem, was ich machte, dachte ich daran, dass alles dieser Welt endlich ist - sogar wir selbst bleiben am Ende nichts anderes als Staub. Wann würden die Menschen das endlich verstehen? Verstehen, dass das hier nicht die Ewigkeit war?
Wenn dann jemand traurig über Flecken auf der Bluse oder Splitter auf dem Handydisplay war, blieb mir bloss ein trockenes Lächeln dafür übrig.
Diese Welt ist endlich und ich verachtete jeden, der das nicht verstand.
Als ich an diesem Morgen die Nachricht erhalten hatte, hatte ich mich einen Moment nicht bewegen können. Der Schmerz hatte mich gelähmt. Das war jetzt also die Liebe: hinterlistig, erbarmungslos und brutal. Und nichts anderes war der Tod. Die Person, die mir am allermeisten bedeutet hatte, war tot - einfach ausgelöscht. Realisiert hatte ich es nicht.
Und jetzt stand ich auf dieser Brücke und verfluchte mich selbst. Hochmut kam eben vor dem Fall. Und ich fiel. Ich hatte genau gewusst, dass dieses Leben für jeden ein Ende nahm. Aber genau ich stand jetzt hier und es tat so weh. Wann würde ich verstehen, dass das hier nicht die Ewigkeit war?
Ich blickte aufs Wasser, das die vielen Lichter dieser Stadt reflektierte. Und ich weinte. Weshalb traf es uns so stechend, wenn wir jemanden verloren, obwohl es von Anfang an so bestimmt war? Wann, wann nur würden wir verstehen, dass wir nicht für die Ewigkeit bestimmt waren?
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Ewigkeit
Short Story"Wann werden wir verstehen, dass das hier nicht die Ewigkeit ist?"
