Lost Island

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Gähnend streckte sich Jungkook als die ersten Strahlen der Sonne ihn an der Nase kitzelten. Langsam setzte er sich auf und blinzelte in das helle Licht.
Seufzend bemerkte er, dass der Platz neben ihm schon wieder, so früh am Morgen, leer war.
'Wenn Taehyung so weiter macht' dachte er 'ist das Boot zwar bald fertig, doch wir können trotzdem nicht los, weil er zu müde und kaputt ist.'

Er stand auf zog sich sein T-Shirt über und schaute aus dem kleinen Fenster auf den Strand und den Ozean. Auch wenn er jetzt schon sechs Jahre auf dieser Insel gefangen ist und sich eigendlich schon an das strahlenden Blau des Wassers gewöhnt haben müsste, konnte er sich nicht satt sehen.

Bevor sie hier gestranden waren, hatte er mit seiner Familie in einer Großstadt gelebt. Dort gab es nur viele graue Straßen, langweilige Hochhäuser und einen grauen Himmel. Natürlich hatte er sich bei seiner Familie am wohlsten gefühlt, doch je länger er hier war, kam ihm das Leben hier viel lebenswerter vor.

Er genoss es jeden Tag in der Natur zu sein. Nicht zur Schule zu müssen, so lange ausbleiben wie er wollte, im Ozean schwimmen, die Fische beobachten und mit den Delfinen spielen. Er musste sich an keine Verhaltensregeln halten.
Er war frei...

...und doch gefangen.

Er stieg die Strickleiter von ihrem Baumhaus herunter und ging den kurzen Weg vom kleinen Palmenwald, worin sich Ihr Baumhaus befand, zum weißen Strand hinunter.
Dort saß Taehyung an dem fast fertigen Boot aus Palmenholz, das schräg auf dem Sand lag. Das einzige was noch fehlte war der Mast und das Segel.
Gerade war er damit beschäftigt den Baum im rechten Winkel am Mast anzubringen.
Je näher Jungkook an den Älteren heranging, desto lauter hörte er ihn vor sich her schimpfen.
"Verdammtes Seil! Halt doch jetzt endlich mal!", fluchte er und haute danach verzweifelt auf den Mast.
"Hey, Guten Morgen", sagte Jungkook vorsichtig mit leiser Stimme. Trotzdem zuckte Taehyung erschrocken zusammen und drehte sich danach zu ihm um.   
"Morgen", murmelte er mit erschöpften Stimme.

Jungkook ließ sich neben ihn in den Sand plumsen und sah ihn besorgt an.
"Wir könnten etwas frühstücken und danach ruhst du dich mal etwas aus, du siehst gar nicht gut aus."
"Frühstücken gerne, aber danach mache ich sofort weiter.", antwortete Taehyung und wollte schon aufstehen, da hielt Jungkook ihn an der Hand zurück.
"Du arbeitest nur noch an diesem Boot, du machst nichts anderes mehr."
"Ja, aber ich bin doch bald fertig und dann können wir versuchen von hier wegzukommen. Du willst doch auch hier weg. Oder nicht ?", meinte Taehyungs aufgebracht und steht diesmal auf. Jungkook steht ebenfalls auf und sieht ihn wütend an.
"Natürlich will ich auch hier weg," sagte er aufgebracht, "doch es bringt uns nichts wenn du Tag und Nacht an diesem Boot arbeitest und nichts anderes mehr tust. Es macht verdammt nochmal keinen Unterschied ob wir heute, morgen oder in zwei Monaten hier wegkommen, wir haben die letzten sechs Jahre auch überlebt.
Doch wir können es nicht gebrauchen, dass du wegen der Überarbeitung krank wirst, dich verletzt oder am Ende noch umkippst. Verdammt Tae, du bist doch das einzige was ich habe. Ich wüsste nicht was ich hier ohne dich tun würde, ich will dich nicht verlieren."
Zum Ende hin wurde Jungkook immer lauter, beim letzten Satz brach seine Stimme, sodass er sich schnell umdrehte und in den Wald lief damit Taehyung nicht sieht wie ihm die Tränen über die Wangen liefen.

Überrascht und erschrocken sah Taehyung dem Jüngeren hinterher.

Damit hatte er nicht gerechnet.
Jungkook hatte nie viel darüber geredet wie es ihm ging und was er fühlte. Jetzt soetwas an den Kopf geworfen zu bekommen überforderte Taehyung.
Doch in seinem Inneren konnte er Jungkook genau verstehen.


Als Jungkook vor einem Jahr in etwas giftiges getreten war ,nachdem sie sich gestritten hatten und drei Tage furchtbare Schmerzen und Fieber gehabt hatte, konnte Taehyung diese drei Tage kein bisschen schlafen. Oder auch als sich Jungkook vor die Raubkatze, die Taehyung angreifen wollte, geworfen hatte und deswegen jetzt eine große Narben quer über die Brust trug.

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