Es war noch früh am Morgen, als Narcissa im Kaminzimmer am Fenster stand, den parkähnlichen Garten des Manors betrachtete und ihren Gedanken nachhing. Dies war ihr Lieblingszimmer, ihr Rückzugsort, in Zeiten wie diesen. Es lag im Westflügel und gehörte zu ihren eigenen privaten Räumen. In letzter Zeit war sie oft hier. Lucius war häufig unterwegs, um Befehle des Lords auszuführen und nicht selten hatte Narcissa einfach nur Angst, dass er nicht zurückkehren würde. Die Aufträge häuften sich, genau wie die Streitereien der Eheleute.
Narcissa seufzte leise und betrachtete eines der Gemälde über dem Kaminsims. Es war ein Portrait, das an ihrem Hochzeitstag angefertigt worden war. Ein Gemälde aus friedlicheren Zeiten, bevor Lucius ... Nein, darüber wollte sie jetzt nicht nachdenken.
Sie selbst war den Todessern, wie sie sich nannten, nie beigetreten. Selbstverständlich hatte sie ähnliche Ansichten wie der Dunkle Lord. Was sich heute alles als Zauberer und Hexen bezeichnen durfte, war eine Schande und sie war sehr stolz auf ihre Herkunft. Das Haus Black gehörte schließlich zu einer der ältesten und angesehensten Reinblutfamilien. Die Verbindung mit der Familie Malfoy war tadellos und durch ihre Heirat vor zwei Jahren wurde sie selbst endgültig zum Stolz ihrer Eltern. Trotz allem gab es in ihrem Hinterkopf eine kleine Stimme, die ihr immer öfter zuflüsterte, dass dieser Krieg nicht der richtige Weg war, um die Muggel und Schlammblüter auf ihren Platz in der Gesellschaft zu verweisen.
Sie beobachtete die weißen Pfauen, die von Lucius' Vater gezüchtet worden waren. Abraxas Malfoy war es auch, der seinem Sohn, ihrem Mann, bereits während seiner Schulzeit vom Dunklen Lord berichtet und ihn überzeugt hatte sich diesem anzuschließen.
‚Zu dumm, dass er vergessen hatte, die Grausamkeiten und Brutalität dieses Kreises zu erwähnen', dachte Narcissa verbittert, aber es war zu spät sich darüber Gedanken zu machen. Lucius war mittlerweile die rechte Hand des Dunklen Lords und auch wenn Narcissa diesem Wesen gegenüber eher misstrauisch war, unterstützte sie ihren Mann in allem was er tat.
Es war ruhig im Manor. Eine friedliche Stimmung, die das Gefühl vermittelte, als wäre die Welt vollkommen in Ordnung. Ein Hohn, wenn man daran dachte, in was für Zeiten sie lebten.
Sie wurde jäh aus ihren Tagträumen gerissen, als die Tür aufging und ein fröhlich vor sich hin brabbelnder Draco auf sie zu tapste. Narcissa lächelte bei diesem Anblick. Sie hob ihn hoch und drückte ihm einen Kuss auf die Wange.
„Alles Gute zum Geburtstag, mein kleiner Schatz", sagte sie.
Sein erster Geburtstag. Wie schnell doch die Zeit verging. Sie erinnerte sich noch sehr gut an den Tag, an dem sie Draco zum ersten Mal im Arm gehalten hatte. Und an die stolze Miene von Lucius, der den Kleinen voller Liebe angeblickt hatte. Wie gerufen erschien schließlich der Hausherr und gesellte sich zu ihr, eine Hand hatte er hinter seinem Rücken verborgen.
„Was versteckst du da, Lucius? Die Geschenke für Draco liegen doch alle im Salon."
„Lass dich überraschen, Cissy", zwinkerte er ihr zu und drückte ihr einen Kuss auf die Schläfe, bevor er Draco ebenso herzlich begrüßte. Das war einer der Augenblicke, in denen Narcissa einfach nur glücklich war. Sie und Lucius, zusammen mit Draco. Eine perfekte kleine Familie.
‚Vielleicht ist die Welt ja doch in Ordnung', dachte sie sehnsüchtig.
Die kleine Hauselfe, die Draco hergeführt hatte, stand noch immer im Türrahmen. „Twinky, geh in die Küche und sorge dafür, dass das Frühstück im kleinen Salon serviert wird", befahl Lucius in seinem üblichen arroganten Tonfall.
„Jawohl, Herr", piepste Twinky, verbeugte sich und verschwand beinahe lautlos aus ihrem Sichtfeld. Draco zappelte währenddessen auf dem Arm seiner Mutter, sodass sie ihn behutsam wieder absetzte, Er konnte einfach nicht lange still sitzen, dafür war die Welt um ihn herum einfach viel zu interessant und gerade in diesem riesengroßen Manor gab es viel zu entdecken. Bevor er allerdings aus dem Raum laufen konnte, hielt Lucius ihn auf und holte ein längliches Päckchen hinter seinen Rücken hervor.
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Von guten Menschen und Todessern
FanfictionKein Pairing! - Nach der Rückkehr des Dunklen Lords droht der Zaubererwelt ein erneuter Krieg und die Rollen scheinen dabei klar verteilt zu sein. Während Tonks voller Überzeugung für den Orden des Phönix kämpft, wird Draco allmählich bewusst, was e...
