"Und nun, einen kräftigen Applaus für Team Ravenclaw!", ertönte die Lautsprecherstimme von draußen und kurz darauf hörten wir lautes Gejohle. Die Türen zum Spielfeld öffneten sich ein bisschen zu dramatisch für ein einfaches Freundschaftsspiel, doch wir allen schwangen uns auf unsere Besen und stießen uns vom Boden ab.
Die Menge hörte gar nicht mehr auf mit ihrem Rumgeschreie, sodass ich Schwierigkeiten hatte dem Moderator weiter zuzuhören.
"Heute ist das erste Spiel für Lianne Groundwick seit ihrem Sturz vor zwei Monaten - also viel Glück an alle... und so." Es war mir unangenehm, dass so eine große Sache aus dem Sturz gemacht wurde und ich merkte wie ich errötete. Mein Blick glitt über die Zuschauerränge. Endlich konnte ich den Sprecher in der Menge ausmachen und sah zu ihm rüber. Es war ein Hufflepuff - 3. oder 4. Jahr vielleicht. Obwohl der Frühling sich schon von seiner besten Seite zeigte, trug er unter seinem Umhang einen Pullover und den passenden gelben Hufflepuffschal, welcher leicht über die linke Schulter geworfen war.
Er sah, dass ich ihn beobachtete und warf mir ein unsicheres Lächeln zu, dann hob er noch den Daumen und seine Lippen formten ein stummes "Viel Glück" .
Madame Hooch stand schon unter uns auf dem Feld und bereitete sich auf das Spiel vor.
Ich war seit meinem zweiten Jahr die Sucherin für mein Haus und hatte mich seitdem sehr gut entwickelt. Harry war damals eine große Konkurrenz gewesen, aber bereits im zweiten Jahr hatte ich ihn mit meinem Können überholt und im vierten Jahr hatte er mit dem Spielen aufgehört.
Durch meine Freundschaft zu Luna Lovegood war ich dem berühmten Trio immer näher gekommen und es entwickelte sich auch zwischen uns eine Freundschaft, die ich sehr zu schätzen wusste. Ich merkte schnell wie geschafft Harry von der ganzen "Du-bist-der-Auserwählte"-Nummer war und wie sehr es ihn belastete das Voldemort immer noch sein Unwesen trieb.
Zwar hatte ich schon einige Male an Harrys Seite mitgekämpft, doch ein sehr naiver Teil in mir wollte die Situation einfach nicht wahrhaben. Ich wollte mein Leben glücklich leben, Quidditch spielen und im verbotenen Wald auf die Suche nach magischen Geschöpfen gehen.
Ja, ich wusste, dass ich naiv war, aber es war mir egal. Und trotzdem würde ich immer wieder an Harrys Seite gegen das Böse kämpfen.
Im Moment war die einzige Bedrohung das Team der Slytherins vor mir.
Alle waren bereit und der Schnatz sauste an uns vorbei, so schnell, dass ich ihn fast nicht mehr erkennen konnte, als Madame Hooch's Pfeife ertönte und die ersten Klatscher abgefeuert wurden.
Einen Augenblick lang musste ich mich sammeln. Ich atmete einmal tief durch und flog so schnell ich konnte dem goldenen Bällchen hinterher. Langsam aber sicher überkam mich die gewohnte "Quidditch-Stimmung" und mein Körper wurde von einer wohligen Wärme durchströmt. Es war, als könnte ich die Flugbewegungen der Spieler und der Bälle eine Nanosekunde vorher schon erahnen und so fast immer perfekt ausweichen.
Der Slytherin, welcher am Anfang noch vor mir war hatte mit seiner Kalkulation anscheinend größere Probleme. Er bremste stark ab, um nicht in die Flugbahn eines Quaffels zu geraten und kassierte dafür nur eine Beleidigung der nächstbesten grünen Spielerin.
Flink sauste ich weiter - um die Ringe der gegnerischen Mannschaft, dann über die Schülerränge der Hufflepuffs und dann außen an der bunten Holzverkleidung des Stadions vorbei.
Der Rasen unter mir raste mit einer gewaltigen Geschwindigkeit unter mir her und wirkte beinahe hypnotisierend. Ich merkte meine Abwesenheit. Dass mich das grüne Bett unter mir mehr faszinierte als der Schnatz löste in mir eine Unruhe aus, die mich schnell an Vielem zweifeln ließ. Meiner Zugehörigkeit im Team, in meinem Haus, ganz Hogwarts - alles wurde in diesen paar Sekunden in Frage gestellt. Dann kamen die Bilder. Die starren Schüler und die Kammer des Schreckens, Dolores Umbridge und Dumbledores Armee, die Narben an den Händen der Schüler, Snape, der immer wieder sagte, dass ich niemals einen vernünftigen Zaubertrank brauen könne und Draco Malfoy und seine Schikanen aus den ersten Jahren. Meine Geschwindigkeit war nicht mehr konstant und meine Flugbahn fühlte sich so genauso wirr an, wie meine Gedanken.
Der Schnatz wechselte oft seine Höhe und Richtung, sodass ich mich sehr darauf konzentrieren musste wohin ich flog, um nicht auf dem Boden aufzuschlagen.
Nach einer halben Runde um das Stadion ging es wieder zurück ins Chaos.
Das Gejohle wurde lauter und die Stimmen in meinem Kopf leiser. Gut so, dann konzentriere dich jetzt auf das Spiel.
Roger Davis bekam gerade einen Klatscher in den Bauch gehämmert und stöhnte sichtlich vor Schmerz auf, während Bradley einen Quaffel durch die gegnerischen Ringe warf.
Ein schneller Blick auf die Punktetafel verriet mir, dass wir deutlich mehr Punkte hatten, als die grünen Schlangen.
"Guter Wurf!", rief ich Bradley außer Atem zu, als ich circa auf seiner Höhe war.
Ich spürte meinen Umhang im Wind flattern und das Rauschen in meinen Ohren half mir nicht alles zu verstehen, was um mich herum geschah. So konnte ich die Rufe von der Tribüne ausblenden, genauso wie die gehässigen Sprüche der Slytherin, die vorhin auch schon ihren eigenen Sucher beleidigt hatte.
Im Augenwinkel sah ich einen Klatscher mit hoher Geschwindigkeit auf mich zu rasen und flog eine Schraube um dem Metallball auszuweichen. Er verfehlte mich und wurde direkt danach von meinem Teamkollegen weiter gespielt.
Der Schnatz war jetzt nur noch eine Armlänge von mir entfernt. Er flog geradewegs auf das Mittelfeld zu, was eine gute Chance für mich war aufzuholen. Wie ein Kaninchen schlug der Schnatz haken um den Spielern oder den herumsausenden Bällen auszuweichen.
Ein Klatscher streifte mich an der Schulter, während ich ebenfalls versuchte mich durch die Menge zu kämpfen. Es war wahrlich manchmal wie ein Schlachtfeld und ich war wie eine einsame Kriegerin, ein Geist oder eine Spionin - wie man es halt nehmen wollte. Ich war nicht Hauptbestandteil des Krieges, doch war ich dennoch wichtig und äußerst ausschlaggebend.
Wie ein Nebel lichtete sich das Durcheinander und ich konnte wieder besser sehen.
Der Schnatz war direkt vor mir! Ich kippte den Besen etwas nach vorne, wodurch ich noch etwas näher an die goldene Kugel kam und schnappte sie mir.
Zwischen meiner behandschuhten Hand ragten die beiden Flügel hervor und surrten wild aufgeregt.
Stolz hielt ich die kleine Kugel in der Hand und hörte den Pfiff von Madame Hooch. Ein Blick auf die Punktetafel verriet mir das wir sicher gewonnen hatten. Das Stimmengewirr drang immer lauter zu mir herüber und der Druck in meinen Ohren schwand. Die Lautstärke war beinahe erdrückend und so raumeinnehmend, dass ich am liebsten wegfliegen wollte.
Bradley kam auf mich zu und flog ein paar Pirouetten, bevor er zum stehen kam und wir uns gegenseitig beglückwünschten.
Den restlichen Abend feierten wir in einer einsamen Ecke im Hof.
Roger hatte mal wieder irgendein komisches Gebräu aufgetrieben, welches ich schon öfter im Alkoholschrank meiner Eltern gesehen hatte.
Leider schmeckte es genauso widerlich wie es roch, auch wenn es mit seiner himmelsblauen Farbe ein schöner Anblick war, wodurch es mich reizte, auch etwas von dem Getränk zu kosten.
„Das war ein super Einstieg, Leute!", rief Charlotte laut aus. „Habt ihr gesehen wie ich das dritte mal die Punkte erzielt habe? Das war wirklich filmreif muss ich euch sagen! Oder? Bradley du hast es doch gesehen, oder? Erzähl's den anderen!".
„Ich habe keeeiine Ahnung, was du meinst", lallte dieser nur und alle fingen bei dem verdatterten Gesichtsausdruck von Charlotte an zu lachen.
Trotzig verschränkte diese die Arme und zog einen gespielten Schmollmund. Schnell reichte ich ihr die Flasche, - ein Zeichen der Versöhnung - welche sie schnell ergriff.
Ich blieb noch bis zur Sperrstunde bei meinem Team sitzen und machte mich dann auf den Weg in den Ravenclaw Gemeinschaftsraum. Erstaunlicherweise merkte ich den Alkohol sehr stark, was dazu führte das ich ziemlich oft gegen Gemälde, Statuen oder in die Wand eingebaute Säulen stieß. Gott, ich glaube mir ging es noch nie so schlecht nach dem trinken.
Es war mir total peinlich, mein Vater war Alkoholiker und ich hatte mir schon so oft geschworen nie auf sein Niveau zu sinken. Ich wollte nicht, dass mich jemand sah, weshalb ich mich den zweiten Teil des Weges noch mehr beeilte.
Total betrunken und fast tot von dem anstrengenden Tag fiel ich auf mein Bett und fing mir dafür nur einen irritierten Blick von Luna ein, die mit einem dicken Buch auf dem Schoß in ihrem Bett lag.
Der Schlaf erfüllte mich so schnell, dass ich nicht einmal merkte, wie Luna mich meiner Schuhe entledigte und mich zudeckte.
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Love and War | Hogwarts Fanfiction
FanfictionLianne Groundwick - kurz Lia - ist im sechsten Jahr in Hogwarts, zusammen mit dem berühmten Harry Potter und seinen Freunden. Als der Krieg immer näher rückt, ändert sich viel für die begabte Quidditch-Spielerin und ihr sonst eher entspanntes Lebe...
