Prolog: Opfer des Wahnsinns

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Libella. Die Ruinen der alten Ära. Der Ära ihrer entschwundenen Götter. Keiner von ihnen hatte geglaubt, dass sie es überhaupt bis hierhin schaffen würden. Doch nun standen sie hier, im tiefsten Geheimnis ihrer Welt. Weißer Schnee rieselte langsam, wie jenes, zartes Wiegenlied aller Mütter auf die beteiligten hinab und bedeckte den Boden auf dem sie liefen. Maira war zaghaft, wusste nicht wie sie den ersten Schritt auf solch alten und geheiligten Boden setzen sollte.„Komm.", eine Hand wurde ihr gereicht, ihr Blick wanderte hinauf in die pechschwarzen Augen ihres Partners. Yallad legte den Kopf schief und musterte sie mit einem Lächeln. Dieser Schneeelf schaffte es aber auch immer, ihr Kraft zu schenken. Schmunzelnd ergriff ihre vergleichsweise kleine Hand die seine und beide taten gemeinsam den ersten Schritt auf vergessenes Land. Pflanzen waren hier schon lange durch den tiefen Winter zerfallen und jene Bäume die einst Mal an diesem Ort existierten, waren seit Jahrhunderten, wenn nicht auch Jahrtausenden tot. Eine weibliche Stimme, die doch eine gewisse Stärke inne hatte, unterbrach die Grabstimmung dieser vor ihnen liegenden Ruinen „Der Winter hier ist irgendwie kälter als in den anderen Ländern...", Mairas Blick wanderte zu ihrer rechten, wo eine junge Dame mit schwarzem, gewelltem Haar herlief, dass ihr bis an die Hüften reichte. Ihre mittlerweile engste und beste Freundin auf dieser unwirklichen Welt, Evelyna. Schmunzelnd hob sie ihre Faust und stieß der doch etwas besorgt wirkenden Freundin gegen die Schulter „Was? Angst?" „Was? Ich? Neeeein.", wie ein Speer kam die Antwort rausgeschossen und Maira wandte ihren Blick wieder auf den Weg vor ihnen. Die Schwarzhaarige zog ihren blauen Umhang etwas fester an sich und verengte ihre sonnengelben Augen. Dummerweise war er vorne nur so kurz, dass er knapp ihre Brust bedeckte und dann nach hinten bis an ihre Knie weiter verlief. Evelyna hatte überhaupt ein sehr böses Gefühl was diese Sache betraf. Es war ihr einfach nicht Geheuer, Ruinen zu betreten die ihnen verboten waren. Um hier her zu gelangen hatten sie einiges an Leben getötet. Und dennoch.. eine Hand legte sich auf ihre Schulter und drückte leicht zu. Die junge Frau wandte ihren Kopf hinauf, nur um in das graubärtige Gesicht von Vincere zu sehen. Ein Lächeln zierte seine Lippen, die von Falten geschmückt waren. „Nur Mut,Lyna. Vergiss nicht, wofür wir all das bis heute getan haben.", er hatte recht mit seinen Worten.. vorerst. Doch würde er auch Recht behalten?

Während die gebürtige Livanthin in ihren Gedanken versank, klimperte im Hintergrund etwas in den Händen des letzten Gruppenmitglieds. „Thalion.. was in Veenas Namen tust du da?", die doch eher Hitzköpfige Stimme Mairas hatte sich nach hinten zu dem Hochelfen gewandt, der einige Goldmünzen von seiner Hand in einen Beutel gleiten ließ. Sofort hob sich der sehr markante Kopf und diamantblaue Augen starrten sie an. „Hmpf.. ich zähle mein Geld. Was denkst du denn, Liebes?", ein schelmisches Grinsen erschien auf den schmalen, goldenen Lippen Thalions, die Maira ihre Augen verdrehen ließen. Ihre Hand entglitt der ihres Partners und sie blieb stehen, somit machten auch die anderen drei an Ort und Stelle halt. „Thalion." „Nein?" „Zuerst einmal ist es weder dein Geld, noch das unsere sondern das von Toten. Und zum Zweiten, wir sind nicht hergekommen, um eine Bank zu eröffnen!", sie stemmte ihre Hände in die Hüften, verzog genervt das Gesicht während sieden Hochelfen anmotzte. Dieser schüttelte seinen Kopf, wobei die zu einem Zopf gebundenen blonden Haare von seiner Schulter glitten und er einige Schritte auf den kleinen Menschen zuging. „Sie waren Eigentümer des Geldes, nun sind wir die Besitzer. Beschweren können sie sich ja wohl nicht. Und hast du nichts wichtigeres zu tun, als dich mit mir zu Unterhalten?", er legte es darauf an, das Temperament des Mädchens zu reizen, doch der Schneeelf ging dazwischen. „Halt deinen unverschämten Mund, Thalion." „Sonst was, Yallad?" „Wirst du gleich zum Eisklotz.", beide Elfen, die doch von einer Rasse aber zwei verschiedenen Völkern kamen, starrten sich aus verengten Augen an. Tiefe Schwärze traf auf Diamantschimmer. Maira schlug sich die Hand ins Gesicht und seufzte, denn das hatte sie nun wirklich nicht gewollt. Bevor sie jedoch den Mund öffnen konnte, drängte sich Evelyna mit einer sanften Vorsicht zwischen die beiden hochgewachsenen Elfen. „Nun kommt schon meine Herren, uns steht etwas großes bevor. Und jeder von uns möchte doch voll und ganz dabei sein. Richtig?", ein eisiger Windzug streifte die aufgewühlte Gruppe, schleuderte den fallenden Schnee über alle hinweg während Yallad und Thalion sich voneinander entfernten. „Natürlich. Ich sehe ein, dass mein Verhalten unnötige Provokationen inne hatte. Ich bitte vielmals um Verzeihung.", die beiden Damen und auch der ältere Herr beschlossen, es dabei beruhen zu lassen, der Schneeelf jedoch wurde davon nur mehr gereizt. Wortlos nahm die Gruppe mutiger Reisender ihren Weg wieder auf und ließ die ersten, zerbrochenen Säulen aus alten Zeiten hinter sich. Wie als wären sie gebaut um die Sterne zu erreichen, ragten diese in Schwärze getaucht aus dem Boden bis weit in den verdeckten Himmel. Maira strich sich Nervös durch ihre wilden Locken, sah überall immer mehr Trümmer um sie herum, halb im Schnee versunken und völlig zerstört. Undefinierbare Symbole und Zeichen zogen sich über alle die in Sichtweite kamen. „Yallad, sieh doch mal..", sie deutete vor sich auf den großen Eingang, größer als die erbauten Mondtürme und überwältigender als das beschriebene Erscheinen der Drachen aus den Legenden. Doch dieser Eingang war anscheinend nur ein Teil dessen, was man eigentlich hätte sehen sollen. „Vincere, kannst du uns irgendwas zu diesem.. Tempel sagen?", sie hoffte auf Antwortendes Freundes, der nachdenklich die hohe Schicht des Schnees hinauflief und seine Hände an die steinerne Tür legte. Im Gegensatz zu diesem Eingang waren sie so klein wie Trauben vor einem riesigen Obstkorb. Das Dach darauf lag ebenso schräg wie die Tür und Maira war sich sicher, dass der eigentliche Tempel um Welten größer war. Versunken im Schnee. „Vince! Na komm, was ist denn nun?!", ungeduldig stampfte sie die Schneeschicht hinauf und gesellte sich zudem Erwachsenen, der die Tür abtastete. „Das dieser Tempel älter ist als unsere Zeit selbst, muss ich ja wohl nicht sagen." „Nein.." „Ich vermute, dass dieser Eingang durch einen Mechanismus verschlossen ist und.. stell es dir vor, wie ein Mandala. Man muss die Antwort von vorne rein kennen, sonst ist es unmöglich zu lösen.", na toll. Sie seufzte schwer, kaute auf ihrer Unterlippe. So würden sie also nicht weiter kommen. Da der Rest komplett im Schnee versunken war.. Ihr kam eine Idee. Sofort drehte sie sich um und rannte den Schneehügel wieder runter, direkt in die Arme ihres Geliebten. „Yallad! Du bist doch ein Schneeelf, kannst du nicht irgendwas tun?!", er wirkte überrascht, dann kratzte er sich mit einer Hand am Kopf, während seine andere ihre Taille hielt. „Nun..", man sah das der Hochelf im Hintergrund die Augen verdrehte, doch er ließ seine Stimme nicht erklingen. „Ich kann mit Schnee sehr wohl arbeiten.. aber Maira.. mal im Ernst. Der Tempel ist größer als alles, was ich bisher gesehen habe. Und.. das ist nur ein Teil davon. Den ganzen Schnee kann ich nicht ohne weiteres entfernen.. außerdem wissen wir nicht, was passieren könnte.", sie seufzte. Also auch nichts. Es schien hoffnungslos. Sollten sie ernsthaft hergekommen sein, nur um aufgehalten zu werden? Plötzlich schoss Evelyna an ihre Seite „Maira, dein Auge. Wie wäre es damit?", sie deutete auf ihr linkes Auge, dass von einem Tuch verdeckt war. Stille kam kurz über die Gruppe, bevor Maira nickte und sich wieder dem halbverschütteten Tempel zuwandte. Langsam löste sie das Tuch, obwohl man hinter ihr Yallad protestieren hörte. Aufgehalten wurde er von dem blonden Hochelfen, der ihn mahnte sich zu verhalten. Worauf dieser natürlich nicht hören wollte. Ein weiterer langer Atemzug, ehe sie ihr verschlossenes Augenlid mit einer schnellen Bewegung öffnete und das strahlende Lila zum Vorschein kam. Sie spürte wie eine fremde Luft in ihre Nase drang, sah wie der Tempel im alten Glanz erstrahlte und vom Schnee emporstieg, obwohl in Wahrheit nur Trümmer vor ihr lagen. Wieder war alles um sie herum mit Wärme gefüllt, ihr Körper wurde taub und doch fühlte sie den Schmerz und die Krankheit die ihre Welt verseuchte in ihrem Herzen.. die Tränen die ihr lilanes Auge verließen, als sie ihre Hände nach vorne ausstreckte, waren warm. Eine Druckwelle schoss nach vorne, der Schnee wurde zur Seite geschleudert wie zwei riesige Wellen deren zerstörerische Kraft selbst Länder versenken könnte. Nun war fast die Hälfte des Eingangs freigelegt worden und eine lila glühende Reihe von Symbolen schlossen sich zu einem Kreis. Ein Druck in ihrer Brust bewegte sie vorwärts, doch dann stoppte sie. Eine Stimme, die sie aus ihren Träumen kannte flehte sie an, sie solle umkehren. Doch Maira schüttelte diese Stimme aus ihrem Kopf, legte ihre Hände wie zuvor Vincere an das große Symbol der Tür, das nun sichtbar geworden war. „Warte Maira, wir wissen nicht, was man tun muss!", nur leise drang die Stimme Yallads an ihre Ohren, da das Pfeifen des Windes und peitschen des Schnees fast jegliche Geräusche von ihr abprallen ließ. Vor ihren Augen hatte sie es doch gesehen, wie das Zeichen, kein Mechanismus aber ein magisches Siegel geschlossen worden war. Nun würde sie es öffnen. Worte in einer fremden Sprache, die sie nie gelernt hatte verließen plötzlich ihren Mund. „Yi hain me Zchet, ten biz.. Sinain karat. Liyo Zchetajet farren.", dass flüstern sandte sich wie Wellen über die Symbole, die sich augenblicklich verformten und mittig zusammen zogen. Sie wurden schwer wie Blei. Eine schwarze Masse floss hinab auf den Schnee und befleckte diesen mit Dunkelheit, als ein gequältes Weinen, ein grausamer Schrei gemeinsam mit den Stimmen ihrer Freunde in ihren Kopf raste. Das Knacken, wie als hätte man ein Schloss gebrochen, erzeugte einen riesigen Riss der die Erde unter ihren Füßen beben ließ. Regungslos blieb sie an Ort und Stelle, ihre Augen auf das Strahlen vor sich gerichtet, als sie von den beiden Händen Yallads an den Armen gepackt und vom Tempel zurückgerissen wurde. „Maira! Komm wieder zu dir!", die Masse schoss wie ein Netz um die Reisenden herum, der ganze Schnee verschwand in dem Schleim der Dunkelheit und der Himmel wurde Schwarz. Verwirrt blinzelte sie, als plötzlich die Realität vor ihren Augen wiederkehrte und Maira sich in den Armen Yallads wiederfand. „Yallad?" „Wir müssen weg!", sie hörte Evelyna rufen, wurde von ihrem Geliebten auf die Beine gestellt und an der Hand mit sich gezogen. Ein Tuch war erneut um ihr Auge gebunden worden und ihre Sinne kamen allmählich zurück, als sie vor sich die schwarze Masse sahen und wieder zurück in Richtung des Tempels gedrängt wurden. Thalion knirschte mit den Zähnen, ballte seine Hände zu Fäusten während seine blauen Augen hin und her huschten. Evelyna zog ihren Pfeil und Bogen, zielte hin und her auf die schleimige, schwarze Masse. Vincere dagegen, hielt mit einem doch ängstlichem Ausdruck seine beiden Streitäxte fest in den Händen, während er Rücken an Rücken mit Evelyna stand. Ihm war die Panik, über die Existenz eines solch ein Monströses selbst ins Gesicht geschrieben. Maira dagegen, war bei ihrem Geliebten, drückte seine Hand als sich aus dieser Masse langsam eine riesige Gestalt auftat. Augen so glühend Rot wie das reinste Blut dieser Welt öffneten sich und Zähne, schärfer als jede Klinge grinsten die nun fast schon hilflosen Menschen und Elfen an. Als die tiefe, grässliche Stimme erklang, sprach diese in derselben, fremden Sprache, die nur kurz zuvor Mairas Lippen verlassen hatte. Doch nur sie war, die seine Worte verstand. „Du, dummes Kind, hast mich aus meinem Schlaf geholt und meine Fesseln gelöst. Meinem Ruf bist du gefolgt und nun,nun sollst du mir auf Ewig dienen! Tod sei deinen Gefährten!", ihr braunes Auge weitete und ihr Körper verkrampfte sich in einem Schrei, als die Gestalt auf sie hinab schoss. Doch ein Stoß traf Maira.. und sie spürte die Kälte des Schnees in ihrem Gesicht. Erst der Schrei ihres Geliebten, wo durch Mark und Bein ging, ließ sie hochschrecken. Warum nur?...

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⏰ Last updated: May 01, 2019 ⏰

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Schwinge der HoffnungWhere stories live. Discover now