Und dann stand ich da. Vor dem Gebäude wo die Support-Group stattfindet. Ich war ein wenig sauer auf meine Mutter, weil sie mich dorthin schickte aber ich versuchte das Beste daraus zu machen.
Als ich in den Raum eintrat, an dessen Tür ein Schilld hing, wo ganz groß Selbsthilfegruppe drauf stand. Einatmen. Ausatmen. Tür auf. Reingehen.
Ein Stuhlkreis war aufgebaut aus Stühlen, die die meisten aus der Schule kennen. Ich weiß nicht ob die Runde schon vollständig war oder nicht da ich ja noch nie dort war. Viele waren es nicht. Drei Mädchen und vier Jungs. Ich stand bestimmt zwei Minuten regungslos im Raum bevor ich zur Runde ging und mich hinsetzte.
"Du musst Clare sein. Ich bin Rick, der Gruppenleiter." sagte er zu mir und wandte sich an die Gruppe. "Gut, wir sind fast vollständig. Jetzt fehlt nur noch Ryan."
Ryan... Ryan..? Oh nein, doch nicht oder..? Zu spät, er kam rein. Der schwarzhaarige mit den blauen Augen und der fast perfekten Statur kam auf mich zu und setzte sich neben mich.
Und es fing an. Mit der Reihe stellten wir uns vor, wie wir heißen, wie alt wir sind und warum wir hier sind, beziehungsweise waren.
"Ich bin Ryan, 17 Jahre alt und ich bin hier weil meine Eltern der Meinung sind, dass es mir dadurch besser geht obwohl es mir super geht."
"Gut Ryan und weshalb sind deine Eltern der Meinung, dass es dir schlecht geht?"
"Ich habe akutische lymphatische Leukämie."
Die Gruppe war still und hörte Ryan genau zu.
Ich war dran. Ich sagte dass ich 16 Jahre alt war und dass ich Lungenkrebs hatte. Ich glaube ich sagte Bronchialkarzinom weil das einfach intelligenter klingt als Lungenkrebs. Alle starrten mich an. Kurz schaute ich in der Runde rum und setzte mich wieder.
Rick erzählte ein bisschen von Krankheiten und manche fügten Verbesserungen und Argumente hinzu. Meine Aufmerksamkeit verschwand in eine leere Ecke in einem leeren Raum in einer unbekannten Stadt in einem entfernten Land und schloß sich dort ein und wollte nicht mehr zurück kommen. Kurz um war mir einfach mega langweilig.
Erschrocken zuckte ich zusammen. Ryan tippte mich an.
"Schreckhaft wie eh und je." lachte er mich an.
"Oh ist der Zirkus schon wieder vorbei?" fragte ich verwirrt.
"Ja, ich dachte ich sage dir bescheid damit du nicht noch Stunde lang vor dich hinstarrst." grinste er weiter.
Wir saßen nebeneinander, in einem Zimmer wo zuvor die Selbsthilfegruppe stattfand und es fühlte sich nicht komisch an, allein mit Ryan zu sein. Nicht das ihr denkt, ich hätte mich in ihn verliebt, aber es tat gut, nach dem Streit mit Jonathan, mit einem Jungen zu sprechen, der einfach nett war.
"Danke. Ich denke ich sollte jetzt hier rausgehen."
"Hast du heute noch was vor?" fragte er.
Ja. Nein. Doch eigentlich, nein nicht aber was?
Bestimmt wollte er einen Film mit mir schauen so wie Augustus es mit Hazel Grace wollte. Oh der Satz klang jetzt leicht zweideutig und missverständlich ausgedrückt war er auch. Ich meine natürlich das Film schauen und nichts anderes.
"Und wie siehts nun aus?" bohrte er wieder.
"Andere Frage, kennst du Jonathan?" antwortete ich ihm, mit einer nicht zum Thema passenden Gegenfrage.
"Er ist mein bester Freund. Eigentlich sollte ich ihn heute noch Besuchen kommen."
Jetzt wurde mir einiges klar, Ryan war Jonathans Freund und ich saß hier und stellte mir die Frage ob ich jetzt noch was mit ihm unternehmen sollte.
Immerhin, 17:49 Uhr bedeutete; Sonne, warm, vielleicht kein Regen.
Streng genommen, waren ja die Szenen mit dem Regen für Jonathan und mich bestimmt und nicht für Ryan und mich.
Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen. "Warum bist du nicht zu ihm gegangen, ich dachte du wolltest über ein Mädchen sprechen?"
Ich schätze, dass ich zu viel Insiderwissen hatte.
Mit einem undefinierbaren Gesichtsausdruck sah er mich an. Wie versteinert saß er da.
"Okai, du weißt anscheinend mehr als ich annahm. Willst du jetzt noch mit mir ein bisschen rumhängen oder lieber zu Jonathan gehen?"
"Wäre doch sicherlich witzig, wenn wir beide bei ihm aufkreutzen würden oder?" schlug ich aus Quatsch vor. Ich nahm wirklich mit keiner Silbe an, dass er diese famose und nicht minderbrilliante Idee als gut befinden würde.
Langsam und gemächlich machten wir uns auf den Weg. Meiner Mutter hatte ich zuvor per Telefonat bescheid gegeben, dass ich nochmal zu einem Freund gehe. Besser; zu meinem Freund.
Als wir an Jonathans Haus ankamen grübelten wir kurz, wie wir es am besten anstellten. Am Ende jedoch, entschieden wir uns, einfach beide da zu stehen und so zu tun, als wäre es das normalste der Welt. Und so klingelten wir. Einmal, warten, nichts. Zweites Mal, warten und wieder nichts.
"Vielleicht sollten wir durchs Fenster einsteigen?" scherzte Ryan.
"Du siehst Earl neben mir? Die Nachbarn werden denken, dass wir womöglich Einbrecher sind und die Bude in die Luft jagen wollen!" lachte ich laut los und im nächsten Moment öffnete sich die Tür.
Ein gutaussehender Mann stand da, blondes Haar, blaue Augen. Diese strahlenden blauen Augen. Dann der schier makellose und perfekt proportionierte Körper. Natürlich war es kein anderer als Jonathan. Für ihn musste das unheimlich und befremdlich wirken, ich meine: Seine Freundin und sein bester Freund stehen vor seiner Haustür und lachen über einen vermeindlichen Witz, welcher eigentlich überhaupt nicht witzig war oder auch nur ansatzweise zum Lachen führte.
"Was macht ihr denn hier?" fragte er misstrauisch.
Sarkasmus war fehl am Platz. Schade, ich hätte so gerne einen Witz daraus gemacht aber es hieß; Ernst bleiben sonst, ja sonst was?
Ryan versuchte alles gut und rational zu erklären aber ich konnte dem nicht zu hören was er da sagte weil ich mir schon ausmalte, dass Jonathan das schlimmste annahm.
"Da ist nichts zwischen uns, wir hatten Selbsthilfegruppe und haben uns da kennen gelernt. Alles in Ordnung." nölte ich genervt zwischen Ryans Gestammel. Verwundert sahen mich beide an.
"Ja was? Is doch so." sagte ich ein letztes Mal und dreht mich dann auf dem Absatz, machte Kehrt und ging.
Ich fühlte mich die ersten paar Meter wirklich noch stark und nicht schlapp aber das änderte sich so schnell, schneller als du wahrscheinlich Apfelkuchenverkostungsdinner sagen könntest. Ich hörte einen anderen Atem hinter mir, versuchte mich aber erstmal auf meinen zu konzentrieren.
Mir war eigentlich von dem Punkt an klar, dass ich das nicht schaffen würde, als wir zu Jonathan liefen, jedoch ignorierte ich diese Gewissheit über meine Scheißlunge genauso rasch, wie die meisten eine schlechte Note verdrängen würden. Erst hast du dabei ein scheiß Gefühl aber dann sagst du dir, Ach naja, eigentlich auch voll egal. Nur war es bei mir nicht so voll egal.
"Clary, jetzt warte doch mal. Dafür, dass du jetzt solange gelaufen bist und du nur noch eine halbe Lunge hast, rennst du hier aber ganz schön schnell rum." mahnte mich eine mir nur all zu bekannte Stimme von hinten. Keuchend schnitt er mir den Weg ab.
Wirklich weit war ich ja nicht gekommen. Earl machte sich mit der Zeit verdammt schwer und derWeg auf dem ich ging, machte es mir durch seine Unebenheit auch nicht gerade leicht.
Nur in Socken stand Jonathan vor mir. "Was ist denn mit dir los? Habe ich dir was getan oder was ist passiert, bitte sag es mir."
War das sein Ernst? Ich war ein bisschen sauer und enttäuscht weil er am Vormittag so ein genervter Typ war. Weil mich das einfach ankotzte wie er sich verhalten hatte.
"Nö, alles perfekt. Mein Leben ist eine einzige Achterbahn und sie fährt nur in eine Richtung mein Freund." zitierte ich Augustus wobei ich seine Handbewegung nachahmte. In meiner ganzen Ironie merkte ich kaum, dass meine Knie nachgaben und ich zusammen klappte. Jonathan fing mich einigermaßen auf, jedoch auch nicht so, dass es nicht irgendwie weh tat.
Danach; schwarz.
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Nicht noch so eine Liebesgeschichte!
Teen FictionLiebesgeschichten hin oder her, jeder liebt sie und alle sind sie gleich. Das Mädchen ist unbeliebt und der beliebteste und heißeste Typ der Schule verliebt sich in sie und die beiden kommen zusammen. Bla bla bla immer dasselbe. Oder die beiden komm...
