Prolog

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Behutsam lege ich die Flasche Wasser auf das Kassenband, damit sie ihre Kohlensäure nicht verliert.

Die Kassiererin sieht müde aus. Dunkle Augenringe zeichnen sich unter ihren Augen.  Natürlich ist sie müde, denn hier schläft seit Tagen niemand mehr. In den äußeren Gebieten des Landes herrscht Krieg und hier in Central sind Lebensmittel knapp. Die Menschen gehen nicht mehr arbeiten, weil sie wissen, dass sie ihr Geld nicht bekommen. Ihnen wird versprochen, dass sie es später bekommen, aber jeder weiß, dass es nicht so ist. Die Wirtschaft wird innerhalb weniger Tage komplett zusammen brechen.

Die Frau hinter der Kasse steckt das Geld, das ich ihr reiche in ihre eigene Hosentasche und drückt mir die Flasche in die Hand. Ihre Augen strahlen Leere und Angst aus. Angst, dass sie Central angreifen. Und das werden sie ganz bestimmt. Schon bald.
Mit schleppenden Schritten gehe ich nach Hause.
Auf den Straßen ist nichts los. Alle sitzen Zuhause und warten. Es ist ein endloses Warten. Auf nichts.
Mein kleiner Bruder empfängt mich lächelnd. Michael versteht die Lage nicht. Er ist noch zu jung. Ich nehme ihn auf den Arm und drücke ihn an mich. Ich wünsche mir, dass er niemals etwas von all dem mitbekommen wird, was im Moment passiert.

Der Fernseher ist eingeschaltet und ohne es sehen zu können, weiß ich, dass meine Mutter dahinter sitzt und auf die Nachrichten diesen Abend wartet. Es gibt nur noch ein Programm und das wird direkt von Präsident Grant ausgestrahlt. Es sind die Nachrichten über die momentane Situation. Ich lasse Michael herunter und gehe ins Wohnzimmer.

"Leider konnten wir den Widerstand in den äußeren Regionen noch nicht besiegen", schnappe ich auf und stelle mich neben meine Mutter. "Wir werden weiter kämpfen. Das System wird eingeführt und alle beschützen."

Mehr will ich nicht hören. Ich weiß, dass Grant den Krieg gewinnen wird. Seine Truppen sind zu groß. Der Widerstand hat keine Chance gegen ihn. Außerdem haben die meisten zu sehr Angst vor Grant, um sich dem Widerstand anzuschließen.

Wenn die äußeren Regionen erstmal besiegt sind, wird er das System einführen. Und jeder wird ein Teil davon sein. Ob man will oder nicht. Es wird uns jeden Teil von uns selbst nehmen und uns kontrollieren. Keiner wird mehr so sein Leben führen, wie er es wollte. Das System wird uns alles vorschreiben.

CapturedWhere stories live. Discover now