Kapitel 19: David

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Erschrocken drehe ich mich um und schaue in das Gesicht von David. "Was ist vorhin zwischen Christoph und dir passiert?", eindringlich und kalt schaut er mich an. Ich möchte mich aus seinem Griff befreien, doch er lässt mich nicht los. "Du tust mir weh...“, doch trotzdem lockert er seinen Griff nicht.“Ich will jetzt sofort wissen, was zwischen euch beiden passiert ist! So habe ich ihn seit damals nicht mehr erlebt. Was hast du ihm angetan?" "Was ich ihm angetan habe? Was meint David damit...?" Ich versuche ihm in die Augen zu schauen, doch sein Blick lässt mir das Blut in den Adern gefrieren. "Ich... Ich habe nichts getan. Also, ich weiß es nicht. Wir haben geredet und dann hat er mir eine Frage gestellt und ich habe sie ihm beantwortet. Danach ist er einfach aus dem Zimmer gestürmt und hat mich stehen lassen. Ich.." "Worüber habt ihr geredet? Mensch Scarlett, das hier ist wichtig." "Ich weiß, dass es wichtig ist, doch ich möchte es David nicht erzählen. Es war der erste wahre Moment zwischen mir und Christoph. Ein Moment der uns gehört... Und außerdem weiß ich doch gar nicht, ob Christoph überhaupt möchte, dass die anderen wissen, worüber wir geredet haben... Ansonsten hätte er es ihnen doch auch selber erzählen können, was er nicht getan hat...“, ich spüre wie mir Tränen in die Augen kommen und ich mich sehr unwohl fühle. "Warum immer ich? Seitdem Tayler mich betrogen hat läuft einfach nur alles schief. Warum?" "Scarlett?", David legt mir eine Hand ans Kinn und zwingt mich ihn anzublicken. "Hey... Tut mir leid, dass ich so aufdringlich war, aber ich mache mir wirklich Sorgen um Christoph, verstehst du? Als das damals passiert war... Diese Zeit war wirklich heftig. Und so wie er heute Abend drauf war... Bitte Scarlett, rede mit mir." Und in diesem Moment kommen die Tränen aus mir heraus, ohne dass ich eigentlich genau weiß weshalb. David seufzt und nimmt mich in seine Arme. Sacht streichelt er mir über den Rücken und versucht mich zu beruhigen. All der Druck der die letzten Wochen entstand entleert sich in diesem Moment von meinen Schultern. "Komm, lass uns hochgehen und du erzählst mir alles in Ruhe...", sachte zieht mich David mit sich und zum ersten Mal verstehe ich, warum Brooke so auf ihn steht...

Wir liegen zusammen auf seinem Bett und David hatte seine Arme um mich gelegt. Es dauert noch eine ganze Weile bis ich mich beruhige und nicht mehr schluchze. "Möchtest du mir jetzt erzählen, was vorhin zwischen euch passiert ist?" Ein letztes Mal Schluchze ich, doch dann fange ich an zu erzählen: "Er hat mir die Geschichte von Miranda erzählt. Also wirklich alles. Und danach hat er gefragt, ob ich wirklich eine Beziehung mit ihm haben möchte. Und ich war in diesem Moment einfach Überrascht von der ganzen Situation. Ich habe nicht damit gerechnet, dass er so ehrlich zu mir sein wird und mich dann vor diese Wahl zu stellen. Weil, ich meine wir kennen uns ja nicht wirklich und trotzdem öffnet er sich so für mich. Warum? Ich verstehe es nicht. Auf jeden Fall hatten wir danach einen ganz kurzen Augenblick, aber in diesem Augenblick wusste ich, ich möchte eine wirkliche Beziehung mit ihm haben. Und das habe ich ihm auch gesagt... Doch dann... Dann ist er einfach raus gestürmt und hat mich stehen lassen. Er war ganz bleich und... Aber weißt du... Er hat mich doch die freie Wahl gelassen. Er meinte, ich solle mich entscheiden. Und dann habe ich es getan und dann... David warum? Warum hat er so reagiert?" Ich lehne mich zur Seite und schaue David direkt an. Ich sehe wie er nachdenklich die Decke anstarrt und sich seine Halsschlagader hervorhebt. Die Minuten vergehen, doch er sagt kein Wort. Niedergeschlagen lege ich mich wieder zurück auf das Bett und starre ebenfalls die Decke an...

"Weißt du was ich glaube?", erschrocken zucke ich zusammen und schaue ihn an. "Nein, was?" "Ich glaube...", unsicher schaut er mich an und verfällt in ein neues Schweigen. "Warum kann er es nicht sagen? Was ist es schlimmes, was ich ihm angetan habe?" Ich sehe wie er tief ein und aus atmet und dann endlich weiterspricht: "Ich glaube er hat Angst." Verwunder ziehe ich die Augenbraunen zusammen. "Angst?" "Ja... Als er sich das letzte Mal für eine Person geöffnet hat wurde er furchtbar verletzt. Und du sagt es, ihr beide kennt euch eigentlich gar nicht und deswegen weiß er nicht, was passieren wird. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum er dir die freie Wahl gelassen hat, doch er hat es. Und eigentlich muss er jetzt auch mit dne Konsequenzen leben, aber ich möchte dich um etwas bitten Scarlett. Ich weiß nicht, was gerade in ihm vorgeht. Dieses Gespräch gestern hat ihn wirklich durcheinander gebracht. Und ich bitte dich darum, gib ihm Zeit. Ich weiß, dass er dich mit seiner Reaktion verletzt hat, denn du hast dich ja auch ein Stück weit für ihn geöffnet. Trotzdem, geb ihm bitte die Zeit die er braucht, ja?" Nachdenklich schaue ich ihn an, doch komme schnell zu einem Entschluss. "Natürlich gebe ich ihm die Zeit. Ich denke wir sollten uns einfach erst einmal kennen lernen. Ganz normal. Wer weiß? Vielleicht werden wir hinter her, viel bessere Freunde. Wir müssen einfach schauen, was die Zeit bringt." "Danke.", dankbar sieht mich David an und ich merke, dass es ihm wirklich wichtig ist. "Kein Problem. So und ich geh jetzt mal schlafen, schließlich geht es  morgen ja gleich weiter nach Birmingham." "Alles klar. Gute Nacht."

Ich liege in meinem Bett, doch wälze ich mich von einer Seite auf die andere. Meine Gedanken schwirren mir wild im Kopf herum und ich bekomme einfach kein Auge zu. Schließlich entschließe ich mich dazu aufzustehen und oben auf die Dachterrasse zu gehen um frische Luft zu schnappen und einen klaren Kopf zu bekommen.

Ich öffne die Tür und kühle Luft streichelt mir über das Gesicht. Dankbar trete ich nach draußen und gehe auf den Rand zu. Ich lehne mich an das Geländer und schaue auf das schlafende London herab. Sofort merke ich, wie sich ein innerer Frieden über mich legt und ich mich anfange zu entspannen. So stehe in da, bis ich Schritte hinter mir höre. Irritiert drehe ich mich um und sehe eine schwarze Silhouette auf mich zu kommen. Als die Person näher kommt, erkenne ich Christoph. Ein Lächeln gleitet über seine Lippen und er stellt sich neben mich. "Schön hier oben, oder? Ich finde es irgendwie beruhigend auf die schlafende Stadt zu schauen. Man kann übrigens auch wunderbar dabei nachdenken." "Ja, dass stimmt.", gebe ich zu und schaue wieder auf die Stadt herab. So stehen wir da, doch es fühlt sich nicht unangenehm an. Wir machen es gemeinsam und es ist nicht nötig, dass jemand von uns spricht. Doch irgendwann durchbricht Christoph diese Stille. "Scarlett, ich möchte mich bei dir Entschuldigen. Ich war vorhin nicht fair zu dir gewesen und das tut mir leid. Ich habe dich vor die freie Wahl gestellt und sie am Ende nicht akzeptiert." "Ach was, ist doch kein Problem", unterbreche ich ihn, doch er redet weiter. "Ich finde deine Entscheidung gut. Sie freut mich wirklich. Ich bin schon ganz gespannt darauf, dich wirklich kennen zu lernen. Aber..." "Moment? Wovon spricht er da gerade? Er freut sich... Aber trotzdem hat er so reagiert? Das passt doch einfach nicht zusammen!" "Was aber?", ich schaue ihn jetzt an und sehe, dass ihm die nächsten Worte sehr schwer fallen. "Ich sollte dir das eigentlich gar nicht sagen, weiß du. Aber als ich vorhin mit Matt geredet habe, da... Er... Ach verdammt!" "Christoph, rede mit mir!", eindringlich schaue ich ihn an und sehe wie er vor mir zurückweicht. "Er liebt dich. Er hat dich schon immer geliebt. Und er... Er hat es Tayler gesagt und Tayler hat deswegen eure Beziehung extra beendet, weil er hofft, dass du jetzt mit Matt zusammen kommst. Der dich wirklich über alles liebt..."

Gerüchte, jeder liebt sie, jeder verbreitet sieWhere stories live. Discover now