Wenn man Jahrelang unglücklich war, depressiv, suizidal oder einfach nur gebrochen dann kennt man keine anderen Gefühle mehr. Irgendwann wird alles besser. Damit haben sie nie gelogen nur wie schwer es wird diese Veränderung zu akzeptieren haben sie nie erwähnt. Nie hat jemand erwähnt wie Verzweiflung hochkommt sobald man ein wenig glücklicher wird. Diese Pure Furcht davor nicht mehr man selbst zu sein obwohl man sich davor selbst auch fremd war. Nur diese unglückliche von Nebel umgebene Fremde kannte man irgendwann als die eigene Realität. Die einzige Vertrautheit. Die stille Trauer war wie eine schwarze Samtdecke über die eigene Welt gelegt und dämpfte alles Licht und jedes Geräusch. Sobald man sich bessert kann es passieren das diese schützende Decke verschwindet. Anfangs noch langsam, man kann sich an das Licht und die Umgebenen Geräusche gewöhnen und dann gibt es Momente wo alles viel schneller geht. Die Decke wird gewaltsam weggerissen. Man steht plötzlich verloren in einem hellen, lauten Raum in dem plötzlich alles anders ist als man es früher wahrgenommen hatte. Man fühlt sich entblößt und zur schaugestellt, dreht sich fragend, verzweifelt im Kreis auf der Suche nach der vertrauten schwärze der Decke und des Nebels. Alles ist neu. Es geht vorbei, es wird alles gut für den Augenblick. Man ist endlich mal wieder glücklich und genießt die strahlende Helligkeit und die Klarheit der Geräusche aber irgendwann sind es zu viele, laute Geräusche und zu grelle Lichter die einen überfordern. Man will sich wieder in die Vertrautheit der Dunkelheit begeben. Einfach wieder so sein wie man sich selbst Jahrelang kannte. Die Person sein als die man sich profilierte. Man sagt immer deine Krankheit definiert sich nicht aber man selbst identifiziert sich nur mit der Krankheit, weil sie oft der größte Teil der Gedanken ist und den größten Einfluss auf dein Leben hat. Plötzlich fehlt einfach ein Teil deiner Gedanken. Er hat sich umgewandelt in etwas dir vor Jahren verloren gegangenes. Etwas das man wieder vergessen hat, das ein wenig beängstigend ist. Vielleicht is es nur beängstigend, weil einem auffällt das etwas Wichtiges vergessen wurde. Aber man kann alles Vergessene wieder aus dem Gedächtnis heraufholen und die Spinnweben wegwischen. Man kann lernen weniger Angst vor dem hellem Licht zu haben das einen umfließt, vor den klaren Geräuschen die sich irgendwann in verschiedene Dinge filtern lassen. Stimmen die man lange nur gedämpft und zynisch hörte. Klares Lachen das einmal spöttisch wirkte und Musik die auf einmal etwas ganz anderes bedeutet.
Doch manchmal wird doch alles zu viel, der Nebel verbreitet sich und die Decke legt sich und dämpft wieder einmal alles. Anfangs ist es entspannend da man endlich alle Gefühle und Wahrnehmungen kennt aber dann kommt die schiere Panik davor nicht mehr herauszukommen. Die Decke ist plötzlich stickig, nimmt einem die Luft zum Atmen, ist so eng das man das Gefühl hat gefangen zu sein. Man hat Angst nicht mehr atmen zu können und das man ohne das lieb gewonnene Licht einfach wieder zerbricht. Wieder in den dunstigen Nebel der Gleichgültigkeit verschwindet und unter der Decke versteckt bleibt und nicht mehr hervorkommt. Das man wieder in die gedämpfte graue Welt eintaucht und dort wieder ausharrt bis das Licht einen überflutet und die Geräusche auf einen niederprasseln wie Hagel. Aber jedes weitere mal wo die Decke sich über einen legt ist sie nicht so schwer wie das mal davor, jedes weitere mal wo der Nebel sich lüftet und es wieder hell wird ist es nicht so überfordernd wie das mal davor, jedes weitere mal bleibt die Klarheit stabiler und länger. Jedes weitere mal wird es einfacher die Situation zu begreifen und nicht wieder zu fallen. Irgendwann wechselt die Normalität und man tauscht den Nebel gegen die Klarheit. Die Helligkeit ist nicht mehr blendend, sondern ein Teil des Täglichen und der Nebel ist wie ein Sturm. Er kommt und zieht dann wieder vorbei.
