Verschwitzt pustete sich Elma eine Strähne aus ihrem Gesicht und stellte die Mistgabel endlich in die Ecke. "Warm, warm, warm...!" murmelte sie und fächelte sich mit der Hand Luft zu. Im Stall war es ja schon kühl aber noch immer zu heiß. Elma wollte gar nicht rausgehen denn die Hitze würde sie noch umbringen. Generell hatte sie keine Ahnung, was sie hier in der Steppe trieb. Das Mädchen mit den grünen Augen war noch nie ein Fan der Hitze und der stehenden Luft gewesen.
Auf wackligen Beinen schlüpfte sie in die hellen Strahlen der Nachmittagssonne. Vor wenigen Tagen hatte sie noch gerne im Stall gearbeitet aber seitdem die Quelle blockiert und ihr Vater als Arbeiter weit weg geschickt wurde um Steuern auszugleichen war es eine schwere Tätigkeit. Ihre Mutter Luise übernahme die Feldarbeit in der nur schwer befruchtbaren heißen Steppe. Um in das Feld zu gelangen ritt ihre Mutter immer mit ihrer braunen Stute Jule. Elma selbst hatte einen grauen Mustang, den sie Felix getauft hatte und ihr Vater ritt immer auf einem dunkelbraunem namens Tojkan. Müde ging das Mädchen über den Hof und ließ sich schwerfällig auf einer Bank vor dem Haus fallen. Peggy, eine fast schon dunkelrote Stute mit weißen Punkten und struppiger Mähne, stand zusammen mit Finnick, einem schwarzen Ponys mit ebenfalls zotteliger Mähne, an der Tränke hinter dem Zaun. Ihre Blicke waren neugierig auf den hellbarunen Hund Hug gerichtet, der sich ein kleinens schattiges Plätzchen gesucht hatte und offensichtlich sein Publikum vergessen hatte, denn er bewegte sich keinen Zentimeter. Die Fliegen brummten um die Pferde herum und immer wieder schüttelten diese wild ihre Köpfe, Zuckten mit der Mähne oder schlugen mit ihrem Schweif.
Elmas Blick blieb an Hug hängen und sie überlegte, was ihr heute Abend noch alles machen musste. Da ihre Mutter heute sehr spät zurückkommen würde müsste sie kochen. Außerdem musste sie noch die Pferde zu der Wassestelle bringen und die Tränke füllen. Stöhnend und widerspenstig erhob sie sich und wanderte zur Sattelkammer. Nachdem sie die Knotenhalfter von Felix und Tojkan, einen Sattelgurt und zwei Eimer gesammelt hatte ging sie zurück in die brennende Hitze. Zur Begrüßung kraulte das Mädchen Peggy durch die Mähne, während Finnick derweil an den Eimern schnupperte. Nach einem schrillen Pfiff kam Felix auch zu ihr, ebenso wie Tojkan, die anscheinend schon auf den täglichen Marsch zum Wasser gewartet hatten denn sie trotteten augenblicklich über die karge Wiese. Oder eben das, was man in dieser Gegend "Wiese" nennen konnte. Elma kuschelte Felix durch, befestigt dann den Sattelgurt an Tojkan und hängte die Eimer in die Karabienerhaken ein. Sie öffnete das Gatter und ließ die beiden durch. Peggy wollte sich mürrisch durchdrängeln, doch Elma versperrte der frechen Stute den Weg. "Gleich seid ihr dran." versprach sie den beleidigten Pferden, pfiff Hug herbei, saß auf Felix auf und trieb das graue Tier die sandige Straße abwärts von der Ranch.
Bald kamen sie ihrem Glück in einen ruhigen Wald, wo das Blätterdach die beißende Sonne fernhielt. Während sie zwischen den Bäumen entlanritt hingen ihre Gedanken ihrem Vater nach. Elma hatte die Szene noch genau im Kopf. Diese Männer waren gekommen, hatten irgendeine Liste mit Schulden vorgelesen und ihn dann kommentarlos mitgenommen. Ruhig schnaubte Felix und streckte den Kopf entspannt nach vorne. Das Mädchen liebte ihren Mustang. Sie hatte ihn selbst gefangen und gezähmt, was wirklich nicht leicht gewesen war. Aber lohnenswert.
Plötzlich drang ein energisches Fluchen an Elmas Ohr. Auf dem Weg lag ein klappriges Gestell aus Holz und daneben hockte ein Junge, den sie nicht mal aus ihrer Schule kannte. Sein Pferd stand neben ihm ein Stückchen im Wlad und graste zufrieden, während der Besitzer mit seinem Gemecker die singenden Vögel übertönte. Neugierig ritt Elma auf ihn zu. Als man sie nicht mehr übersehen konnte hob der Junge den Kopf und lächelte sie verschwitzt an. Das Mädchen lächelte zurück und fragte: "Wer bist du und was ist los?" Höflich aber bestimmt klang ihre Stimme. Der Junge wischte sich den Schweiß von der Stirn. "Flint. Und ich hab eine Panne. Ich hab nur einfach keine Geduld heute." meinte er und kraulte seinem Pferd, das näher gekommen war, über den Hals. "Und du?" Elma strich sich ein paar Pferdehaare ab und antwortete: "Ich heiß Elma. Komm von der Ranch da hinten," mit der Hand deutete sie wahllos hinter sich, "und ich bin auf dem Weg zum Fluss." Bei dem Wort "Fluss" wurde Flint hellhörig und meinte etwas vorsichtiger: "Kann ich vielleicht mitkommen? Roach bräuchte auch Wasser." Zustimmend nickte Elma ihrer neuen Bekanntschaft zu und Flint saß auf. Während sie nebeneinander durch den ruhigen Wald ritten erzählten sie sich ein bisschen was von ihrer momentanen Lage. Flint hatte seine Eltern verloren und zog nun mit seinem geflecktem Mustang Roach umher als Händler. Er wirkte sympathisch, ehrlich und neugierig aber diese Eigenschaften teilte auch Elma.
Nachdem sie Flint eingeladen hatte zu ihr mit nach Hause zu kommen, wo er sich ausruhen und essen konnte saßen sie zusammen in der Küche und es wurde immer später. Sie waren in ein spannendes Thema vertieft und vergaßen die Zeit. Draußen legte die Nacht ihren Schatten über die karge Steppe und die Kälte machte sich breit. Sie drang in jeden Winkel des Hauses, sodass Elma und Flint sich in dicke Decken einrollten. Flint wurde immer schläfriger und schob bald schlossen sich seine Augen. Aus der Decke lugten nur noch die braunblonden Haare hervor. Elma unterdes konnte keinen ruhigen Augenblick finden. Luise sollte doch eigentlich schon lange hier sein, aber draußen war alles still. Ein starker Wind wirbelte um das Haus. Die Pferde standen versorgt im Stall und Hug lag unter dem Tisch. Unruhig stand Elma auf und öffnete die Tür nach draußen aber in der tiefen Dunkelheit war nichts zu erkennen. Flint hob müde den Kopf und sofort zuckte er zurück, als die Kälte in seine Knochen stieg. "Was ist?" murmelte er und Elma hätte schwören können, dass er zur Hälfte die Decke im Mund hatte. "Meine Mutter kommt nicht. Sie ist eigentlich immer pünktlich..." antwortete sie und kniff die Augen zusammen um vielleicht doch noch etwas erkennen zu können. Flint setzte sich mühsam auf und zog seine Hände wieder unter die warme Decke. "Vielleicht ist sie draußen und macht noch irgendwas." versuchte der braunblonde Junge seinen Schlaf zu sichern, aber Elma war schon aus dem Haus gegangen. Flint seufzte und folgte dem Mädchen.
Zusammen bewaffneten sie sich mit Laternen und machten sich auf die Suche nach ein Lebenszeichen von Elmas Mutter. Aber auch nachdem sie den ganzen Hof abgesucht hatten war keine Menschenseele gefunden. Elma war sogar ein Stück hinaus in die Steppe geritten und hatte nach ihr gesucht. Vergebens. In der Ferne hörte man ein starkes Gewitter herandröhnen und die Beiden rannten schnell wieder zurück in das Haus, bevor Blitze, Donner und Hagel um das Haus getürmt wurden. Keinen Augenblick hatten weder Flint noch Elma die Augen in dieser Nacht geschlossen. Die Sorge hatte auch Flint im Griff. Luise kam immer zurück. Bis jetzt.
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Zufall
Adventure"Vertraue niemandem. Besondest nicht dem Zufall." Elma lächelte glücklich und kuschelte sich an den Arm ihres Vater. Er küsste ihr auf die Stirn und sein Blick wand sich der Sonne zu, die brennend in rot, orang und gelb in der Steppe versank. "Denn...
