1. Kapitel - Wolfsterritorium

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Ich saß an meinem Schreibtisch vor dem Fenster und zeichnete. Zeichnen war etwas, was ich liebte, von klein auf.

Gerade malte ich eine Erinnerung aus meiner Kindheit. Die Berge weißen, eisigen schneebedeckten Gipfel von Grönland.

Ich war allerdings nur wenige Jahre dort gewesen. Dann sind meine Eltern mit meinem Zwillingsbruder North und mir nach Amerika gegangen. Ich hatte nie verstanden, wieso.

Hier mussten wir aufpassen, vor allem hier konnten wir nie uns verwandeln. Unser Wesen mussten wir geheim halten.

Es klopfte vorsichtig an der Zimmertüre und ich blickte mich um.

Vorsichtig ging die Türe auf und Julie kam herein.

Eine wunderbare Frau. Die mir in den neun Jahren eine große Hilfe gewesen ist.

Sie war meine Pflegemutter. Da meine Eltern gestorben waren.

Genau genommen getötet worden. Von unseren eigenen Leuten.

Ich wäre auch beinahe gestorben, hatte aber dank der Hilfe meines Bruders überlebt. Hatte aber für immer ein Zeichen für dieses Ereignis an mir.

Von meiner linken Wange, über den Hals bis zu meiner Schulter waren die Kratzspuren des Wolfes zu sehen der versucht hatte mich zu töten. Mein Bruder war eingeschritten, hatte dafür sogar seine menschliche Seite geopfert. Seinen Mondstein hatte er zerstört, um sich in einen Wolf verwandeln zu können. Er hatte den Angreifer töten können und mich wegschleppen. Unseren Eltern hatte er leider nicht helfen können.

Damals war ich Acht Jahre alt gewesen.

Mein Bruder hatte mich vor ein Krankenhaus bringen können.

Wir waren unabsichtlich so in das Territorium der Rocky Moutains Wölfe gekommen, was uns im Nachhinein auch das Leben gerettet hatte.

Anstatt uns zu töten, nahmen sie uns in ihrem Rudel auf. In einem Rudel, das zu dem Mächtigsten und größten in den Vereinigten Staaten gehörte.

Julie und Tom hatten sich bereit erklärt, mich aufzunehmen.

Sie waren die Einzigen gewesen, die mein Verhalten und mich nicht abschreckend fanden. Sie kümmerten sich um mich, auch wenn ich immer unkooperativ war.

Ich sprach nicht, nicht dass ich es nicht konnte. Ich wollte einfach nicht. Und es war besser, damit ich keine unvermeidliche Fragen beantworten musste. Da ich ein Schneewolf war, hatte ich die blöde Eigenschaft nicht lügen zu können. Also stellte ich mich stumm.

Aber auch wegen meiner Verunstaltung blieb ich stumm. Meine linke Gesichtshälfte war kein schöner Anblick. Ich hasste es selbst mich in einem Spiegel anzusehen, was ich so gut wie ich konnte vermied. Deswegen wollte ich es niemanden anderen zumuten, wenn sie sich mit mir unterhalten wollten. Ich wollte nur in ruhe gelassen werden. Das war alles, was ich wollte.

Julie und Tom war mein Aussehen egal. Sie behandelten mich nicht wie ein Monster, nicht wie ein Biest. Sie sorgten für mich so gut, wie es ging. Sogar meine Leidenschaft für das malen und meine Natur liebe unterstützten sie.

Als Wolf war das so ein kleiner Tick.

Vor allem verbrachte ich lieber Zeit draußen, da ich meinen Bruder traf.

Denn er hatte mich nicht einfach zurückgelassen.

Er war immer bei mir, folgte mir. Egal wohin ich gebracht wurde. Mit ihm verbrachte ich meine Zeit in den Wäldern des kleinen Städtchens Huntsville im schönen Bundesstaat Washington. Ein Städtchen das genau an der Grenze zu einem benachbarten Rudel, den Albereras lag.

New MoonWhere stories live. Discover now