1▪Rückkehr

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Kathlyn

Nun stand ich wieder hier.

Inmitten des Trubels von New York.

Menschen um mich herum, viele die sich beeilten um irgendein Meeting nicht zu verpassen, einige andere die am telefonieren waren und sich über Sachen wie dem Wohlbefinden des Gesprächspatners oder über persönliche Anliegen unterhielten. Die fahrenden Autos, das häufige Gehupe und der Duft der Abgase. Die hohen Gebäude und die großen Fenster, welche Sicht auf das Innenleben der Häuser gaben. Der frische Wind und die Menschenmassen.

Mein New York.

Seit neun Jahren hatte ich keinen Fuß mehr in diese Stadt gesetzt. Seit neun Jahren fehlte mir alles, was ich hier zurücklassen musste. Neun Jahre und heute bin ich endlich wieder hier.

Langsam öffnete ich meine Augen und vor mir erstreckte sich ein riesiges Hochhaus.

"Mein zukünftiges Zuhause", murmelte ich leise vor mich hin.

Mit langsamen Schritten trat ich zum Eingang, den Griff des Koffers in meiner Hand haltend. Gerade noch war ich im Flugzeug und konnte einen Gesamtblick über New York erhaschen, alles wirkte so klein und winzig. Doch jetzt war alles so groß, hoch und imposant.

Neben der großen Tür waren viele Klingeln zu erkennen, doch ich suchte nach einer ganz bestimmten.

Wie hießen die noch gleich? 'Ashton'? Meine schon..

Nachdem ich einige Minuten damit verbrachte, den Namen 'Ashton' zu finden, entdeckte ich ihn auch schon in der untersten Ecke.

Okay, einfach klingeln. Du schaffst das schon. Einatmen, ausatmen.

Nervosität stieg in mir auf. Es war ein komisches Gefühl hier zu stehen. Gleichzeitig freute ich mich aber auch darauf, endlich ein neues Kapitel in meinem Leben zu beginnen.

Ich musste einfach raus aus Phoenix. Die Stadt hat mich verrückt gemacht. Diese Erinnerungen machten mich verrückt.

Der Gedanke ließ mich erschaudern. Nie wieder würde ich wieder einen Fuß in diese Stadt setzen. Nie wieder will ich mich an die Zeit dort erinnern. Ich will vergessen, was passierte. Nur er war mir noch wichtig.

Einatmen.

Ich schob den Gedanken beiseite. Was jetzt zählte, war nur der Gedanke, ein neues Kapitel in meinem Leben zu beginnen. Hier in New York. Nach nun neun unendlich langen Jahren.

Ausatmen.

Vorsichtig klingelte ich und drückte zweimal auf den Schalter.

Einige Minuten vergingen und hilflos stand ich vor dieser Tür.

Oh nein, sagt mir bitte nicht, dass beide nicht zu Hause sind. Gleich öffnet sich das Schloss bestimmt. Hoffentlich.

Die Nervosität in mir stieg weiter auf. Um nicht unbehaglich dort zu stehen und zu warten, klingelte ich ein weiteres mal, länger.

Plötzlich ertönte eine weibliche Stimme aus dem Lautsprecher neben den ganzen Anschriften: "Hallo?". Neben dem Klang der Neugier, schien sie schwer zu atmen, als hätte sie sich beeilt.

Quinn. Das war dann wohl vermutlich Quinn Ashton.

Erleichtert atmete ich aus. "Hallo, hier ist Kathlyn. Kathlyn Wells", sagte ich relativ ruhig und leise, doch meine Hand spannte sich an und meine Findernägel bohrten sich in meine Handfläche.

"Ach, Kathlyn! Warte,ich öffne dir eben die Tür", entgegnete sie, als auch schon ein Klicken hörbar wurde und mir signalisierte, die Tür war offen. "Wir wohnen im fünften Stock", waren Quinns letzten Worte als ihre Stimme nicht mehr zu hören war.

Ich musste schmunzeln. Mein neues Leben würde ab heute anfangen. Die Freude überwog das Gefühl von Nervosität und Unbehagen.

Mache das beste daraus, bleib positiv.

Das hätte er mir jetzt gesagt, doch er war in Phoenix.

Schwer schluckte ich den Kloß in meinem Hals hinunter, welcher sich bei dem Gedanken an ihn gebildet hatte. Es würde mich noch verrückt machen. Ich habe ihn verlassen, er wollte es so, ich konnte neu anfangen. Er wollte, dass ich zurückkehre, wenn ich alleine war. Er würde bei mir sein. Im Herzen. Ein schwaches Lächeln schlich auf meine Lippen.

"Ich liebe dich", flüsterte ich vor mich hin. Doch ich vermisste ihn auch. Und jetzt war ich wieder hier. Bereit ein neues Leben zu beginnen und meine Vergangenheit hinter mir zu lassen. Es war die richtige Entscheidung.

Ich zog an der Eingangstür, mit Vorfreude auf das, was mich die nächsten Tage erwartete.

Die Tür jedoch ließ sich nicht öffnen, weswegen mir ein kleines "Mist" entfloh und die Angst, sie wäre wieder verschlossen wurde präsent. Wieder versuchte ich die Tür aufzuziehen, doch es klappte wieder nicht.

Ich trat einen Schritt zurück und erkannte ein kleines Schildchen über der Klinke, das besagte "Drücken".

Innerlich klatschte ich mir gegen die Stirn. War ja klar, dass so etwas wieder mal ausgerechnet mir passieren musste.

Also drückte ich gegen die Tür und voilà, sie öffnete sich. Schlendernd lief ich in die Eingangshalle, welche nicht sonderlich belichtet war, und entdeckte vor mir einen Aufzug an dessen Tür ein Schild hing, worauf man klar und deutlich ein "Außer Bertieb" lesen konnte. Neben dem Aufzug befand sich die Treppe von der man nur die ersten paar Stufen sehen konnte, dann verschwand sie auch schon hinter dem Aufzug.

Zu meiner Rechten befanden sich unzählige, schmale Briefkasten, manche überfüllt, andere wiederum leer.

Die grauen Fliesen und die weißen kahlen Wände ließen den Flur kahl und trist wirken.

Wirklich sehr einladend. Schmeichelhaft.

Ich setzte mich in Bewegung, lief in Richtung der Treppe. Das würde jetzt ein schöner Marsch werden. Besonders mit dem 25 Kilogramm schweren Koffer.

Super.

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