Ach ist das schön. Es ist Sommer und ich habe meinen ersten richtigen Freund. Liebe in der Pubertät ist doch die schönste Liebe. Die Gefühle bringen einen dazu, Dinge zu tun, ohne vorher nachgedacht zu haben, wie z.B. Sex zu haben ohne zu verhüten und anzunehmen das „Lusttropfen" nicht so schlimm seien. Falsch gedacht, wie es sich irgendwann herausstellen sollte.
Am 06. August hatte ich meine letzte Periode. Und es war mein erster Praktikumstag in einem kleinen Laden in einem Einkaufszentrum. Die Wochen vergingen und ich merkte, dass meine Periode auf sich warten lies. Ich redete mir ein, dass es einfach vom Stress kommt und ich sie nächsten Monat bekommen würde. Denn schließlich sind sie schon mal ausgeblieben als ich sie zum zweiten Mal in meinem Leben bekommen sollte. Das erklärte ich meinem Freund genauso. Die Wochen vergingen wieder und in der Zeit bekam ich Anzeichen, wie Müdigkeit, Übelkeit, meine Brüste schmerzten und ich hatte einen richtig großen Appetit auf Döner und das sehr oft in der Woche. Meine Lieblingssüßigkeit war Milka Oreo und Coca Cola Vanille. Ich konnte das alles in Massen verschlingen. Langsam weihte ich meinen Freund ein, dass meine Periode sich wieder nicht blicken lässt. Wir waren beide sehr angespannt, wussten uns aber nicht zu helfen. Unseren Eltern hatten wir Angst etwas zu sagen. Wir würden ja sehr viel Ärger bekommen, schließlich ist das ja keine zerbrochene Vase, sondern ein Lebewesen was in mir immer größer wird. In der Schule habe ich meiner besten Freundin alles erzählt was grade los war. Sie gab mir halt und munterte mich auf. Mir wurde oft schlecht in der Schule und ich musste mich sogar oft übergeben. Zum Glück hatte ich meine Freundin an der Seite, die immer für mich da war. Abholen musste meine Mutter mich auch oft weil es einfach irgendwann nicht mehr ging. Aber sich was dabei gedacht, hat sie sich leider nicht. Die Tage vergingen und ich war zuhause. Es war nämlich Sonntag. Bei uns hatte eine Freundin meiner Mutter übernachtet. Da sie zusammen arbeiteten und sich schon sehr lange kannten, hatten sie gemeinsam von der Arbeit aus eine Feier gehabt und die Freundin hat sich am nächsten Tag nicht wohl gefühlt. Alle schliefen außer mir (nahm ich an) und konnte hören das die Freundin sich in der Toilette übergeben hat. Mir wurde ebenfalls immer schlechter und so bin ich auf die Toilette und musste mich das erste mal zuhause übergeben. In der Hoffnung das meine Mutter denkt, dass es wieder ihre Freundin war. Meine Mutter hörte dies und kam angelaufen. Ich hörte sie nur wie sie zu mir sprach und fragte wann ich meine letzte Periode hatte. Ich antwortete nicht. Als ich dann raus kam fragte sie mich erneuert. Ich fing an zu weinen und antwortete das ich es nicht mehr weiß. Sie weinte ebenfalls. Davor schrieb ich meinem Freund das er kommen soll, weil es mir schlecht ging und als meine Mutter es raus bekam, schrieb ich ihm dass sie alles weiß doch seines Pechs, kam er zu mir ohne es gelesen zu haben. Er wusste anfangs nicht was los sei, bis er den Gesichtsausdruck meiner Mutter sah. Da war ihm alles klar. Wir gingen alle ins Wohnzimmer und besprachen alles was wir nun tun werden. Meine Mutter war vollkommen außer sich und wusste nicht wie sie es meinem Papa und meinen Großeltern sagen soll. Ich antwortete, dass ich das Kind nicht will, wir müssen nichts sagen. Natürlich in so einer Situation denkt man nicht nach und sagt Sachen, die man nicht so meint. Irgendwann durften ich und mein Freund in mein Zimmer gehen und sie dachte in Ruhe nach. In den nächsten Tagen sind wir dann zum ersten Mal zum Frauenarzt und er fragte mich wann meine letzte Periode war. Ich sagte ihm den genauen Tag und da wusste er schon das ich nicht mehr auf den Stuhl muss, weil das Kind schon mit normalem Ultraschall zu sehen war. Als ich auf den Monitor sah, wusste ich nicht ob ich lachen oder weinen soll. Dieses Gefühl war unbeschreiblich schön. Ich sah mein kleines ich in mir. Dieser Moment war unbezahlbar. In diesem Moment wusste ich das ich dieses Baby behalten möchte. Meine Mutter allerdings wusste wie sie reagieren soll. Sie weinte. Der Arzt machte für uns ein Termin in der Münchnerklinik zur Abtreibung. „Wir" hatten Glück das wir so kurzfristig einen Termin bekamen. Nächste Woche soll es soweit sein. Wir gingen nach Hause und ich rief meinen Freund an und sagte ihm, dass ich unser Baby gesehen habe und was meine Mutter vorhat. Er sagte nie was dazu, er meinte nur es sei das beste. Keiner wusste davon nur mein Freund und ich, meine Mutter, ihr Freund und eine Freundin von ihr. Nicht mal die Mutter meines Freundes. Zuhause angekommen, kam auch mein Freund. Wir verbrachten die letzten Tage zusammen und streichelten den Babybauch, den man schon gesehen hat. Der Arzt diagnostizierte die 10. Woche. Ja, so lange haben wir es verschwiegen und nächste Woche wäre es die 11. Woche. Also Glück für meine Mutter, denn ab der 12. Woche durfte man nichts mehr unternehmen. Ich betete auf ein Wunder.
Vor der Abteilung mussten wir noch zu einer Beratungsstelle, um mich auf zu klären und um nochmal zu überlegen, ob ich dies nun wirklich tun möchte. Sowas ist ein muss in Deutschland. Was ich auch sehr gut finde.
Er redete erst mit mir und meiner Mutter und fragte ob ich es behalten möchte und ich verneinte. Dann bat er meine Mutter aus dem Zimmer zu gehen, er möchte mit mir alleine sprechen. Ich bekam Blicke von meiner Mutter, in dem Sinne ich solle die Frage wieder verneinen. Was ich auch tat.
Der Tag ist da. Ich wachte auf und aß eine Kleinigkeit damit mir nicht übel war. Typische morgen Übelkeit wie es im Buche steht. Dann kam der Freund meiner Mutter und wir mussten los. Vor der Klinik angekommen, musste ich mich nach dem aussteigen sofort übergeben. Die Fahrt hat mir zu schaffen gemacht. Wir gingen in die Klinik und warteten bis ich aufgerufen wurde. Im Raum saßen viele junge Mädchen mit ihren Müttern und Vätern. Aber auch viele ältere Frauen. Als mein Name fiel, gingen wir der Dame nach und sie stellte mir Fragen. Die wichtigste, ob ich schon was gegessen oder getrunken habe. Ich sagte ja und erklärte was ich aß. Sie meinte, dann können wir nichts unternehmen, denn vor der Narkose darf man nichts trinken und nichts essen. Es ist eine Vollnarkose und ich könnte Erbrechen, weil ich das Mittel nicht vertragen könnte und es besteht die Gefahr das ich an dem erbrochenem ersticken könnte. Nun gut, mein Wunsch hat sich erfüllt. Den Abend zuvor hatte ich den lieben Gott gebeten mir ein Zeichen zu geben dass ich das nicht machen soll. Und das war das Zeichen. Wie aber es kommen sollte ist, dass wir für den nächsten Tag einen neuen Termin bekamen. Danach wurde nochmal ein Ultraschall gemacht um nach zu sehen ob es noch möglich war. Da bat ich den Arzt mir ein Ultraschall Bild mit zugeben und er gab es mir. Dann fuhren wir nach Hause. Zuhause angekommen weinte ich und bat meine Mutter es nicht zu zulassen. Sie streichelte mir den Kopf und sagte alles wird gut, das muss passieren. Ich wollte es nicht mehr und flehte sie an. Die Antwort war die selbe. Am Abend habe ich mit meinem Freund telefoniert und seine Mama wollte mit mir reden. Sie fragte mich wieso wir ihr nichts gesagt haben und ich sagte das wir Angst hatten. Sie meinte sie findet es schade was wir machen, aber dennoch sagte sie nichts das ich es nicht tun soll. Ich ging zu Bett. Am nächsten Tag fuhren wir ohne zu frühstücken wieder nach München.
Und diesmal war es soweit. Alles wurde vorbereitet und ich wurde in einen Raum gebracht. Umgezogen und gleich aufs Bett. Ich bekam eine Infusion. Dann war es soweit sie brachten mich in den Operationssaal. Beine hoch und „entspannen". Die Narkose wurde mir durch meine Venen verabreicht. Ich fragte noch, wie schnell die Narkose wirken wird und ohne den Satz zu Ende zu sprechen war ich weg. Das nächste was ich gesehen habe war die Zimmerdecke in diesem Raum wo ich vorher war. Meine ersten Worte: Wo ist mein Baby?
Dieses Gefühl war grauenhaft. Mein Unterleib schmerzte und mein Herz noch mehr. Aber nun war es zu spät. Neben mir lag noch eine Frau, sie hatte das selbe durch wie ich und wollte scheinbar nicht abgeholt werden, weil sie nicht wollte, dass es jemand weiß. Trotzdem musste sie geholt werden. Irgendwann durfte ich zu meiner Mutter und wir fuhren heim.
Am nächsten Tag besuchte mich die Mutter meines Freundes und fragte mich wie es mir geht. Sie wollte unbedingt nach mir sehen, ob alles in Ordnung ist. Den Umständen entsprechend.
Was ich mit dieser Geschichte sagen möchte ist, wenn euch sowas passieren sollte. Gebt nicht auf. Wenn ihr das Baby bekommen möchtet, dann steht dazu. Treibt nicht ab. Das geht in die Psyche und ans Herz. Es sind 5 Jahre her und ich wünschte mir ich hätte es nie getan. Wenn euch sowas passiert, sprecht mit euren Eltern, einer Vertrauensperson, eurer besten Freundin oder mit eurem Partner. Versucht eine andere Lösung zu finden. Denn Abtreibung ist niemals eine.
- Mit vollem Herzen dabei, jungen Mädchen zu helfen.
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Mit 16 Mama
De TodoEs geht um ein Mädchen, dass mit 15 schwanger geworden ist. Was alles passiert ist erfahrt ihr, wenn ihr es selbst lest.
