Samuel 1

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Eswar später Herbst und es hatte gerade angefangen zu schneien. Ich liebte denWinter, obwohl er viele Gefahren mit sich brachte, aber welche Jahreszeit tat diesnicht? Es gab den Sommer und es gab den Winter. Es schien so, als ob das Einedas andere jagen würde. Aber es gab ebenso Herbst und Frühling. Manchmal kamenmir Sommer und Winter wie Leben und Tod vor. Der Sommer war das harte Leben undder Winter der süße Tod. Ich mochte den Tod, und damit war ich der Einzige in derGemeinschaft am Baum. Sie hielten mich alle für einen Narren, einen der nichtswusste, einen Dummkopf, einen Nichtsnutz, einen, der den Baum in den Todschicken könnte mit seinem wirren Gerede. So jemand war ich offenbar. Aber dasstimmte nicht. Wer konnte besser im Winter überleben? Ich oder der Baum?Natürlich ich. Weil ich mich in der Natur auskannte und das Lesen für michentdecken konnte. Wenige konnten lesen oder schreiben und noch weniger wusstenvon der Existenz der Bücher. Aber anstatt mir Glauben zu schenken, beschlossensie, einem ihrer eigenen Gemeinschaft nicht zu trauen. Wie konnte man nur soidiotisch sein? Es hätten weniger Menschen sterben können, aber sie hatten ihreChance gehabt. Ich würde ihnen nicht mehr helfen. Aber anstatt, dass ich in derNatur oder in der Stadt bliebe, oder einfach irgendwo andershin ginge, zog esmich immer wieder zum Baum zurück. Diese Menschen bedeuteten mir nichts, aberich liebte es verhasste Menschen leiden zu sehen. Eine dicke Schneeflocke fielmir ins Auge. Fast hätte ich angefangen zu fluchen, doch ich konnte mich nochzurückhalten. Ich drehte mich um und sah Fußabdrücke hinter mir im Schnee. Eswaren meine und die meiner Hyäne, Rafal. Wir kannten uns seit Kindeszeiten.Unsere Begegnung ist eines der schönsten Erinnerungen, die ich hatte. Damalswar es tiefster Winter. Zu dieser Zeit fiel der Schnee schnell. Dieses Jahr warer aber sehr spät gekommen. Ich drehte mich wieder um und fokussierte mich aufmein Ziel. Die Stadt. Wir lebten ein gutes Stück von der Stadt entfernt. Keineram Baum traute sich in die Stadt. Na gut, was wollte man in der Stadt? Siebestand nur noch aus Ruinen. Die meisten hatten eine gewisse Ehrfurcht vorStädten, aber Rohstoffe nahmen alle gerne an. Die Leute hatten keine Ahnung vomLeben in der Natur. Vor allem nicht im Winter. Im Winter gab es nur Bäume. Alleanderen Pflanzen gab es nicht, denn die waren im Herbst alle verschwunden. ImHerbst, der nur eine ganz kurze Zeit dauerte. Im Herbst, wenn die Sonne verschwand.Nur wer wusste, wo es Essbares zu finden gab, konnte ohne Vorräte den hartenWinter überleben. Plötzlich roch ich Feuer. Ich drehte mich um 76° und sahRauch aufsteigen. Was da wohl war? Ich änderte meinen Kurs und ging in Richtungdes Feuers. Als ich angekommen war, sagte ich Rafal, er sollte hinter einemBusch auf mich warten. Sicher war sicher. Gehörig tat er was ich ihm befohlenhatte. Ich ging noch ein paar Schritte weiter auf die Person zu. Ichbeobachtete den Fellhaufen einige Zeit, bis ein Pferd den Fellknäulabschleckte. Es schreckte hoch, sah sich um und sagte: „Schicksal, was solldas? Warum weckst du mich einfach?" das Pferd hieß offensichtlich Schicksal.Der Fellknäul von vorher sah jetzt eher wie ein weibliches Geschöpf aus, daraufdeutete auch die weiblich klingende Stimme. Jetzt sah sie in meine Richtung.Irgendwie blickte sie verwirrt drein. „Was willst du hier?", frage sie, dochich antwortete ihr nicht. Ich wollte abwarten. Nur das Knistern des Feuers warzu hören. Sie machte einen Schritt auf mich zu und ich tat es ihr gleich. Sieriss Ihre Habseligkeiten an sich, was ich für völlig unnütz hielt. Ihr Pferdlegte seine Nase auf ihre Schulter, als gäbe er ihr so Mut und Kraft. „Habkeine Angst!", meinte ich mit von der Kälte rauer Stimme. Es dauerte einbisschen, bis sie mit etwas eingerosteter Stimme fragte: „Wer bist du?"„Freunde nennen mich Sam", gab ich zurück. Ein bisschen verwirrt fragte siemich, was ich wollte. Meine Antwort war nur, dass ich gerne neue Leutekennenlernte und stellte ihr dieselbe Frage. „Ich wollte nur ein entspanntesNickerchen halten. Dann bist du gekommen und hast mich geweckt!", gab sie mirzurück. „Wie heißt du überhaupt?" Sie ächzte beim auf den Boden fallen undkuschelte sich wieder in ihren Schlafsack zurück. „Amalia", murmelte sie.Vorsichtig fragte sie, ob ich mich setzen wollte. Mit einem kurzem „Danke" ließich mich ein Stückchen von der Wärme entfernt in den Schnee nieder. Zum einen,weil ich es als höflich empfand etwas Abstand zu dem sichtlich etwaseingeschüchterten Mädchen zu halten, zum anderen, weil ich die Wärme ohnehinnicht sehr schätzte. Sie erkundigte sich, woher ich kam. Dabei stieß sieDampfwolken aus. „Vom Baum" war meine Antwort. „Aber ich bin selten dort. Ichwar gerade am Weg in die Stadt", fügte ich noch hinzu. „Von dort komme ich.Kein schönes Pflaster. Sie haben wiedermal eine ihrer Straßenschlachten.Schlagen sich die Köpfe ein, nur wegen ein paar Metern hin oder her. Ich andeiner Stelle würd' umdreh'n." Es kamkeine Antwort von meiner Seite, ich sah sie nur weiter aufmerksam an. Sichtlichunsicher wand sie sich, denn ich starrte sie immer noch an. Irgendwann ranntenihr Tränen über die Wangen, doch sie gefroren schnell. „Ist alles Okay beidir?", erkundigte ich mich, doch es sah definitiv nicht so aus.

Nach EndeWhere stories live. Discover now