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Von der Sonne gold gefärbtes Licht strahlte durch die riesige Fensterfront, die sich von dem hellen Boden bis zu der weißen Zimmerdecke erstreckten. Sie ließ die haselnussbraune Tür ihres kleinen Appartements seufzend hinter sich ins Schloss fallen und lehnte sich mit geschlossenen Augen gegen die Tür, um für einen kurzen Moment ihrer Erschöpfung nachzugeben. 

Als sie ihre Augen langsam wieder öffnete, ließ sie ihren mit Mehl, Schokocrème und anderen bereits zur Unkenntlichkeit verschmierten Zutaten bekleckerten Rucksack aus ihren Händen gleiten und stieß sich von der Tür ab. Langsam schlenderte sie durch ihr in schönsten Farben strahlendes Appartement, was durch die fast hinter der Skyline versunkene Sonne, statt wie ein sonst kühles Ensemble aus weißen und schwarzen Tönen, die gleiche Farbe hatte, wie das Karamell, mit dem sie heute dutzende von Törtchen verziert hatte.

Sie betrachtete sich im Spiegel. Ihre mattbraunen Haare hatte sie heute im Cafè schnell zusammen gebunden, weswegen nun einige Strähnen in ihr Gesicht vielen. Ihre Gesamterscheinung wirkte vermutlich ziemlich fertig, dachte sie sich, doch auch wenn sie müde und abgearbeitet aussah, so leuchtete in ihren dunkelbraunen Augen noch ebenso viel Optimismus und Tatendrang, wie an ihrem ersten Tag in dieser Stadt. Sie rückte ihre Brille zurecht, entledigte sich von jeglichen Zutaten, die über den Tag an ihr kleben geblieben waren und legte anschließend ihre Lieblingsplatte in den Plattenspieler, den sie von ihrem Vater geschenkt bekommen hatte. Aus den tiefdunkelbraun verkleideten Boxen drang etwas rauschende, instrumentale Jazzmusik. 
Draußen fielen die ersten gelb-orange gefärbten Laubblätter zu Boden, was sie als Anlass nahm den Herbst offiziell mit einer heißen Schokolade zu beginnen. 
Eingekuschelt in ihre Lieblingsdecke, saß sie mit einer heiße Schokolade mit Schlagsahne auf dem großen cappuccino-farbenen Sessel am Fenster und sah der Sonne beim untergehen zu.

Sie blieb dort bis sie es aufgegeben hatte, alle der mittlerweile aufgegangenen Sterne in die ihr bekannten Sternenbilder einzuordnen und stellte die Tasse auf den kleinen Tisch neben den kleinen Bonsai, den sie zu ihrem fünfzehnten Geburtstag von ihren Eltern geschenkt bekommen hatte.

Als sie in ihrem mit unzähligen Kissen bestückten Bett lag, kuschelte sie sich in den Pullover, der nicht ihr gehörte. Er roch immer noch nach seinem ursprünglichen Besitzer. Lächelnd und im Gedanken bei ihm, fiel sie in einen tiefen Schlaf und fühlte sich, auch  wenn er nicht hier war, zuhause. 

right before midnightWhere stories live. Discover now