Tunnelblick

73 2 0
                                        

Es ist kalt. Die flimmernden Straßenlaternen um mich herum verschwinden in meiner verschwommenen Sicht. Wie lange laufe ich schon? Wo habe ich begonnen so weit zu wandern? Wie bin ich dazu gekommen so tief zu sinken?

Meine Beine ganz schlaff. Meine Augen brennen. Und ich laufe weiter. Mache keinen Ansatz stehen zu bleiben. Keine Bank gibt mir den Drang mich hinzusetzten und mich auszuruhen. Mein Gewicht lastet schwer auf mir. Weiter. Und weiter. Tiefer in die Dunkelheit. Aber... Ich will nicht stehen bleiben.

Mein Kopf sinkt tiefer. Tränen rollen über meine Wangen. Und ich lache. Laut. Aus verzweiflung. Was kann ich tun? Aber ich will nicht. Ich will hier nicht weg. Also fange ich an zu rennen. Ganz weit. Ganz tief. Das Licht verschwindet ganz. Alles um mich herum scheint trüber als zuvor. Nur noch der Boden hält mich.

Ich werde langsamer. Schlurfe nur noch. Ich schaue hoch. Und noch eine Träne rollt. Plötzlich hören sie nicht mehr auf. Vielleicht will ich das auch garnicht.

Es ist dunkel. Ich sehe nichts. Garnichts. Nur die schwarze Hülle die mich umgibt. Und auf einmal realiziere ich. Ich bleibe stehen. Falle auf die Knie. Lasse mich zu Boden sinken. Ich lache. Leise. Wozu weiterlaufen? Es gibt eh kein Ziel.

Ich bleibe liegen. Rolle mich zusammen und schlafe ein. Friedlich. Mit einem lächeln. Endlich frei.

StigmaWhere stories live. Discover now