Juju ft. Henning May - Vermissen
"Och, komm schon, Hanna. Du bist erkältet, nicht todkrank. Hör auf rumzujammern", versuche ich, meine beste Freundin zu beruhigen. "Du wirst schon wieder. Jetzt trink den Tee, den Chris dir gemacht hat, und schlaf 'ne Runde."
"Ja, okay", seufzt sie. Erleichtert atme ich auf. "Und während ich hier rumliegen muss, darf jeder andere feiern gehen."
"Och nö, das hatten wir doch schon. Es wird nicht jeder dort sein. Ich zum Beispiel auch nicht." Dieses Detail hätte ich besser nicht erwähnt.
"Wie, du gehst da auch nicht hin? Das ist die Party. Jeder will da hin!"
"Kann ja sein. Aber für mich ist das heute nichts."
"Das ist immer 'nichts' für dich! Seit dir dieser verdammte Dreckskerl das Herz gebrochen hat!"
Der altbekannte Schmerz durchzuckt mich, als Hanna ihn erwähnt. Es fühlt sich an, als würde ein riesiger Eisklumpen mein Herz umschließen. Mein Herz bemüht sich weiter zu schlagen. Aber einfach ist das nicht. Bei ihm hat mein Herz von alleine so schnell geschlagen, dass sich kein Eis um es herum hätte bilden können. Aber er ist nicht hier. Ich bin alleine.
"Nein, komm schon. Du musst ihn endlich vergessen. Er hat dich vor zwei Jahren abserviert. Zwei gottverdammten Jahren!" Trotz ihren harschen Worten klingt Hanna jetzt mitfühlender. Sie weiß, dass mich das Ganze noch belastet.
"Also geh da raus, mach Party heute Nacht und lern neue Leute kennen. Da draußen wartet schon noch der richtige."
Sie weiß nur nicht, wie sehr ich noch an ihm hänge. Immer noch.
Der Schmerz zerreißt mich innerlich. Atmen, das ist eigentlich die natürlichste Sache der Welt. In diesem Moment fällt es mir so unglaublich schwer.
"Du, ich muss auflegen. Wir telefonieren morgen." Mit diesen Worten drücke ich meine beste Freundin weg, ohne dass auch sie sich verabschieden kann. Still danke ich Gott, oder was auch immer diese höhere Macht über uns ist, dass meine Stimme nicht gezittert hat. Dann hätte sie gewusst, wie es wirklich in mir aussieht. Und das will ich nicht. Denn ich will es ja noch nicht einmal mir selbst eingestehen, dass ich ihn einfach nicht vergessen kann.
Verkrampft versuche ich, einmal tief ein- und auszuatmen. Mir ist kalt. Mit zitternden Händen greife ich nach der Decke, die neben mir liegt. Gut, dass ich mich bereits auf meinem Sofa befinde. Ich weiß nicht, ob ich sonst nicht einfach auf meinem Teppich zusammengebrochen wäre. In dem Moment, als Hanna ihn erwähnt und mir somit, ohne es zu wissen, den Boden unter den Füßen weggerissen hat. Im wortwörtlichsten Sinne.
Ich weiß nicht, wie lange ich nur da liege, vor mich hin starre, ohne etwas zu sehen, und mich nur darauf konzentriere, ruhig weiterzuatmen. Sekunden, Minuten, Stunden. Von mir aus hätten es Tage sein können. Aber das ist dann doch eher unwahrscheinlich.
Irgendwie hat Hanna ja schon recht. Auch wenn es sich für mich nicht so anfühlt, sind schon ganze zwei Jahre vergangen. Dennoch ist der Klumpen um mein Herz noch immer da. Es kam weder jemand anders, der ihn kleiner werden ließ, noch konnte ihn die Zeit schmelzen.
Aber trotzdem habe ich es geschafft, ihn zumindest so weit zu ignorieren, dass ich damit leben konnte. Und genau das werde ich weiter tun. Das werde ich weiter tun müssen.
Ich schlucke einmal, dann krabbele ich unter meiner Decke hervor und gehe in die Küche, um mir einen Tee zu machen. Etwas Heißes wird mir helfen, dieses Tief zu überstehen. Und dann mache ich so weiter, wie ich es immer getan habe.
Mit meinem Pfefferminztee setzte ich mich wieder zurück auf mein Sofa, breite die kuschelige Decke über meine Beine und mache den Fernseher an. Es läuft nichts Spannendes, aber es ist auf jeden Fall eine gute Ablenkung, selbst wenn ich nicht voll dabei bin. Vorsichtig trinke ich einen Schluck und merke, dass ich mich langsam wieder beruhige. So schlimm wie heute war es schon lange nicht mehr. Aber ich versuche ja auch, nicht an ihn zu denken, weil ich genau weiß, wie schlecht ich das ertrage. Nur Hanna weiß das eben nicht. Aber für den Moment geht es mir ja jetzt wieder gut.
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Short stories
Short StoryEinfach einige kurze Geschichten über alle möglichen Dinge, die mir im Kopf herumspuken. Natürlich würde ich mich freuen, wenn ihr mir ein kleines Feedback dalassen könntet. :-) Auch Hinweise auf Rechtschreib- oder Logikfehler nehme ich gerne an. H...
