Er stand vor mir. Er grinste mich pervers an. Langsam kam er auf mich zu. Ich ging jeden Schritt den er vorwärts ging rückwärts. Er lachte und flüsterte: „Das nützt dir nicht viel Babe." Ich wusste, dass hinter mir eine Wand war, doch ich wollte nicht in seiner Nähe sein. Er kam immer näher auf mich zu. Ich spürte schon die Kälte der Betonwand hinter mir. Er machte nochmal einen großen Schritt und ich einen rückwärts. Ich fühlte die kalte Betonwand an meinem Rücken. Ich atmete schneller. Er grinste noch mehr und lief noch einen Schritt vorwärts. Er stütze seine Hände neben meinem Kopf. „Tja Honey, hier ist es vorbei", flüsterte er in mein Ohr. Ich wusste, dass ich in der Falle war, doch ich wollte es nicht wahr haben. Ich atmete noch schneller und ballte meine Hände zu Fäusten. Er sah mir auf die Lippen und legte seine linke Hand auf meine Hüfte. Ich war angeekelt. Ich atmete noch schneller. „Beruhige dich, du willst es doch auch", hauchte er an meine Lippen. Nur noch eine kleine Lücke. Mit seiner rechten Hand strich er langsam an meiner Wange. Er kam näher.
Schweiß gebadet und schwer atmend wachte ich auf. Schon wieder dieser Traum. Ich hatte ihn seit einem Monat. Es war immer wieder die selbe Szene. Immer nur dieses Näherkommen. Weiter kam es nie. Jedes Mal grinste er mich pervers an. Aber was soll mir dieser Traum sagen? Mittlerweile kann ich ihn auswendig. Aber vor was soll er mich warnen? Der Traum spielt jedes mal in einer dunklen Ecke. Es war nur diese Betonwand zu sehen. Mehr war da nicht. Ich kannte keinen Ort in meiner Stadt, der diesem ähnlich sieht. Es gab in meinem Viertel keine solcher Wände. Es gab nur Ziegelmauern. Ich wohnte in einem sehr alten Viertel. Die Stadt war eigentlich sehr modern, doch dieses Viertel hatte sich nie mitentwickelt. Mein Viertel blieb alt. Auch wenn mein Viertel alt war, war ich nicht arm. Meine Mutter verdient sehr gut, sie leitet einen Beauty-Saloon. Und mein Bruder war Chef einer Firma, aber er nahm das alles nicht so ernst.
„Mary kommst du?", rief meine Mutter von unten.
„Ja ich komme gleich Ann", antwortete ich ihr.
Ich schwang mich aus dem Bett und zog mir kuschelige Socken an. Dann tappte ich runter in die Küche. Ich nahm mir einen Apfel aus dem Obstkorb und schnippelte ihn klein. Ich lief zum Kühlschrank und suchte meinen Naturjoghurt.
„Mum wo ist mein Joghurt?" -Mary
„Entschuldige Schatz, ich war gestern nicht mehr einkaufen und gestern Abend hatte ich noch Hunger und hab mir einen Joghurt gemacht." -Ann
„Du weißt doch genau, dass ich morgens nichts anderes esse. Konntest du gestern nicht einen anderen Joghurt essen? Wir haben doch auch andere da." -Mary
„Ich gehe heute Mittag zum Einkaufen, jetzt nörgel nicht so rum." -Ann
Ich verdrehte die Augen und aß meinen Apfel jetzt ohne Joghurt. Normalerweise aß ich morgens immer Naturjoghurt mit irgendeinem Obst. Aber heute dann wohl nicht.
„Wie lange hast du heute Unterricht?" -Ann
„Weiß ich noch nicht. Aber ich denke ganz normal." -Mary
Mit diesen Worten lief ich wieder in mein Zimmer. Ich ging zu meinem Kleiderschrank und nahm mir meine Schuluniform raus. Ich zog die Bluse, den karierten Rock und die Kniestrümpfe an. Dann knotete ich mir die Krawatte um und zog mir den Blazer über. Ich ging ins Bad und wusch mein Gesicht. Dann erst schaute ich in den Spiegel. Die Schuluniform stand mir, aber so ordentlich, wie ich sie trug, machte sie mich zur Streberin. Ich kämmte meine braune lockige Haare durch und machte sie zu einem hohen Pferdeschwanz. Ich cremte mir mein Gesicht ein und wartete bis diese einzog. Dann setzte ich mir meine Brille auf. Ich hatte zwar nicht viel Stärke, aber trotzdem trug ich sie jeden Tag in der Schule. Zu meinem Image in der Schule passte die Brille.
Ich ging die Treppe wieder runter und zog mir meine schwarzen Schuhe an.
„Willst du deine Haare nicht Mal offen lassen?" -Ann
„Nein. Mir gefallen sie so." -Mary
Ich nahm mir meine Schultasche und schnappte mir meine Schlüssel.
„Bis heute Abend oder so" -Mary
„Ich weiß noch nicht, ob ich da bin" -Ann
Ich nickte. Meine Mutter war abends öfters nicht da. Ich war es gewohnt. Ich trat aus der Tür und schloss sie hinter meinem Rücken. Ich lief die Treppen bis zum Gehsteig nach unten. Ich lief immer zur Schule. Sie war zwar weit weg, aber ich mochte es draußen zu sein. Es war Herbst. Die Bäumen verloren langsam ihre Blätter. Ich ging durch die Blätter und es raschelte. Ich hörte Schritte hinter mir, aber drehte mich nicht um. Ich ging ganz normal weiter und bog und die Ecke. Nur noch ein paar Meter und ich war an der Schule. Die Schritte hinter mir wurden schneller und langsam wurde mir mulmig. Ich wollte gerade durch die Doppeltür gehen, als mir jemand an meinen Haaren zog.
„Na du." ~
Ich ging normal weiter und steuerte auf meinen Spind zu.
„Redest du nicht mit mir?" ~
Ich öffnete meinen Spind und nahm die jeweiligen Bücher für den Unterricht heraus und packte sie in meine Tasche.
„Du bist ganz schön unhöflich, meine Liebe." ~
Ich war nicht schüchtern, ich konnte mit fremden Menschen gut reden, aber ich wollte einfach nicht mit ihm reden. Ich werde auch nicht rot, wenn mich Jungs ansprechen oder so. Ich kann normal mit jedem reden. Aber Ryan mochte ich nicht.
„Nein Ryan. Ich mache dir einen Gefallen." -Mary
„Aber Marylein, wenn ich doch schon mit dir reden will." -Ryan
„Ja dann kommt nichts gutes raus. Bis nachher." -Mary
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Vom Mauerblümchen zum Badgirl
RomanceMary ist 17 Jahre alt. Sie ist die Außenseiterin. Niemand sprach mit ihr. Sie hatte mit niemandem Kontakt. Dann zog sie um. Ihr Leben änderte sich auf einen Schlag. Ein Junge sprach sie an. Und plötzlich veränderte sich alles. Sie war nicht mehr di...
