Kapitel 1

168 15 5
                                        

Vorsichtig trat sie die Stufen nach oben. Sie war aufgeregt sehr sogar. Heute war es soweit sie bekam ihren eigenen Drachen. Alle anderen ihrer Freunde hatten bereits einen, das sie alle schon älter als 17 Jahre waren. Doch sie, Thalia, die jüngste von allen mit silbernen Haaren und grauen Augen, hatte noch keinen. Sie hatte Angst. Große Angst. Es gibt Geschichten und Legenden sie sagen, dass nicht alle diesen Tag überlebt haben, es wird erzählt dass manche nie zurück kamen. Kurz blieb sie stehen und blickte über ihre Schulter. Sie sah ihre Heimatstadt, Wolkenstein, es wirkte so klein, so winzig kaum größer als ein Flaschendeckel. Sie lebte hier schon seit sie geboren wurde. Um zu den Drachen zu gelangen muss man den Berg der Tausend Stufen erklimmen. Die Hälfte hatte sie bis jetzt geschafft und sie ist schon außer Atem.

Oben angekommen sah sie sich um. Überall nur Felsen, kleinere und größere Steine. Doch weit und breit keine Drachen. "Oh guten Tag, Thalia nehme ich an?", sprach plötzlich eine Stimme. Sie schreckte zusammen, musst sich ein Quiken verkneifen. Steif drehte sich sich der Stimme zu. Ein Mann in einem schneeweißen Gewand saß auf einem der Felsen. Seine golden schimmernden Haare wehten sanft im Wind. Eingeschüchtert nickte sie. "Nun gut Folge mir ich bringe dich zu den Drachen", sprach er mit einer tiefen aber auch ruhigen Stimme und lief in eine Richtung, Thalia folgte ihm. "Bevor wir die Drachen sehen möchte ich dir noch ein paar wichtige Hinweise geben. Drachen sind wild du musst einen von ihnen bezwingen, egal wie. Er muss lernen dir zu gehorchen, dein Diener zu sein. Du musst seinen Willen brechen und ihm deinen Aufzwingen. Ich wünsche dir viel Glück Thalia", sagte er und blieb stehen. Sie scheinen an ihrem Ziel angekommen zu sein. Thalia sah sich erneut um. Vereinzelt konnte man kleine Löcher im Boden ausmachen, die Nester der Drachen. Sie schritt weiter, jedoch gegen ihren Willen. Sie wollte keinen Drachen der ihr dient. Keinen Drachen der alles tut was sie verlangt. Sie wollte überhaupt keinen Drachen, noch nie. Doch sie musste diese Pflicht erfüllen sie musste ihre Eltern glücklich machen. Ein Brüllen riss sie aus ihren Gedanken. Sie sah auf und erkannte eine große schwarze Silhouette, ein Drache. Es wurden immer mehr bis sie alle auf dem Boden landeten. Alle Blicke der Drachen lagen auf ihr. Als sie nach dem Mann suchte merkte sie, er war bereits verschwunden.

Ein feuerrote Drache pirschte an sie heran, bereit sie auf der Stelle zu zerfleischen. Genau rechtzeitig wich sie aus. Ein weiterer Drache schnappte mit seinen riesigen Zähnen mach ihr, auch dem wich sie geschickt aus. Immer mehr Drachen versuchten sie anzugreifen, immer wieder wich sie aus bis sie begann zu rennen. Sie rannte so schnell wie sie konnte. Sie hörte das Blut in ihren Ohren rauschen, spürte die Luft in ihren Lungen brennen doch nichts hielt sie ab um ihr Leben zu rennen, dachte sie. Bis sich ein gigantischer Schatten über ihr ausbreitete und immer größer wurde. Ein Drache stürzte sich auf sie, sie versuchte auszuweichen doch es war zu spät. Seine riesigen, scharfen Klauen bohrten sich in ihre Schultern und drückten sie so zu Boden. Sie schloss die Augen, ließ ihr ganzes Leben noch einmal an ihr vorbeiziehen. Ihre Eltern, ihr Bruder, mehr Familie hatte sie nicht mehr. All die schönen Momente in ihrem Leben tauchten in ihrem Kopf auf. Sie wartete auf einen Schlag der Kreatur doch es passierte nichts, sie spürte nur einen heißen Atem. Vorsichtig öffnete sie ihre Augen. Direkt vor ihrer Nase befand sich der Kopf eines weiß leuchtenden Drachen mit silbergoldenen Hörnern. Er tat ihr nichts, sah sie nur an, wie sie ihn. Plötzlich wollte sie ein lilaner Drache angreifen doch der weiße stellte sich beschützend vor sie und brüllte. Die anderen anwesenden Drachen schienen Angst vor ihm zu haben und zogen sich eingeschüchtert zurück. Hier war sie nun. Alleine mit einer Kreatur die sie jeden Moment töten könnte ihr stattdessen aber das Leben gerettet hatte.

Langsam und mit majestätischen, beinahe schwebenden Bewegungen schritt der Drache ein paar Schritte zurück. Auch Thalia ging einige Schritte nach hinten. Nun hatte sie die Möglichkeit ihn genauer zu betrachten. Der Drache war wirklich riesig, mit weißen, Schuppen, welche leicht silbern schimmerten. Auf seinem Kopf trug er zwei große goldsilberne Hörner wie eine Krone. Ein merkwürdiger Aufschwung von Mut brachte sie dazu, ein paar Schritte nach vorne zu laufen und ihre Hand auszustrecken. Der Drache beobachtete sie eindringlich und schnüffelte an ihrer Hand. Was er dann tat war überraschend. Er senkte seinen riesigen Kopf und legte ihn an ihre Handfläche. Sie begann ihn vorsichtig zu streicheln was er scheinbar genoss denn er gab schnurrähnliche Geräusche von sich. Leicht lächelte sie, sie hatte ihren Drachen gefunden.

Die Sonne berührte bereits den Horizont. Viel zu schnell verging die Zeit, sie musste wieder zurück, mit dem Drachen. "Komm wir müssen nach Hause Mutter mach sich bestimmt schon Sorgen um mich", als würde der Drache sie verstehen stand er auf und folgte ihr wie ein kleiner Hund. Doch das war er auf keinen Fall, er war ein Drache, mächtig, gefährlich, wild und unabhängig das dürfte sie unter keinen Umständen unterschätzen. Das war eine ihrer Sorgen. Die andere war wie ihre Familie auf das Wesen reagieren würde. Sie schätzte es würde eine lange Nacht für die beiden werden.

Thalia und das Geheimnis der DrachenHistórias para pegar e não largar. Descubra agora